13.09.2018 - 17:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Trainer lässt Prozess platzen

Der ehemalige Trainer (55) einer Frauenmannschaft ist der Vergewaltigung einer Sportlerin (21) angeklagt. Am Dienstag, 9 Uhr, sollte sein Prozess beginnen. Der Termin platzte, weil der Angeklagte nicht kam. Das Gericht erließ Haftbefehl.

Der Angeklagte blieb fern. Ein 55-jähriger Übungsleiter ist in Weiden der Vergewaltigung einer von ihm trainierten Sportlerin angeklagt und wird nun per Haftbefehl gesucht.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Eine Streife der Polizeiinspektion Neustadt/WN versuchte im Laufe des Vormittags, den 55-Jährigen an seinem Wohnort im Landkreis anzutreffen: Fehlanzeige. Auch an seinem Arbeitsplatz wurde man nicht fündig. Dort ist der geschiedene Mann offenbar schon seit einigen Wochen nicht mehr tätig. Gegen 11 Uhr gab die Kammer unter Vorsitz von Markus Fillinger auf und erließ einen Hauptverhandlungshaftbefehl. Die Zeuginnen und Zuhörerinnen, die sich schon auf dem Flur des Landgerichts versammelt hatten, konnten wieder gehen, ebenso Verteidiger Engelbert Schedl.

Finanziell in Schieflage

Es ist nicht der einzige Haftbefehl, der gegen den 55-Jährigen besteht: Unabhängig von der Weidener Justiz hat das Amtsgericht Amberg eine Bewährung zurückgenommen und einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen, weil der Mann eine Bewährungsauflage zu spät bezahlt hat. In diesem Fall ging es um Kennzeichenmissbrauch und Fahren ohne Versicherungsschutz. Das Amtsgericht Amberg hatte vier Monate Haft verhängt, ausgesetzt zur Bewährung gegen Bezahlung einer Geldauflage. Seit 2015 hat sich der Landkreisbürger einige Vermögensdelikte zuschulden kommen lassen. 2011 hatte er als Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma Insolvenz angemeldet.

Der Angeklagte trainierte von 2013 bis 2016 Mädchenteams ab der Altersklasse U 17. Die Vergewaltigung soll sich im Frühjahr 2017 zugetragen haben. Geschädigte war eine damals 19-jährige Sportlerin. Mit ihr hatte der 30 Jahre ältere Trainer zuvor über einen längeren Zeitraum eine einvernehmliche Beziehung. Über ein Treffen im März 2017 gehen die Aussagen auseinander. Seit der Reform des Strafrechts liegen die Hürden für den Tatvorwurf der Vergewaltigung niedriger: Es genügt, wenn sich der Täter über den erkennbaren Willen des Opfers hinwegsetzt ("ein Nein ist ein Nein"). Im Falle einer Verurteilung droht dem 55-Jährigen eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Plus Körperverletzung

Die Weidener Staatsanwaltschaft, beim geplatzten Termin vertreten durch Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf, hat den 55-Jährigen zudem wegen Körperverletzung angeklagt. Er soll die heute 21-Jährige bei einer anderen Gelegenheit getreten und am Hals gepackt haben.

Sollte die Polizei den Ex-Trainer festnehmen können, wird der Prozess neu terminiert.

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