13.06.2019 - 11:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schiedsrichter, Gesprächspartner, Überwacher - Inspektor in der JVA Weiden

Robert Müllers Arbeitsplatz ist besonders. Der 49-Jährige ist Inspektor in der JVA. Doch er schließt nicht nur Zellen auf und überwacht Gefangene. Für die Inhaftierten ist er Schiedsrichter, Nachrichtenübermittler und Gesprächspartner.

Robert Müller hat alles im Blick: Der Weidener ist Inspektor in der JVA Weiden - eine Aufgabe, die viel Verantwortung mit sich bringt.
von Autor EWAProfil

„Für viele bricht erst einmal eine Welt zusammen, wenn sie ins Gefängnis kommen“, sagt er. „Gerade zu Beginn der Haft ist es oft sehr wichtig, dass die Leute auch mal reden können.“JVA Weiden, morgens 6 Uhr. Das Klappern von Schlüsseln ist auf dem Gefängnisgang zu hören, Zellentüren werden geöffnet. „Guten Morgen!“ Robert Müller hat Frühschicht, mit dem Wecken der Insassen beginnt sein Arbeitstag. Er wirft einen Blick in jede Zelle, schaut, ob es jedem Gefangenen gut geht – und jeder noch am Leben ist. „Befindlichkeitskontrolle nennen wir das“, erklärt der Inspektor im Justizvollzugsdienst. „Meistens ist Gott sei Dank alles in Ordnung, aber es kann vorkommen, dass man einen Gefangenen tot auffindet.“ In der JVA Weiden, wo der 49-Jährige seit 2009 beschäftigt ist, ist ihm so etwas noch nicht passiert. Aber er kennt die traurigen Überraschungen aus seiner Zeit in anderen Anstalten.

„Jeder Tag ist hier anders“, erzählt Robert Müller, während die Gefangenen das Frühstück in ihren Zellen oder im Gemeinschaftsraum einnehmen. „Manchmal ist es gar nicht so einfach, seinen Arbeitstag vorauszuplanen. Mal dreht einer der Gefängnisinsassen durch, weil er eine schlechte Nachricht erhält. „Dann versucht man erst einmal, das im Gespräch zu lösen. Man nimmt sich Zeit und spricht mit ihm. Aber auch der Sozialarbeiter der Anstalt ist hier ein wichtiger Ansprechpartner.“ Robert Müller und seine Kollegen sind Meister der Deeskalation. Ab und zu müssen Streitigkeiten geschlichtet und Gefangene beruhigt werden. „Wer nur Akten bearbeiten möchte, ist in diesem Job wirklich falsch“, sagt Abteilungsleiter Harald Bäumler. Wichtig ist auch, dass ein familiärer und lockerer Umgang zwischen den Kollegen herrscht und der Humor nicht zu kurz kommt.

"Modernes und freundliches Gefängnis"

„Weiden ist ein modernes und freundliches Gefängnis“, erklärt Robert Müller. „Wir haben hier nicht den typischen Anstaltscharakter.“ Tatsächlich könnte man oftmals fast meinen, man befände sich in einer Jugendherberge – wenn die Gitter an den Fenstern und die großen Schlösser an den Türen überall nicht wären. Düstere Gänge und eine beklemmende Atmosphäre gibt es hier nicht. Inzwischen ist es 6.45 Uhr, viele der Männer in der Abteilung von Robert Müller rücken zur Arbeit aus. „Wir haben hier im Haus Arbeitsplätze für 65 Gefangene“, erklärt dieser. „Diese sind meistens sehr begehrt, denn so können sie sich ein bisschen Geld verdienen.“ Dieses geht meistens für Kaffee, Zigaretten oder Süßigkeiten drauf. Diese Dinge können sich die Insassen zweimal im Monat im Gefängnis kaufen.

Während die Gefangenen bei der Arbeit oder wieder in ihren Zellen sind, hat Robert Müller nun erst einmal Zeit, Anträge und Post der Gefangen zu bearbeiten. „Der ganze Briefverkehr wird natürlich kontrolliert“, erklärt der Justizvollzugsbeamte. „Besuche müssen beantragt werden.“ Nun wird es Zeit für einige Haftraumkontrollen, anschließend hat ein Gefangener Gesprächsbedarf. „Wir sind natürlich die erste Kontaktperson“, sagt Robert Müller später. „Da schüttet einem schon mal jemand sein Herz aus.“ . „Da schüttet ei¬nem schon mal jemand sein Herz aus.“ Doch trotz aller intensiven Beschäftigung mit den Gefangenen muss die nötige Distanz immer gewahrt bleiben. Zumindest die Frage, zusammen ein Bierchen zu trinken, stellt sich schon einmal gar nicht – Alkohol ist in der JVA nämlich strengstens verboten.

Die JVA Weiden:

Die Justizvollzugsanstalt Weiden ist zuständig für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren an erwachsenen männlichen Verurteilten im Erstvollzug sowie bis zu einem Jahr im Regelvollzug. Im Erstvollzug befindet sich ein Strafgefangener dann, wenn er vor seiner aktuellen Inhaftierung noch keine oder nur einmal weniger als drei Monate Freiheitsstrafe verbüßt hat, alle anderen sind im Regelvollzug. Zudem wird in der JVA Weiden Untersuchungshaft an männlichen Personen ab 16 Jahren vollzogen. Die Anstalt bietet Platz für 120 Gefangene, die durchschnittliche Belegung liegt derzeit bei 110 Gefangenen.

Im umwehrten Bereich verfügt die JVA Weiden über sechs Abteilungen, verteilt auf drei Etagen, sowie eine Freigängerabteilung außerhalb der Anstalt. Die Gefangenen werden innerhalb der Anstalt als Hausarbeiter in den Abteilungen und in Versorgungsbetrieben (Küche, Wäscherei und technischer Dienst) sowie in Unternehmerbetrieben (Qualitätskontrolle, Verpacken) und außerhalb der Anstalt als Freigänger beschäftigt. 44 Justizvoll¬zugsbeamte, 4 Verwaltungskräfte und ein Sozialarbeiter arbeiten in der JVA Weiden.

Schlösser sind wichtig, um die Sicherheit der Gefangenen und des Personals der JVA Weiden zu gewährleisten.
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