Am Abend des 17. August veröffentlichte die Stadt Weiden die Mitteilung "Bebauung wieder offen" auf ihrer Homepage. Es ging um die geplanten Wohngebäude mit rund 300 Einheiten auf dem Turnerbundgelände am Hammerweg. Sozialer Wohnungsbau inklusive. Man habe zwar bereits unterschriftsreife Verträge mit einem Investor vorgelegt, die derzeitige Marktlage im Bausektor habe aber die "gemeinsamen Pläne" durchkreuzt. Das sei "im ersten Moment überraschend", befand Oberbürgermeister Jens Meyer – aber auch nachvollziehbar.
Wobei: Überraschend war das im Rathaus zu diesem Zeitpunkt für niemanden mehr. Dass der aussichtsreichste Projektpartner wegen hoher Bauzinsen und ungewisser gesamtwirtschaftlicher Zukunft zögerte, seine Unterschrift zu setzen, war im Rathaus lange bekannt. Von der offiziellen Absage des Investors wussten Stadtspitze und Fraktionschefs ebenfalls seit Monaten. Damals habe der OB sofort die beiden Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden informiert, aber darum gebeten, das Thema vertraulich zu behandeln, schreibt die Stadt auf Nachfrage. Man wollte mit dem abgesprungenen Investor eine gemeinsame Erklärung abstimmen.
Scharfe CSU-Reaktion
Parallel dazu liefen Gespräche mit weiteren Interessenten für die Bebauung. "Da diese Gespräche noch ergebnisoffen waren, war für uns eine Veröffentlichung nach außen noch nicht erforderlich", schreibt die Stadt. Die Absage des Investors blieb also weiter unter der Decke, wenngleich Gerüchte die Runde machten. Nachdem Oberpfalz-Medien daraufhin die Stadt mit den Gerüchten konfrontiert hatte, sah sich die Stadt bewogen, "die bereits vorbereitete und noch zurückgehaltene Pressemitteilung" zu veröffentlichen. Eben an diesem 17. August. Eine scharfe Reaktion der CSU spülte das Thema schließlich auf die Tagesordnung und in die öffentliche Diskussion des Ferienausschusses.
Derzeit spricht die Stadt, allen voran Kämmerin Cornelia Taubmann, bundesweit mit Interessenten an dem 3,5 Hektar großen Gelände. Es scheint, als wäre nun eine abschnittsweise Vergabe der Wohnblocks sinnig. Diesen Vorschlag hatte Bürgermeister Lothar Höher angebracht und Zustimmung geerntet – wohl auch von Investorenseite. In den kommenden Monaten bis Jahresende hofft die Kämmerei auf ein Ergebnis.
Stellplätze für rund 50.000 Euro
Dass der ursprüngliche Bebauungsplan nicht mehr im Detail so umgesetzt werden muss, gilt als ausgemacht. Tiefgaragenstellplätze für rund 50.000 Euro anzubieten, das sei derzeit schwerlich machbar, hieß es in derselben Sitzung. Etwa an dieser Stelle dürfte die Stadt auch auf Vorstellungen eines interessierten Käufers Rücksicht nehmen.
Ob das reicht, um das Projekt TB-Gelände zeitnah wieder ins Rollen zu bringen? Falls die Gespräche allesamt scheitern würden, sei es eine Möglichkeit, das Gelände für eine Weile "vom Markt zu nehmen", sagte Taubmann Mitte August gegenüber Oberpfalz-Medien. Wie viel die Stadt seit dem Kauf der Fläche 2017 in die Vorplanung investierte, dazu gab sie keine Auskunft – mit Verweis auf die laufenden Investoren-Verhandlungen. Für das Areal jedenfalls flossen damals 1,585 Millionen Euro an den Turnerbund, nachdem die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht hatte.
Historie: Bebauung des TB-Geländes
- 2016: Turnerbund sucht Käufer für das TB-Gelände, um finanziell zu gesunden; Weidener Bauunternehmen erklärt sich bereit und spricht mit der Stadt über Bebauung inklusive Sozialwohnungen
- Januar 2017: Bauunternehmen schließt Kaufvertrag mit TB
- Februar 2017: Die Stadt macht ihr Vorkaufsrecht geltend und erwirbt das TB-Gelände für 1,585 Millionen Euro vom Turnerbund (laut Stadt auch um strafrechtliche Folgen auszuschließen); Machbarkeitsstudie und Ideenwettbewerb für Wohnbebauung starten.
- Januar 2020: Architekturbüro Zwingel und Dilg gewinnt Ideenwettbewerb für Bebauung.
- September 2020: Geschätzte Kosten der Stadt für die rund 100 Sozialwohnungen von 22,5 Millionen Euro bekannt
- Dezember 2021: Stabilisierungshilfe gestrichen; Beschluss: ausgeglichener Haushalt nur möglich, indem die Stadt das Projekt einem Investor überlässt.
- Januar 2022: Investorensuche startet, vier Bewerber in der engeren Auswahl.
- Juni 2022: Investor gefunden, soll im August präsentiert werden, Stadt hält noch immer an Baubeginn im Herbst fest; Verträge sind unterschriftsreif.
- 2022/2023: Investor kalkuliert neu und erteilt der Stadt eine Absage; Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende informiert; Pressemitteilung vorbereitet, aber unter Verschluss.
- 2023: Bundesweite Gespräche mit potenziellen neuen Investoren.
- August 2023: Stadt gibt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bekannt, dass der Investor sich zurückgezogen hat (vorbereitete Pressemitteilung); Plan: Investorensuche und Gespräche bis Ende des Jahres.





























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