08.10.2021 - 09:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sprechen über die Sünde: Christian Gold und Lukas Höllerer plaudern aus dem Nähkästchen

Das Sündikat ist ein Verein, an dem kein junger Menschen in Weiden vorbeikommt. Pop-Up-Clubs, Partys, außergewöhnliche Konzerte. Christian Gold und Lukas Höllerer erzählen im Gespräch mit Oberpfalz-Medien von ihrer Leidenschaft.

Christian Gold (links) und Lukas Höllerer haben sich der Kulturförderung in der Region verschrieben.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Lukas Höllerer und Christian Gold sind längst alte Hasen im Musik-Geschäft. Ehemals Mitglieder der legendären Weidener Indie-Band "Williams Orbit", sorgen sie nun mit ihrem Verein "Das Sündikat" für Furore. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien reden sie darüber, wie sie zur Musik gekommen sind, warum sie den Stress auf sich nehmen, Pop-Up-Clubs aus dem Boden zu stampfen, und wie sie den Künstlern in der Oberpfalz ein Gefühl von Heimat geben wollen.

Mehr von Lukas Höllerer und Christian Gold im Podcast "Mein Soundtrack"

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Höllerer zufolge kennen sich er und Gold "schon Jahrzehnte". "Wir haben bereits in vielen anderen Formationen zusammen Musik gemacht." Höllerer und Gold seien das erste Mal in der Schule miteinander in Kontakt gekommen. Höllerer: "Er war damals schon der coole Dude, der Musik gemacht hat." Mit ihrer Band "Williams Orbit" wurden sie unter anderem von der PULS Redaktion des Bayerischen Rundfunks als Band der Woche eingeladen. Die Band macht derzeit eine Pause auf unbestimmte Zeit.

Selber was auf die Beine stellen

Einen Namen hatten sie sich zwischenzeitlich aber auch schon durch ihren Verein "Das Sündikat" gemacht. Mit ihm hieven sie Pop-Up-Clubs aus dem Boden, veranstalten Partys und bringen Kultur ins triste Oberpfälzer Hinterland. Apropos tristes Hinterland: Eine Bezeichnung, mit der Gold gar nichts anfangen kann. Er sagt: "Zu behaupten, dass hier nichts los ist, ist in erster Linie eine Haltung. Genauso gut kann ich es selber in die Hand nehmen und was machen." In das selbe Horn stößt auch Höllerer. "Es ist total legitim und auch wichtig, mal abzuhauen, um was Neues kennenzulernen. Aber einen ganzen Ort da mit reinzuziehen, nur weil es hier keine Uni gibt, an der man mal 21 Semester Philosophie studieren kann, ist unfair."

Pop-Up mit Herz und Seele

Das scheint es in nuce zu sein, was das Sündikat ausmacht. Die ursprüngliche Idee war nicht mehr als das, dass ein paar Freunde aus der Region einige Konzerte veranstalten und dazu an verschiedenen Orten eine Tonanlage und eine Bühne aufbauen. Aus dieser Kneipenfantasie wurde schnell der Verein, der derzeit im Ring-Theater eine Konzertreihe veranstaltet und so bereits zum sechsten Mal für drei Monate einen Pop-Up-Club betreibt. Das Sündikat hat außerdem zwischendurch auch noch den Deutschen Spielstättenpreis sowie den Bayerischen Popkulturpreis für das innovativste Konzept abgeräumt. Sobald es in eine neue Runde geht und es eine neue Location gibt, dann entstehen Gold zufolge "vereinsintern immer wieder neue Kräfte" und Ideen.

Auch die Frage, warum sich die Vereinsmitglieder immer wieder den Stress antun, einen neuen Veranstaltungsort zu bauen, Künstler einzuladen und zu hoffen, dass alles klappt, ist keine Frage, die sich für Höllerer und Gold jemals gestellt hätte. Gold: "Wir machen das einfach, weil es einen Höllenspaß macht." Alles, worum es gehe, sei die Leidenschaft zur Musik und damit etwas auf die Beine zu stellen. Gold: "Wir bemühen uns jedes Jahr, neue Raumkonzepte und Lichtkonzepte auszuprobieren und uns da so richtig auszutoben." Höllerer fügt noch hinzu, dass es gerade der unterschiedliche Background der Mitglieder sei, der die Arbeit immer wieder neu beflügle. Die einen kommen aus der Musik, die anderen aus der Veranstaltungstechnik.

Aus Freunden werden Ehrenamtliche

Laut Höllerer war es seit dem ersten Tag ein Heidenaufwand, die Veranstaltungen zu organisieren. Doch nervige Arbeit war es nie. Gold: "Auch wir sitzen mal bei einem Bierchen zusammen, wir arbeiten zusammen auf unsere Ziele hin. Das schweißt den Freundeskreis zusammen." Gold zufolge ist aus einer Gruppe von Freunden ein ehrenamtlicher Verein geworden. Er betont, dass die Freundschaft nicht durch das Ehrenamt entstanden ist, sondern umgekehrt. "Wir treffen uns halt nicht zehn Mal hintereinander im selben Café, sondern sehen uns beim Aufbau. Wir machen auch das als Freunde."

Witziges aus dem Backstage

Nach mehr als 100 Künstlern, Acts und Bands, die die Sünde nach Weiden gebracht hat, können Höllerer und Gold schwer sagen, wer den "coolsten" Auftritt hingelegt hat. "Das wäre ja auch den einzelnen Künstlern gegenüber unfair", sagt Höllerer. In besonderer Erinnerung ist ihnen aber dennoch der Österreicher Liedermacher und Kabarettist Jo Strauß, der nach zwei Schachteln Kippen mit seinem Österreicher Charme was verlangt hat? Genau. Zwei Schachteln Kippen.

Die Playlist des Sündikats

Wichtig sei es ihnen, den Künstlern, die sie nach Weiden bringen, den bestmöglichen Komfort zu liefern. Gold: Wir versuchen, so viel wie möglich zu bieten, um einen hohen Standard zu haben. Wenn eine Band sechs Stunden Fahrt hinter sich hat, dann will sie nicht erst noch drei Stunden Soundcheck machen, bevor es dann mal was zu Essen gibt." Dabei haben die Veranstalter aber auch schon allerlei skurrile Erlebnisse gehabt. Von der Band, die zwei Liter besten Vodka, zwei Liter Kokoswasser und verschiedene Früchte verlangte, bis hin zu den Künstlern, die behauptet hatten, sie bräuchten für ihre Show unbedingt einen Strauß Blumen, nur um ihn dann im Backstage stehen zu haben.

Was Alkoholwünsche angeht, unterscheidet Höllerer zwischen zwei Künstlergruppen, wobei er mit Nachdruck betont, dass ihm die erste lieber ist. "Die eine Mannschaft trinkt den Sprit, den sie bestellt hat, brav aus. Die andere packt ihn ein, um dann zu Hause Schnaps zu haben." Alles in Allem sagt Gold zur Verpflegung der Künstler: "Das ist überhaupt nicht schwer, wird aber viel zu oft vernachlässigt. Oft ist aber genau das die Initialzündung, damit sie merken, dass es schön ist, hier zu sein."

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Oberpfalz

 

 

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