01.09.2019 - 10:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tendenz: kein grüner OB-Kandidat

2007 bewarb sich Gisela Helgath für das Amt des Oberbürgermeisters, 2014 Karl Bärnklau. Für 2020 aber winken beide ab: Ein grüner OB-Kandidat ist für die Kommunalwahlen im März nicht in Sicht.

Karl Bärnklau im Interview. Seit fünf Jahren führt der Neunkirchener die kleine Stadtratsfraktion der Grünen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Wer der beste Oberbürgermeister für Weiden wäre? Karl Bärnklau muss nicht lange überlegen: "Wenn ich antreten würde, ich selber." Allein, er tritt nicht an. "Ich würde es mir nach wie vor zutrauen", erklärt der 63-Jährige im Interview mit Oberpfalz-Medien. "Aber alles im Leben hat seine Zeit. Aus Gründen privater Planung mache ich das nicht mehr." Und ein anderer wohl auch nicht. Bärnklau bestätigt: "Die Tendenz geht dazu, dass wir keinen OB-Kandidaten stellen."

Er selbst bewarb sich 2014 um das Amt, holte bei fünf Konkurrenten 4,45 Prozent. Seitdem ist der Neunkirchener Fraktionsvorsitzender der drei Grünen im Stadtrat, die 2020 ein "Zugpferd" verlieren: Veit Wagner wird nicht mehr kandidieren. Dennoch gibt Bärnklau als Ziel "drei Sitze plus x" aus. Er hoffe da auf Rückenwind durch den Bundes- und Landestrend. Kandidaten für die Liste stehen offenbar nicht Schlange. "Die 40 kriegen wir sicher nicht voll", räumt er ein. Mehr als 13 Bewerber kündigt er an.

Nach fünf Jahren Stadtratsarbeit zeigt sich der Grüne einigermaßen ernüchtert: "Wir sehen, dass wir mit drei Stadträten ab und zu etwas bewegen, aber keine grüne Linie durchziehen können." Die Zusammenarbeit insbesondere mit der SPD schildert er als schwierig. Zuletzt setzte es in der Diskussion um den Kredit für die Kliniken AG verbale Prügel für Gisela Helgath im Ferienausschuss. Dass sie die 25,5-Millionen-Finanzspritze ablehnte, verteidigt Bärnklau: Es fehle das Vertrauen, dass sich bei der Kliniken AG wirklich etwas ändere – dahingehend, dass die Stadt irgendwann kein Geld mehr zuschießen muss.

Beim geplanten Aktionsbündnis gegen das Gewerbegebiet Weiden-West IV wollen auch die Grünen mitmischen. Obwohl sie 2014 angekündigt hatten, das Ergebnis des Bürgerentscheids (70 Prozent pro West IV) zu respektieren. Karl Bärnklau erkennt hier keinen Widerspruch. Mittlerweile hätten sich die Fakten geändert: "Es gab irgendwann einen Kipp-Punkt, wo man gesehen hat, wie es mit der Ökologie im ,ökologischsten aller Gewerbegebiete bestellt ist, und dass sich die Kosten weit von den ursprünglichen Darstellungen entfernen."

Die neu gestaltete Sedanstraße sieht der Fraktionschef als Kompromiss – möglicherweise einen auf Dauer: "Nichts hält so lange auf der Welt wie ein Provisorium." Er bedauert, dass es versäumt worden sei, eine durchgehende Fußgängerzone auszuprobieren. Das Interview in voller Länge lesen Sie am Dienstag.

Kommentar:

Begrenzte Wahl

Es hat sich früh angedeutet, und mittlerweile ist es wohl schon eine sehr gefestigte „Tendenz“: Die Grünen gehen nach jetzigem Stand ohne Oberbürgermeisterkandidat in die Kommunalwahlen 2020. Die Stadträte Gisela Helgath (Bewerberin 2007) und Karl Bärnklau (2014) winken ab, ein anderer ist nicht in Sicht. Für die Grünen ist das mehr als bedauerlich in einer Zeit, da nicht nur ihre Themen populärer sind denn je, sondern – in Bund und Land – auch ihre Partei. Der Rückenwind verpufft. Und auch der Stadtratsliste fehlt damit das starke Zugpferd an der Spitze.
2014 hatten die Weidener noch die Wahl zwischen sechs OB-Kandidaten. Anders als damals bringen nun Bürgerliste, Freie Wähler, FDP und Grüne keinen eigenen Bewerber mehr. Verzichtet auch die AfD, kommt es zum Dreikampf zwischen Jens Meyer (SPD), Benjamin Zeitler (CSU) und Ali Daniel Zant (Linke). Schade: Für die Demokratie wäre es allemal ein Gewinn gewesen, hätte sich zum arrivierten Bürgermeister, dem konservativen Mann der Wirtschaft und dem Streiter für soziale Gerechtigkeit auch eine ökologische Alternative gesellt.

Ralph Gammanick

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