18.09.2020 - 17:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Übung für den Ernstfall: Sandsack mit Schweinepest

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Während in Brandenburg weitere Fälle der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten sind, bereitet man sich in Weiden auf einen Ausbruch der Tierseuche vor. Das Veterinäramt übt den Ernstfall – und weiß nun, wo es noch Schwierigkeiten gibt.

Schweinepest-Übung in Weiden: Mitarbeiter des Veterinäramts ziehen eine Wildschwein-Attrappe - einen Sandsack - aus dem Wald.
von Julian Trager Kontakt Profil

In einem Waldgebiet im Weidener Norden streifen vier Menschen in weißen Ganzkörper-Schutzanzügen durch Gras und Gestrüpp, auch die Schuhe tragen Schutz. Ein rot-weiße Absperrband weist den drei Männern und der Frau den Weg zum verendeten Wildschwein, das allerdings kein Wildschwein ist - sondern ein Sandsack. Der Einsatz des Veterinäramts Weiden ist nur eine Übung. Eine Probe für den Ernstfall, wenn die Afrikanische Schweinepest Tiere in Weiden und Umgebung befallen sollte.

Schweinepest-Übung in Weiden

Noch ist das nicht geschehen. Die Seuche breitet sich in Brandenburg aber weiter aus. Am 10. September war ein erster Fall bei einem Wildschwein-Kadaver im Landkreis Spree-Neiße bekannt geworden. Mittlerweile sind es acht Fälle - allesamt Wildschweine.

Wie ein Hollywood-Cowboy

Die Übung in Weiden geht am Donnerstag in der Früh los. Nach dem fiktiven Fund eines verendeten Wildschweins wird ein Suchtrupp losgeschickt. THW, Feuerwehr und der städtische Bauhof sind im Einsatz, insgesamt rund 20 Leute.

Auch ein Jäger ist dabei. Mit seinen hohen Stiefeln, seinem grauen Schnauzbart, seinem Käppi, seiner offene Jacke und seinem lässigen Gang wirkt er wie ein Revolverheld aus einem Hollywood-Western. Wenn es sein muss, wird er bei solchen Einsätzen auch schießen müssen, erklärt Constanze Erl-Höning, Tierärztin am Veterinäramt Weiden und Einsatzleiterin der Übung. Dann, wenn etwa ein Wild im Verenden aufgefunden werde. "Gerade eine Wildsau kann gefährlich sein."

Nachdem der Suchtrupp den Fundort abgesperrt hat, kommt das Bergeteam ins Spiel. Die Mitarbeiter des Veterinäramts nehmen Proben, fahren also mit einem Wattestäbchen über den Sandsack. Danach wird die Wildschwein-Attrappe mit einem Schlitten aus dem Wald gezogen. Gegen Mittag ist die ganze Sache schon wieder vorbei.

Anspruchsvolles Gelände

"Wir gehen davon aus, dass wir gut vorbereitet sind", sagt Amtsärztin Erl-Höning. Die Probe habe aber auch gezeigt, dass es an manchen Stellen Schwierigkeiten gibt. "Gerade im Gelände, im Dickicht ist es anspruchsvoll", sagt Erl-Höning, die sich nun aus dem Schutzanzug befreit. "Das ist in Ställen oder Betrieben anders." Genau wie die Koordination der Einsatzkräfte, das Zusammenspiel aller Beteiligten.

Die Übung ist eine reine Vorbereitungsmaßnahme. "Die Verbreitung der Seuche ist nach wie vor hoch", sagt die Amtsärztin. Dass sie aber bald auch in der Oberpfalz auftaucht, sei aktuell nicht zu beobachten. "Man kann nicht sagen, dass die Schweinepest sicher zu uns kommt." In Brandenburg werde alles getan, um die Seuche einzudämmen. Auch im Grenzgebiet zu Tschechien bestehe kein Grund zur Sorge. "Tschechien hatte vor einiger Zeit einen Fall, ist aber jetzt wieder frei", erklärt Erl-Höning.

Die Regierung der Oberpfalz richtete bereits Anfang des Jahres eine Koordinierungsgruppe ein, um auf einen möglichen Ausbruch "optimal vorbereitet" zu sein.

Regierung der Oberpfalz gründet Koordinierungsgruppe

Oberpfalz

Katastrophenschutzübung "Kranker Keiler" im Jahr 2018

Neuhaus/Windischeschenbach
Schweinepest-Übung im Weidener Norden: Mitarbeiter des Veterinäramts nehmen Proben von einer Wildschwein-Attrappe.
Lage in Brandenburg:

Brandenburger Landwirte und Jäger werfen den Behörden Versagen beim Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest nach dem deutschlandweit ersten Fall vor. „Wir fordern einen gemeinsamen und zentralen Krisenstab, der auch mit Kompetenzen ausgestattet sein muss“, sagte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff am Freitag in Teltow. Derzeit seien die drei Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald zuständig und deren Kompetenzen endeten jeweils an der Kreisgrenze. Das Wissen und die Pläne von Landesbauern- und Jagdverband seien bislang nicht gefragt worden. „Ich erwarte am Montag einen Anruf von einer von der Landesregierung berufenen Person, die künftig die Arbeit aller Behörden und beteiligten Ministerien koordiniert“, forderte er.

Wichtig seien Handlungsempfehlungen und Unterstützung bei der Durchführung der Maßnahmen, sagte Dirk Henner-Wellersdorf, Präsident des Landesjagdverbandes. „Wir wollen helfen, müssen aber wissen, wo und wie.“ Er kritisierte die aus Sicht der Jäger dilettantisch in die Landschaft gestellten Zäune. (dpa)

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