06.08.2021 - 14:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

So spannend ist das Volontariat bei Oberpfalz-Medien

An einem Tag beim Schießtraining der Polizei, am anderen auf dem Reiterhof. Videos drehen, Schreiben, Podcasts machen, Social Media: Das Volontariat bei Oberpfalz-Medien ist extrem abwechslungsreich. Zwei Volos erzählen von ihrem Job.

von Julian Trager Kontakt Profil

Der Grauschimmel wirft seinen Kopf nach links und schaut in die Kamera, als wäre er eines der Mädchen aus einer Heidi-Klum-Show. Das Pferd scheint neugierig zu sein. Mareike Schwab trägt dicke, schwarze Kopfhörer, die Kamera steckt auf einem Stativ, das sie über ihre Schulter gelegt hat. Der Grauschimmel und Mareike stehen sich gegenüber, Auge in Auge, die Kameralinse direkt vor der Pferdeschnauze. Die junge Frau schaut aufs Display, kontrolliert das Bild. Das Tier bleibt ruhig, die Pose sitzt noch immer. Mareike lächelt und kann gar nicht mehr aufhören zu lächeln.

Der Job als Journalist ist so viel mehr als nur im Büro vor dem Computerbildschirm zu sitzen, in die Tasten zu hämmern und Texte zu schreiben.

Mareike ist an diesem Freitag mit ihrer Kollegin Caroline Keller unterwegs, halb zehn morgens, ein Reiterhof in Stulln (Kreis Schwandorf). Beide sind bei Oberpfalz-Medien Volos, wie man Volontärinnen und Volontäre gemeinhin nennt. An diesem Freitag arbeiten sie an einem Teil einer Serie, die die Volos des Verlags selbst gestalten, "echt.Oberpfalz" heißt die Reihe, die in der Zeitung erscheint, aber natürlich auch im Onetz, auf Instagram und Facebook. "Bei der Zeitung arbeiten" ist schon lange mehr als nur Print. Sondern auch Social Media, Multimedia. Nicht nur irgendwas mit Medien, sondern fast alles mit Medien.

Verstärkt auf Social Media

Mareike Schwab ist seit Oktober 2020 Volontärin bei Oberpfalz-Medien, aktuell in der Amberger Lokalredaktion, ihr Schwerpunkt ist Multimedia. Die 23-Jährige stammt aus Altdorf bei Nürnberg, lebt aber jetzt in Weiden. Sie studierte Film und Videojournalismus. Nach dem Studium bewarb sie sich "wild überall", sagt sie. Beim Fernsehen, bei Zeitungsverlagen, egal, Hauptsache ein Volo. Sie entschied sich für Oberpfalz-Medien, weil dort viel ausprobiert werde. "Die brauchen Videos, ich kann Videos." Der Verlag hat zuletzt verstärkt den Fokus auf Videos und Social Media gelegt.

Hier geht es zur Bewerbung für das Volontariat bei Oberpfalz-Medien

Das Volontariat ist der bekannteste Weg innerhalb der Ausbildung von Journalisten zu Redakteuren in Deutschland. Und es ist wichtig, wenn man es in diesem Beruf zu etwas bringen möchte. Jochen Breyer etwa, Sportmoderator beim ZDF, der hat auch als Volo bei einer Zeitung angefangen.

Auf dem Reiterhof ist Mareike Schwab an diesem Tag Kamerafrau, Tontechnikerin und Regisseurin in einem. Kollegin Caro ist die Interviewerin, die Anmoderation macht sie im kniehohen Gras, im Hintergrund trotten Pferde über die Wiese. Caro beginnt zu sprechen, verhaspelt sich, fasst sich ans Hirn – und lacht. Mareike lacht, alle lachen. Nächster Take, passt, weiter geht's.

Mareike fotografierte schon als Jugendliche gerne. Wollte immer kreativ sein, und das könne man auch mit Videos, merkte sie im Studium, in dem sie auch einen Kurzfilm drehte, das Drehbuch dazu schrieb und ein 15-köpfiges Team als Regisseurin leitete. "Ich will Geschichten durch Filme erzählen", sagt sie. Das kann sie nun in ihrem Job. "Ich kann mich hier austoben." Hinter der Kamera, vor der Kamera, beim Schreiben, in Podcasts. Mareike ist Teil des True-Crime-Podcasts "Tödliche Oberpfalz". Zudem gibt's den Ausbildungspodcast, bei dem sich alle Volos ausprobieren können, die Themen können sie sich selbst aussuchen.

Kein 9-to-5-Job

In Stulln hat sich derweil Stefan, ein Reiter, sein Pferd geschnappt, Mareike braucht noch ein paar Action-Bilder. Sie filmt den braunen Hengst zwischen Maisfeldern, auf einer Wiese. Als Stefan dann mal weg reitet, ist er und das Pferd zu klein, zu weit entfernt von der Kamera. Mareike, schwarze flache Sneaker mit sauberen weißen Sohlen, die Kamera auf der Schulter, überlegt nicht lange und läuft hinterher – über den Acker, aber egal. Sie hat auch keine "normale" Arbeit. "Das ist kein 9-to-5-Job", sagt die 23-Jährige. "Da hat man jetzt nicht die super geregelten Arbeitszeiten." Dafür erlebt man mehr.

"Unser Beruf ist anspruchsvoll, manchmal auch stressig", erzählt die Hahnbacherin Kathrin Moch, die seit Oktober 2019 Volontärin bei Oberpfalz-Medien ist. "Da braucht man schon eine gewisse Leidenschaft." Man müsse Bock darauf haben, Geschichten zu erzählen, sich mit den Leuten aus der Region auseinander zu setzen. "Da arbeitet man dann auch gerne mal länger als fünf Uhr." Oder man fängt früher an. Viel früher als neun Uhr.

Einmal begleitete Kathi eine 92-jährige Zeitungsausträgerin auf ihrer Tour. In. Aller. Herr. Gotts. Früh. Um fünf Uhr morgens ging es los, bei minus zehn Grad. Aber es ist einer der Termine, der ihr besonders in Erinnerung geblieben ist. "Es sind all die kleinen und großen Geschichten als Ganzes, die Häuslebauer, Bürgermeister und Naturschützer, die Start-Up-Unternehmer und Künstler, aber vor allem die vielen "normalen Menschen", die einem bei dem Beruf das Gefühl geben Teil von ganz vielem und etwas ganz großem zu sein."

Kathi, 29, studierte Medien und Kommunikation, war nebenbei Praktikantin und dann freie Mitarbeiterin bei der Amberger Zeitung, aktuell ist sie in der Lokalredaktion Weiden. Bei ihr ging es schon immer in die Richtung Medien, meint sie. "Ich kann nix anderes, kein Mathe, kein Physik", sagt die Hahnbacherin und lacht. Auf einem ihrer ersten Termine traf sie gleich auf ihre ehemalige Grundschullehrerin. "Die hat dann gesagt, dass das passt, weil ich damals schon viel zu viel geschrieben hätte."

Rammstein schlägt Söder

Dass sie von Anfang an ernst genommen wurde, egal, ob als Praktikantin oder Volontärin, hat ihr besonders gut gefallen. "Ich musste nie Kaffee kochen", scherzt Kathi. Stattdessen durfte sie gleich auf coole Termine. Reportagen und Kommentare schreiben. Moderieren, bei einer Podiumsdiskussion tat sie das, obwohl sie es noch nie gemacht hatte. Oder berühmte Persönlichkeiten treffen – bei ihr hinterließ etwa die Maus aus der Sendung mit der Maus den größten Eindruck.

Wenn sie wollen, könnten Kathi und Mareike auch dabei sein, wenn bekannte Politiker zum Interview ins Verlagsgebäude nach Weiden kommen. Markus Söder war dieses Jahr da, zuletzt Katrin Göring-Eckardt. "Mit Politikern habe ich bisher wenig zu tun gehabt", sagt Mareike, die deswegen aber nicht wirklich traurig ist, sie hätte ja die Chance dazu gehabt. "Wenn ich aber Till Lindemann verpassen würde, dann wäre ich traurig", sagt sie. Rammstein schlägt CSU und Grüne.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Abwechslung als Volo. "Da erlebst du jeden Tag was Neues", sagt Mareike. "Man weiß nicht, was morgen passiert oder passieren kann." Nur ein paar Tage vor dem Termin im Reiterhof in Stulln, vor dem Videodreh mit den Pferden, stand sie bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg auf dem Schießstand – natürlich mit der Kamera in der Hand.

Mareike Schwabs Video von der Polizeiausbildung in Sulzbach-Rosenberg

Kathrin Mochs Reportage über die 92-jährige Zeitungsausträgerin

Gressenwöhr bei Vilseck
Hintergrund:

So läuft das Volo bei Oberfalz-Medien

  • Dauer: Zwei Jahre, erstes und drittes Halbjahr in der Ausbildungsredaktion (Zentralredaktion/Digital-Desk); in den anderen Halbjahren Einsatz in Lokalredaktionen.
  • Inhalte: Recherchieren und Schreiben für Print und Online, Social-Media-Moderation; Videos; Podcasts; Kennzahlen – also gemessenes Leser-Interesse und -Verhalten.
  • Voraussetzungen: Abitur und/oder Studium; entsprechende Arbeitsproben wären wünschenswert; kreatives Arbeiten und sicherer Umgang mit Social Media.
 
 

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