07.06.2018 - 13:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit Schmerzen leben lernen

Zu schön wäre es, wenn wir Schmerzen wegzaubern könnten, sagt die Chefärztin der Schmerztagesklinik Dr. Susanne Neumeier am Aktionstag gegen Schmerz. Aber wirksame Hilfen gibt es schon.

Chefärztin Dr. Susanne Neumeier zeigt es: Übungen an der Sprrossenwand gehören auch zum Bewegungstraining in der Schmerztagesklinik in Weiden.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Zusammen mit ihren Mitarbeitern führte die Chefärztin durch die Tagesklinik im dritten Stock des Hauptklinikbaus und informierte über Behandlungsprogramme. Für Menschen mit Rückenschmerzen hatte die Medizinerin zunächst die positive Nachricht: „Neunzig Prozent der Rückenschmerzen sind harmlos“. Und selbst von den verbleibenden zehn Prozent müssten die allerwenigsten operiert werden. Weil es chronische Schmerzen „von Kopf bis Fuß“ gibt, wurden in der Schmerztagesklinik standardisierte Behandlungsabläufe entwickelt.

Mediziner sprechen dann von chronischen Schmerzen, wenn sie in einem „normalen Zeitraum“ - laut WHO sind dies sechs Monate - nicht zurückgehen.

Weil Schmerzen in den meisten Fällen nicht „per Knopfdruck“ abgestellt werden können, geht es in der Klinik vor allem darum, für den Patienten einen individuellen Bewältigungsprozess zu entwickeln. Dazu gehört, dass der Patient „ seine Schmerzen versteht“. Patienten kommen in der Tagesklinik zunächst zur Anamnese. Es folgt die körperliche Untersuchung durch den Physiotherapeuten und anschließend ein Gespräch mit dem Psychologen. Daraus wird eine individuelle Therapie festgelegt.

Zum Programm der Schmerztagesklinik gehören auch Gruppengespräche, Entspannungs- und Bewegungstraining. Diese Verfahren stehen neben der medikamentösen Therapie. Dabei soll laut Neumeier der Patient „Hilfe zu Selbsthilfe erfahren“ und Strategien entwickeln, um besser mit den Schmerzen leben zu können. Eine wichtige Behandlungsmethode ist die sogenannte Biofeedback-Therapie. Sie gibt dem Patienten Rückmeldung über die Vorgänge in seinem Körper.

Die Intensivtherapie in der Tagesklinik dauert im Regelfall fünf Wochen. Patienten kommen am Morgen in die Klinik und verlassen das Haus um 16 Uhr. Im Alltag sollen sie das Erlernte umsetzen. Mit dabei sind alle Altersgruppen, von Kindern bis zu den Senioren samt den sogenannten „Kopfschmerzkindern“.

Die Chefärztin weist auch darauf hin, dass berufsbedingte Stressfaktoren und die daraus resultierenden psychosomatischen Beschwerden in zunehmendem Maß zu den Auslösern von chronischen Schmerzen zählen.

Die Krankenhausstatistik zählt in der Schmerztagesklinik, die 2004 ihren Betrieb aufnahm, jährlich rund 3000 Patiententage. Dennoch sei in Deutschland die Versorgung für Schmerzpatienten noch lückenhaft, heißt es in einer Pressemitteilung zum bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp