27.12.2020 - 10:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

St. Michael feiert mit Zoom-Gottesdienst Weihnachten

Die evangelische Michaelskirche in Weiden war am Heiligabend leer. Trotzdem feierten die Gläubigen eine besondere Christvesper mit dem neuen Dekan Thomas Guba.

von Helmut KunzProfil

„Ungewöhnliche Zeiten verlangen nach ungewöhnlichen Maßnahmen.“ Die Erfahrung, die Dekan Thomas Guba an Heiligabend mit der virtuellen Übertragung der Christvesper von St. Michael machte, war für ihn jedenfalls „ein echtes Experiment“. Rund 50 PCs und Laptops hatten in den Zoom-Gottesdienst eingeloggt. Die Zahl der Gläubigen, die Zuhause vor den Monitoren die Vesper mit verfolgten, sei natürlich viel größer gewesen, wie der virtuelle Blick in den Wohnzimmer bewies. Darin war sich der Dekan ziemlich sicher.

„Ich fand es jedenfalls sehr interessant.“ Beinahe wäre die Übertragung noch ins Wasser gefallen. Es gab nämlich einen kurzen Stressmoment im Büro des Dekans. „Die Internetleitung, die ich in meinem Büro aufgebaut habe, ist ständig zusammengebrochen. Ich musste kurzerhand auf meinen privaten Laptop zurückgreifen, mit dem ich dann alles machte. Aber es hat geklappt.“

Die Entscheidung, die gemeinsame Christvesper in der Kirche abzusagen, sei richtig gewesen. „Man merkt, dass die Menschen beim Besuch von Gottesdiensten derzeit sehr zögerlich sind und sich genau überlegen, was sie tun.“ Für ihn habe sich diese Internetübertragung als ein sehr guter Weg der Kommunikation erwiesen. „Ich hoffe aber trotzdem, dass diese Zeit bald vorbei ist. Denn das macht alles gewiss keinen Spaß.“

„Corona hin, Corona her.“ Er freue sich wie jedes Jahr auf den Heiligen Abend, betonte Dekan Guda in seiner Predigt. „Und ich denke, so wie mir geht es vielleicht auch vielen von Ihnen, ganz sicher, sonst wären sie jetzt per Zoom nicht dabei.“ Gerade wegen Corona brauche es Höhepunkte, auf die man sich freuen könne. „Jetzt ist es eh gelaufen. Die Vorbereitungen sind vorbei.“ Der Stress sollte jetzt abgefallen sein.

„Wenn ich mich umschaue, dann gibt es zu viele Nachrichten in dieser Zeit, die mich vom Feiern abhalten möchten. Im Bereich der Politik sowieso, aber auch im privaten Umfeld, immer wieder die Nachricht von Erkrankungen, nicht nur Corona, von Krebs, von Leid und von Tod. Wenigstens zwischen Weihnachten und Neujahr möchte ich das einmal ausblenden.“

Nur wie? Hilfestellung bot sich da beim Propheten Jesaja im 9. Kapitel, der am Beispiel von Gideons Sieg in Unterzahl über Midian deutlich machte, dass Gott Unmögliches möglich machen könne. Weihnachten sei ein persönliches Fest. Denn das Leben sei komplex. Dies werde gerade in Phasen der Krankheit oft sehr konkret. Niemand wisse, wie es ausgehe. Zum menschlichen Dasein gehörten darüber hinaus aber auch Arbeit, Freizeit und Genuss. „Ein gutes Leben eben, das wir uns alle wünschen.“ Auf das leider nicht jeder zu jeder Zeit zurückgreifen könne.

Es sei wichtig, Mutmacher wie Jesaja im Hinterkopf zu haben. Weihnachten sei solch eine Hoffnungsgeschichte. „Arm geboren, einer von uns. Keinen Platz gefunden. Versucht die Welt zu verändern und hat sie tatsächlich verändert. Wie viele Menschen in der Bibel haben uns die Geschichten von ihren Begegnungen mit diesem Jesus erzählt, von ihrer Heilung und dem Beisammensein und der Kraft, die sie durch ihn erhalten haben.“

„Warum gibt es eigentlich Menschen, die ein Interesse daran haben, anderen zu schaden?“ Weihnachten bedeute, dass man auch andere teilhaben lassen solle am eigenen Leben. „Heuer vielleicht mehr durchs Telefon und mit einer Karte oder einem Brief, Trostworte zu erzählen und in fröhlicher Hoffnung weiterzugehen. Wir wissen, dass unser Gott uns begleiten will.“ Für die musikalische Umrahmung sorgten Cornelia Kick (Blockflöte) und Kantorin Anna-Magdalena Bukreev (Cembalo). Der Beitrag wurde eine Woche vorher aufgenommen.

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