24.08.2020 - 11:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Das schönste Handwerkszeug, das es gibt: die Sprache"

Am 24. August wäre Walter Katzenberger 100 Jahre alt geworden. Als Weidener Lokalchef hat er über Jahrzehnte den "Neuen Tag" geprägt. Zu einem besonderen Anlass blickte er auf sein Journalistenleben zurück.

Walter Katzenberger (1920 - 2007).
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Walter Katzenberger war NT-Lokalchef vom Ende der 40er Jahre bis 1985. Kollegen, die ihn als Vorgesetzten erlebt haben, werden ihn nie vergessen – und sie tun weiter das ihre dazu, dass legendäre "Katze"-Episoden noch heute an der Weigelstraße kursieren. In einer regelmäßig erscheinenden Kolumne skizzierte er das Stadtgeschehen als "Spectator" – persönlich gefärbte Betrachtungen voller Esprit, Humor und Hintersinn. Zum 40. Geburtstag des Verlags 1986 – Katzenberger war bereits im Ruhestand – reaktivierte er den "Spectator" für einen Gastbeitrag. Darin blickte er auch auf seine Anfänge beim NT und seine journalistische Laufbahn zurück. Ein Geburtstagsgeschenk, das nun an die Qualitäten seines Gebers erinnern soll – anlässlich dessen eigenen Geburtstags: Am 24. August wäre Walter Katzenberger 100 Jahre alt geworden. Hier sein Beitrag:

Der Mai ist gekommen, die Träume schlagen aus. Für Döhler, v. Gostomski, Nickl & Co. sind es wohlfeile Geburtstagsträume, denn ihr Sprössling, "Der neue Tag", steht auch als Vierzigjähriger voll Saft und Kraft mitten im harten Medienleben. Wohlgenährt und ohne Blessuren. Wenn schon festlich-frohe Geburtstagsglocken läuten – in Weiden wie in Amberg –, dann möchte auch SPECTATOR in seinem journalistischen Austragsstüberl beim Händeschütteln und Sprücherlaufsagen nicht fehlen.

Runde Geburtstage muss man als seelisches Lebenselixier feiern, selbst wenn sie manchmal einer alten Jungfer gleichen, die sich versuchsweise etwas zu auffällig auf jugendlich geschminkt hat. Aber bei 40 Jahren ist Faltentüncherei ja nicht notwendig. SPECTATOR liebt Geburtstage (besonders die eigenen), weil man da schöne, wenn auch unbrauchbare Sachen geschenkt bekommt, die man rasch wieder weitergeben kann und weil einem da selbst sogenannte gute Freunde mit Zähneknirschen so viele liebe Worte sagen, dass einem das Herz direkt von einer Gänsehaut überlaufen wird, als wäre es mit Schmirgelpapier liebkost worden. Geburtstage haben schon ihren besonderen Zauber.

SPECTATOR möchte solchem Zauber an einem so hochglanzpolierten Tag die gebührende Reverenz erweisen. Schließlich hielt er ja selbst 40 Jahre lang die „DnT"-Fahne voller Begeisterung hoch in den Weidner Himmel. Heute, zum Jubilate-Festival, fragt er sich einmal mit neugierigem Rückwärtsblick: Wie wird man eigentlich Redakteur beim „NeuenTag"?

Damals, Anno 1948, wohl so oder so. SPECTATOR so: Die zwei Verlagsmoguls der Gründerzeit hatten anscheinend den unerschütterlichen Glauben, dass aus dem blassen Journaillestudenten wohl noch ein brauchbarer Zeitungsmacher werden könnte; die Amis hatten auch gerade ihren gnädigen Tag und im alten Ringstraßen-Palais war vielleicht noch ein Plätzchen frei. Eine gute Handvoll Neugier, Abenteuerlust und Hurra-Journalismus kam sicher auch dazu.

Es war einmal ... Märchen werden rasch zu nüchterner Wirklichkeit, wenn einem der journalistische Alltagswind in die Hose pfeift. Heute weiß SPECTATOR, dass Journalisten bei der Jagd nach der Nachricht, der Reportage, der Nachricht und dem Knüller des Tages nur eines leichtfällt: Sich zu jeder Tages- und Nachtzeit unbeliebt zumachen. Auch wenn's schwerfallen sollte - man muss mit einem ständigen Liebesentzug leben können.

Der Nachruf auf Walter Katzenberger

SPECTATOR hat auf seinem langen Gang durch ein nicht immer fröhliches Zeitungsleben, das am Rande immer wieder einmal von so aufmunternden Kosenamen wie Zeitungsschmierer, Lügner und Verleumder, Journaillenbeutel oder Schmutzfink gesäumt war, viele Kollegen, Journalisten und solche, die es auch sein wollten, kennengelernt. Er traf großartige Schreiber und weniger brauchbare Schreier, blitzgescheite Leute und kaum erträgliche Besserwisser, begeisterungsfähige Nachrichtenjäger und lendenlahme Zeilenschinder. Licht und Schatten, wie überall im Leben und Beruf. Und doch sind Journalisten ein bisschen was anderes.

Ihr Handwerkszeug nämlich ist das Schönste, was es gibt – unsere Sprache. Sie beschäftigen sich Tag für Tag mit dem wertvollsten, aber auch dem zerbrechlichsten Spielzeug – dem Wort. Dazu sind Fingerspitzengefühl, Phantasie und innere Leidenschaft notwendig. Leider gibt es viel zu viel Kaputtmacher auf dieser üppig und bunt blühenden Wörterwiese. SPECTATOR hatte in seinen 38 Lehr- und Wanderjahren im „Neuen Tag" immer davor Angst gehabt, einmal als Angeklagter vor der Deutschen Sprache zu stehen. Wegen böswilliger Vergewaltigung und leichtfertigen Missbrauchs.

Ansonsten besaß er ein ziemlich dickes Fell, war trinkfest, optimistisch und manchmal auch der leibhaftige Ärger seiner Verleger. Diesen Frauen und Männern im Verlags-Olymp möchte SPECTATOR an diesem passenden Tag einmal kräftig die Hände schütteln. Auch wenn sie eine ganze Menge zu sagen hatten, so redeten sie ihm 38 Jahre lang eigentlich nicht allzuviel drein. Freiheit, mit der man gut leben und arbeiten konnte.

Danke schön dafür und dass es auch die nächsten 40 so bleiben möge, sei sein Geburtstagswunsch. Ein recht, recht langes und gesundes Medienleben für die Zukunft gehört natürlich auch dazu. Meint jedenfalls – SPECTATOR

Zur Person:

Walter Katzenberger

1948 heuerte Walter Katzenberger beim Verlag "Der neue Tag" an. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit wurde er Weidener Lokalchef, und er blieb es bis zum Ruhestand 1985. Geboren am 24. August 1920 in Weiden, hatte Katzenberger das Augustinus-Gymnasium besucht und 1939 mit dem Abitur abgeschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er den linken Arm verlor, studierte er Literatur- und Theatergeschichte in München. Walter Katzenberger starb 2007 im Alter von 86 Jahren.

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