13.08.2021 - 10:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schützen werfen Flinte nicht ins Korn

Mitgliederschwund, Überalterung und wegen Corona Stillstand am Schießstand: In Weiden haben zwei Schützenvereine aufgegeben. Müssen sich der Oberpfälzer Nordgau und der Sportschützengrenzgau Vohenstrauß um die Zukunft Sorgen machen?

Die Schützen des Oberpfälzer Nordgaus wie hier vom SV "Eichenlaub" Neustadt/WN bereiten sich auf die Saison vor, die im Oktober startet. Gauschützenmeister Wolfgang Weiß hofft auf einen reibungslosen Verlauf. Ein erneuter Lockdown würde die Pläne jedoch durchkreuzen..
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Schützengilde "Wilhelm Tell" Weiden hat sich aufgelöst, die Schützengesellschaft Hammerweg steht ebenfalls vor dem Aus. Die Gründe reichen vom hohen Altersdurchschnitt über sinkende Mitgliederzahlen und die Coronapandemie bis hin zur Baufälligkeit des "Tell"-Vereinsheims. Für den Oberpfälzer Nordgau, dem in Weiden zehn und im westlichen Landkreis Neustadt 26 Vereine mit insgesamt über 4000 Mitgliedern angehören, kann Gauschützenmeister Wolfgang Weiß "momentan nicht viel sagen". In vielen anderen Vereinen ist ein Mitgliederrückgang zu beklagen, bei den Schützen ist die Situation noch relativ stabil.

Ein Problem neben dem ruhenden Schießbetrieb während der Lockdowns war, dass es keine Neuzugänge gegeben hat. "Mitglieder ab der Schülerklasse aufwärts fehlen", sagt Weiß. Aber auch ältere kommen nicht mehr so zurück an die Schießstände wie vor der Pandemie.

Funktionäre fehlen

Das größte Manko ist jedoch, Funktionäre zu finden. "In der Gesellschaft will keiner mehr eine führende Position mit Verantwortung übernehmen. Jeder sucht für sich nur das Beste heraus", bedauert der Weidener. "Nur wollen aber nicht geben", das geht nicht. Weiß vermutet daher, dass sich "die Struktur im Schützenwesen ändern" wird: Hauptsächlich größere Vereine werden überleben, "aber ich hoffe, dass es kleine auch noch lange geben wird".

Das Ende der "Tell"-Schützen bezeichnet der Gauschützenmeister, der bei der Auflösungsversammlung dabei war, als schlimm, weil die Gilde "früher ein sehr aktiver Verein war". Als Hauptgrund für das Aus sieht er die Baufälligkeit des Schützenheims an, viele Mitglieder wollen den Schießsport weiter betreiben und sich daher anderen Vereinen anschließen. Schließlich beginnt die Saison im Oktober wieder. "Wir hoffen, dass wir normal durchstarten können. Momentan sind wir guter Dinge." Ein erneuter Lockdown würde die Pläne jedoch durchkreuzen.

Schon vor Corona ein Problem

Im Sportschützengrenzgau Vohenstrauß haben 23 Vereine aus dem östlichen Landkreis Neustadt mit 3000 Mitgliedern ihre Heimat. Auch Gauschützenmeister Stefan Brandmiller bereiten weniger die sinkenden Mitgliederzahlen Kopfzerbrechen. Wie Weiß sieht der Moosbacher ebenfalls Nöte "im Vorstandsbereich". Leute zu finden, die ein Ehrenamt übernehmen oder zur Mitarbeit bereit sind, wird immer schwieriger. Schon zu Zeiten vor Corona war dies ein Problem.

Dennoch bezeichnet Brandmiller die Situation aktuell als "sehr gut". Im Grenzgau gibt es "keine Vereine, die auf der Kippe stehen". Viele rüsten sich mit dem Umbau auf elektronische Schießstände für die Zukunft. Nur die Michldorfer Schützen haben "den sportlichen Teil aufgegeben", weil sie das Schützenheim, das in einer Gaststätte untergebracht war, wegen des Umbaus für private Zwecke räumen mussten. "Den Verein gibt es aber noch gesellschaftlich", betont Brandmiller.

Jugendliche begeistert

Soweit es möglich war, haben die Grenzgau-Schützen in Coronazeiten auch trainiert. Nach dem ersten Lockdown boten die Vereine im Juni 2020 vor allem Jugendlichen Übungseinheiten an. Ab Mitte September hat es sogar noch einige Wettkämpfe gegeben, bis dann der erneute Stillstand am Schießstand kam. Seit Anfang Mai 2021 ist vor allem der Nachwuchs wieder sehr engagiert. "Die Jugendlichen wollten schießen, sobald die Schützenheime wieder geöffnet waren. Die Begeisterung ist da", freut sich Brandmiller. Die Planungen für die Saison laufen, die Rundenwettkämpfe sollen in etwa fünf Wochen starten. Für November steht außerdem die Gaumeisterschaft mit Abstands- und Hygienekonzept im Kalender.

Der Sportschützengrenzgau rüstet sich noch anderweitig für die Zukunft. Seit 1994 gibt es im alten Rathaus in Moosbach einen etwa acht Quadratmeter großen Raum, der als Büro für die Mitgliederverwaltung und für Aufbewahrungszwecke genutzt wird. "Derzeit sind wir in Verhandlungen mit dem Bürgermeister über neue Räume für eine moderne und zweckmäßige Geschäftsstelle", informiert Brandmiller. Sie soll dem Gauschützenmeister und Referenten für Mitgliedsverwaltung als Arbeitsplatz sowie dem Gauvorstand als Raum für interne Sitzungen dienen. Zudem soll die Geschäftstelle als Dienstleistungszentrum verstanden werden, in der alle Mitglieder und Funktionäre zu bestimmten Öffnungszeiten zu Beratungen, Besprechungen oder Abholung von Ehrenzeichen und Sportpässen kommen können.

Zum Bericht über das Ende der Weidener Tell-Schützen

Weiden in der Oberpfalz
Die Schützen des Oberpfälzer Nordgaus wie hier vom SV "Eichenlaub" Neustadt/WN bereiten sich auf die Saison vor, die im Oktober startet. Gauschützenmeister Wolfgang Weiß hofft auf einen reibungslosen Verlauf. Ein erneuter Lockdown würde die Pläne jedoch durchkreuzen..
Auch im Sportschützengrenzgau Vohenstrauß sind die Aktiven wieder an den Schießständen wie hier beim Verein "St. Thomas" Oberlind. Die Verantwortlichen um Gauschützenmeister Stefan Brandmiller wollen besonders die Jugendlichen für den Sport begeistern.
Hintergrund:

2020 mehr eingetragene Vereine als 2019

  • Im Vereinsregister des Amtsgerichts Weiden waren am 1. Januar 2019 für die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth 1497 Vereine eingetragen.
  • 2019 neu eingetragen: 28
  • 2019 gelöscht: 6
  • Stand 31. Dezember 2019: 1519
  • 2020 neu eingetragen: 34 (davon 16 vor dem 1. März 2020 gegründet, die übrigen danach)
  • 2020 gelöscht: 15
  • Stand 31. Dezember 2020: 1538

Quelle: Amtsgericht Weiden, Abteilung für Registersachen

"In der Gesellschaft will keiner mehr eine führende Position mit Verantwortung übernehmen. Jeder sucht für sich nur das Beste heraus."

Wolfgang Weiß, Gauschützenmeister des Oberpfälzer Nordgaus

 

 

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