22.04.2021 - 09:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sexueller Missbrauch von Kindern in 51 Fällen: 47-Jähriger bekommt Bewährung

Erst wurde ein 47-Jähriger vor dem Landgericht Weiden wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Dann bekam er vom Bundesgerichtshof eine neue Chance. Die nutzte er nun.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
von Autor RNSProfil

Das erstinstanzliche Urteil des Weidener Landgerichts von Januar 2019 (drei Jahre und neun Monate) war nach einer Revision des Angeklagten vor dem Bundesgerichtshof aufgehoben worden. Es kam zu einem erneuten Prozess vor dem Landgericht. Der 47-jährige Mann musste sich nun wieder wegen des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern verantworten.

Nachdem sich Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Matthias Biehler, die Mitglieder der 4. Jugendkammer und die Verteidiger Rouven Colbatz und Florian Zenger bereits am 14. April auf ein Urteil geeinigt hatten, waren die Plädoyers und der Urteilsspruch am Mittwoch nur noch Formsache. Für seine schon Jahre zurückliegenden Taten, für die er in einem „Täter-Opfer-Ausgleich“ 11.000 Euro „Schmerzensgeld“ bezahlt, bekam der 47-Jährige zwei Jahre auf Bewährung. Landgerichts-Vizepräsident Josef Weidensteiner, Richter Peter Werner und die Schöffen legten ihm auf, das Geld an die Geschädigten fristgerecht zu zahlen. Die Gebühren für das Revisionsverfahren muss er zur Hälfte tragen.

Der Zimmermann aus dem Landkreis Hof, früher im Landkreis Tirschenreuth wohnhaft, hatte in der Neuauflage des Verfahrens gestanden, von 2011 bis 2016 gegenüber den minderjährigen Söhnen seiner damaligen Lebensgefährtin sexuell übergriffig geworden zu sein. 51 Fälle, davon drei schwere, legte ihm Staatsanwalt Biehler zur Last.

Als abschließende Zeugen hörte die Kammer am Mittwoch den polizeilichen Sachbearbeiter, bei dem die Anzeige der Mutter 2017 eingegangen war, sowie den damals ermittelnden Staatsanwalt. Letzterer berichtete, dass die Jungen ihm erzählt hatten, dass es im Alter von 13 bis 14 Jahren begonnen habe. Einige Male sei es nur zum „Befummeln“ gekommen, andere Male sei es heftiger gewesen.

Der Anklagevertreter kreidete dem Mann besonders an, das Vertrauensverhältnis als quasi Stiefvater der Buben missbraucht zu haben. Weil die Taten aber schon lange zurückliegen und ein „friedensstiftender Täter-Opfer-Ausgleich“ erzielt werden konnte, könne man der erzielten Einigung zustimmen. Dass der Angeklagte zudem zu einer Pädophilen-Therapie verdonnert wird, beantragten die Vertreter der Nebenklage Carola Rosenberger und Ralph Teubner. Dem wurde von Seiten des Gerichts aber nicht stattgegeben. „Tat- und schuldangemessen“ fanden die Rechtsanwälte Zenger und Colbatz die beantragten zwei Jahre auf Bewährung. Das Geständnis sei ihrem Mandanten nicht leicht gefallen. Bei dem nicht vorbestraften Mann sei vorher und auch danach nie etwas Strafbares vorgefallen. Deshalb sei auch die Anordnung einer Therapie nicht angebracht.

Der ganze Prozess musste neu aufgerollt werden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Wie kam es zu dem erneuten Prozess?

  • 3. Jugendkammer des Landgerichts Weiden verurteilt Angeklagten im Januar 2019 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 3 Jahren und neun Monaten
  • Richter befinden Mann aus dem oberfränkischen Landkreis Hof für schuldig, die beiden Söhne seiner Lebensgefährtin mehrfach unsittlich berührt und missbraucht zu haben
  • Verurteilter geht in Revision
  • acht Monate später: 1. Strafsenat des Bundesgerichtshof hebt Urteil wegen diverser prozessualer Fehler auf und verweist es ans Landgericht Weiden zurück

 

 

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