07.06.2021 - 14:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Spezialeinsatz für Taucher am Waldnaab-Düker in Weiden

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Die Baustelle des Düker-Neubaus nimmt die nächste Hürde. Damit die Waldnaab bald wieder im eigenen Flussbett fließen kann, müssen die Spundwände der Baugrube weg. Am Montag waren deshalb Taucher im Einsatz.

Gar nicht so einfach in voller Montur aus dem Wasser zu steigen. Taucher Rainer Dietl muss die Spundwände (links im Wasser zu sehen) der Düker-Baugrube abschneiden. Auch unter Wasser eine schweißtreibende Arbeit.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Die Lufttemperaturen liegen am Montagvormittag bei schwülen 23 Grad. Vergleichsweise zapfige 10 Grad Celsius sind es hingegen in vier Metern Tiefe unter Wasser. Rainer Dietls Arbeitsplatz für die nächsten Tage. Der Berufstaucher ist gerade dabei, die Spundwände auf Höhe der Waldnaabsohle mit einem Schneidbrenner abzutrennen. Die Bohlen begrenzen im Moment noch die Baugrube des Düker-Neubaus. Ende Juni soll laut Andreas Ettl vom Wasserwirtschaftsamt Weiden hier die Waldnaab wieder fließen dürfen. Bis es so weit ist, haben Dietl und seine Kollegen Oliver Leixner und Dominik Süßmann vom Unternehmen Berufstaucher Bayern aus Regenstauf noch gut zu tun.

„Die Donau war letztens mit 16 Grad wärmer“, scherzt der Taucher später an Land. Von seiner Arbeit unter Wasser ist nicht viel zu sehen. Mehrere Kabelstränge führen von einem Generator ins Wasser. Sie gehören zu einem Elektroschweißgerät mit dem Rainer Dietl im Wasser den Stahl durchtrennt. Ein paar Schaumkronen und Wirbel bilden sich an der Wasseroberfläche.

Anstrengende Unterwasserarbeit

Die Baugrube ist mit Grundwasser gefüllt, das normalerweise klar ist und blau schimmert und auch ein paar Grad kälter ist. Jetzt ist es aufgewühlt und schmutzig-braun. Nach knapp zwei Stunden ist für den Taucher Pause, die Arbeit kräftezehrend. Dietl schnauft, als er aus dem Wasser steigt. Seine Kollegen helfen ihm, sich von den Gurten und der Sauerstoffflasche zu befreien.

Ein dicker Vollgummianzug schützt ihn vor Kälte. Auch vor Stromschlägen oder wenn plötzlich ein Gewitter aufziehen sollte. „Dann muss ich raus, sicher ist sicher“, sagt Dietl. Seit 35 Jahren arbeite er als Berufstaucher. Einsatzgebiete können auch Kläranlagen, Brückenbauwerke oder in Kraftwerken sein. Und wie kann er unter Wasser sehen? „Hier gar nicht. Das ist reine Gefühlssache, und viel Erfahrung. Bei den Spundwänden arbeite ich mich zum Beispiel entlang der einbetonierten Führung am Boden vor.“ Die Stahlwände sind knapp zwei Zentimeter dick, das dauert. Bis zum Abend will er dennoch fertig sein.

Ende Juni fließt Waldnaab

Planer Andreas Ettl und Arbeiter der Passauer Baufirma Pfaffinger verfolgen den Einsatz. Die Arbeiten auf der Baustelle am Flutkanal, die seit Dezember 2019 laufen, kommen wieder ein Stück voran. „Ende Juni läuft das Wasser wieder“, sagt Ettl. Danach würden die oberirdische Pumpleitung abgebaut, die Erddämme beseitigt und möglichst bald der Rad- und Fußweg entlang des Flutkanals wieder freigegeben.

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Info:

Schneidarbeiten unter Wasser

Die Spundwände auf der Düker-Baustelle in Weiden werden mittels eines Elektroschweißgeräts mit einer Leistung von 400 Ampere durchschnitten. Als Schneidgerät dient eine sogenannte Thermolanze. An deren Spitze wird reiner Sauerstoff, der zuvor durch einen Brennstab an die Lanzenspitze geführt wurde, elektrisch gezündet. Dabei werden Temperaturen von über 5000 Grad Celsius erreicht.

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