Weiden in der Oberpfalz
09.11.2023 - 17:26 Uhr
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Tag vier im WSW-Prozess: Teure Uhren und Aston Martin nur als Geldanlage

Vierter Tag im WSW-Betrugs-Prozess beim Landgericht Weiden. Obwohl an diesem Tag die beiden Hauptverdächtigen befragt werden, wird es erst interessant und feurig, als sich die Verteidiger auf den Staatsanwalt einschießen.

Am Donnerstag setzte sich der Prozess um möglichen Betrug bei der Genossenschaft Wohnsachwerte mit dem vierten Verhandlungstag fort. Archivbild: Gabi Schönberger
Am Donnerstag setzte sich der Prozess um möglichen Betrug bei der Genossenschaft Wohnsachwerte mit dem vierten Verhandlungstag fort.

Auch der zweite Teil der Befragung der früheren Vorständin der Immobiliengenossenschaft Wohnsachwerte (WSW) am Donnerstag vor der Großen Strafkammer am Landgericht Weiden ging über weite Strecken vergleichsweise trocken zu. Feuriger entwickelte sich der Termin erst gegen Mittag, als der Vorsitzende Richter, Peter Werner, den sechs Verteidigern die Möglichkeit gab, die 50-jährige Angeklagte zu befragen. Im "Kreuzverhör" fand sich dann aber unverhofft Staatsanwalt Wolfgang Voit wieder.

Konkret ging es um einen von der Angeklagten angesprochenen Businessplan, der vor der Gründung 2018 entworfen worden sein soll. Dieser Plan findet sich allerdings nicht in den Fallakten. Die Verteidiger brachten den Verdacht ins Spiel, dass der Plan und andere entlastende Unterlagen zwar sichergestellt, aber nicht den Akten zugeführt worden seien. Voit verwies auf die Aufstellung aller gesicherten Unterlagen, es steht der Verteidigung frei, per Antrag aus ihrer Sicht relevante Unterlagen den Prozessakten hinzuzufügen. Weil die Aufstellung den Verteidigern nicht detailliert genug ist, stellten sie den Antrag, der Staatsanwaltschaft den Auftrag für eine genauere Übersicht aller sichergestellten Unterlagen zu erteilen.

Richter Werner vertagte die Entscheidung über den Antrag. Allerdings hatte er schon vorher angedeutet, dass er am Handeln der Staatsanwaltschaft nichts Ungewöhnliches entdecken könne. Eine Aussetzung des Prozesses schloss er deshalb bereits vorab aus. Mit einer solchen Entscheidung zu einer längeren Unterbrechung wäre auch ein Ende der Untersuchungshaft für den 54-jährigen Angeklagten und dessen Frau verbunden. Es wurde so nicht zum ersten Mal deutlich, dass die Beendigung dieser Haft nach mehr als anderthalb Jahren ein wichtiges Etappenziel der Verteidiger des Paares ist.

Digitale Unterschrift

Die Befragung der Frau hatte sich am Vormittag wie schon am Mittwoch vor allem um den Umgang bei der WSW mit digital verkauften Genossenschaftsanteilen gedreht. Das Unternehmen musste damit umgehen, dass ein großer Teil der Verträge wegen fehlender digitaler Unterschriften ungültig war.

Dem Problem sei man sich bewusst gewesen, man habe daran gearbeitet, das Problem zu lösen und wäre dabei auch bereit gewesen, bereits eingenommenes Geld zurückzuzahlen, so die Darstellung der Frau. Dass man die Praxis dennoch über einen längeren Zeitraum beibehalten hat, sei aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen.

"Der WSW Leben eingehaucht"

Am Nachmittag schilderte der 54-jährige Angeklagte seine Sicht auf die Gründung und das Ende der WSW. Der Finanzierungsexperte schilderte vergleichsweise technisch die Idee hinter der Gründung der Genossenschaft. Er war dort in erster Linie für Immobilienfinanzierung zuständig und konnte seine Kontakte einbringen. Er sei von Anfang an voll hinter dem Unternehmen und den Plänen gestanden. Dabei sei es ihm nicht alleine um Geld gegangen. "Ich wollte etwas aufbauen, etwas gestalten."

Dafür habe er sehr viel in den Aufbau gesteckt: Geld, Wissen, Arbeit. Er, seine Kontakte und auch sein Geld haben der "WSW erst Leben eingehaucht". Durch den Einstieg eines weiteren Vertriebsexperten sei er dann etwas in den Hintergrund getreten. Für die nun vorangetriebene Digitalisierung des Vertriebs haben ihm die Kenntnisse gefehlt. Auch die Probleme mit den digitalen Unterschriften habe er nur am Rande durch Gespräche mit seiner Frau mitbekommen.

Dass die WSW-Praxis illegal sein könnte, war ihm demnach zu keiner Sekunde bewusst. "Für mich war das alles meine ganz normale Welt." Er kenne mindestens 30, auch größere Unternehmen in Deutschland, die "sie direkt zusperren könnten", wenn die Praxis nicht rechtens wäre, sagte er direkt zu den Richtern. Konkret wies er dabei zudem die Vorwürfe zurück, eine knappe Million Euro aus den WSW-Erlösen für persönliche Lebensführung ausgegeben zu haben. Auch die vermeintlichen Luxus-Anschaffungen wie teure Uhren, Schmuck oder ein Aston Martin seien alleine als Geldanlagen gedacht gewesen. Überhaupt verwehrt sich der Mann gegen den Eindruck, ein Luxusleben geführt zu haben. "Ich bin ein ganz bodenständiger Oberpfälzer", erklärte der gebürtige Amberger. Es störe ihn ungemein, dass dieser Eindruck erweckt werde.

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