Der „Kulturbahnhof Parapluie“ kann auch Theater. Das stellte er am Samstagabend auf seiner „Kulturbühne“ unter Beweis. Mit dem Stück „Verliebt, verlobt, verschwunden“ überraschte in der Musikkneipe im Lerchenfeld erstmals ein Spieltheater das Publikum. Der Saal platzte zwar nicht aus allen Nähten wie bei musikalischen Veranstaltungen, war aber sehr gut besucht.
Und vor allem war es neugierig. Denn was bislang vor allem für Livemusik, Film- und Kabarettabende stand, wagte nun bewusst den Schritt in ein neues Genre. Mit Erfolg. Die Entscheidung, den Kulturbereich zu erweitern und erstmals Theater auf die Bühne zu holen, erwies sich als stimmig und dürfte kaum eine Eintagsfliege bleiben.
Im Mittelpunkt des Abends stand ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Szenario: Eine Braut wird am Tag ihrer Hochzeit sitzen gelassen. Kein klärendes Gespräch, keine Erklärung. Nur ein Zettel mit drei Worten: „Ich kann nicht.“ Wie jetzt, erst will Johnny sie heiraten und jetzt das? Was folgt, ist kein Drama im klassischen Sinne, sondern ein pointenreicher, kabarettistisch gefärbter Monolog über Liebe, Erwartungen und das ewige Missverständnis zwischen Mann und Frau. Ein munteres Lustspiel.
Kirsten Annika Lange trägt diesen Solotheaterabend nahezu mühelos. Sie kommt verheult, schwankt zwischen Fassungslosigkeit, Wut und Selbstironie und nimmt das Publikum von der ersten Minute an mit. Ihr Rückzugsort: ihr „klein Häuschen“, als Sinnbild für Kindheit, Schutz und Erinnerungen. Dort beginnt sie, sich selbst und ihr Beziehungsleben zu hinterfragen. Das ist mal nachdenklich, oft auch herrlich komisch.
Dabei lebt das Stück von Tempo, Mimik und direkter Ansprache. Lange sucht bewusst den Kontakt zum Publikum, streut kleine Seitenhiebe ein und verteilt augenzwinkernd Ratschläge. Nicht nur an die Damen, sondern auch an die anwesenden Herren. Die reagieren, wie es sich gehört, mit Lachen.
Aufgelockert wird das Geschehen durch musikalische Einlagen und kleine szenische Brüche. Selbst ein spontaner Kostümwechsel auf offener Bühne wird Teil der Inszenierung. Inklusive einer humorvollen Aufforderung an die Männer im Saal, sich doch bitte umzudrehen. Was sie natürlich nicht tun.
So entsteht ein unterhaltsamer Mix aus Theater, Kabarett und musikalischen Momenten, der leichtfüßig daherkommt. Das Publikum dankt es mit viel Applaus und sichtlicher Begeisterung. Am Ende bleibt nicht nur die Frage nach dem Ausgang der Geschichte bewusst offen, sondern es wird auch ein klares Fazit gezogen. Nämlich, dass diese Theaterpremiere auf der „Kulturbühne im Kulturbahnhof“ ein neues Kapitel aufgeschlagen haben dürfte und weitere Abende dieser Art gerne folgen dürfen.













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