07.12.2018 - 12:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach dem Urteil gibt es Küsse

Ein 34-Jähriger hat seine Frau geschlagen, vergewaltigt, bedroht. Das Landgericht Weiden schickt ihn hinter Gitter. Und die Ehefrau? Sie will ihn zurück.

Der 34-Jährige staunte nicht schlecht, als ihn die Polizei festnahm. Der Vorwurf: Vergewaltigung in der Ehe. Der Mann blieb bis zum Prozess in Untersuchungshaft.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Was muss passieren, dass eine Frau ihren gewalttätigen Ehemann verlässt? Vor der Strafkammer des Landgerichts steht am Mittwoch ein 34-jähriger Eisenflechter. Er hat seiner Frau im Auto eine blutige Lippe geschlagen. Als sie aussteigen wollte, zog er sie am Pferdeschwanz zurück. Mindestens einmal hat er sie daheim im Wohnzimmer vergewaltigt. Am Ende drohte er ihr, sie "wie Fleisch zu schneiden".

Er leugnet dies alles gar nicht. "Mein Mandant räumt alle Vorwürfe in vollem Umfang ein", sagt Anwalt Martin Angerer. Und was macht die Geschädigte? Die Ehefrau (34) verweigert im Zeugenstand die Aussage. Sie sagt: "Ich verzeihe ihm. Ich liebe meinen Mann und möchte ihm noch eine Chance geben." Weil er "eine saubere Seele" habe, im "Kern ein guter Mensch" sei und ein "super Papa". Ein wenig wird sie noch warten müssen, diese Ehe fortzuführen. Auf ein Rechtsgespräch folgt ein Geständnis per Verteidigererklärung. Die Strafkammer schickt den 34-Jährigen wegen der Vergewaltigung für 3 Jahre und 3 Monate in Haft, einbezogen wird eine BTM-Strafe. Für Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf zeigt das Verhalten der Frau, "wie zerrissen die Opfer oft sind". Das Strafmaß entspricht seiner Forderung.

Dem gemeinsamen Kind ist zu verdanken, dass der Gewalt polizeilich ein Ende gesetzt wurde. Die Erzieherin des Kindergartens erinnert sich, wie sich die Mutter ihr auf Drängen des Töchterchens weinend anvertraut habe. "Die Frau hatte wahnsinnige Angst, dass er sie ermordet", schildert die 25-Jährige. Im Gespräch zuckte sie panisch zusammen, wenn jemand am Zimmer vorbei ging. Die Geschädigte erzählte von Schlägen, Demütigungen und der Drohung.

Die Kindergartenleiterin rief zunächst im Frauenhaus an ("dort hieß es, man könne niemanden mehr aufnehmen"), dann bei der Polizei. Bei der Vernehmung kamen der gewaltsame Sex und die krankhafte Eifersucht zur Sprache. "Er ließ sie nirgends allein hingehen, nahm ihr das Handy weg." Am Deutschkurs durfte die 34-Jährige nur teilnehmen, weil es dort keine Männer gab. "Er bestimmte, was sie anzuziehen hatte."

Keine Röcke, kein Nagellack, keine Ohrringe für kleine Mädchen. Das gilt für den Angeklagten heute noch, wie Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bestätigt. Er hat den 34-Jährigen für sein Gutachten befragt. Der Angeklagte stammt aus einem Balkanstaat, lebt aber schon seit seiner Kindheit als Gastarbeiterkind immer wieder in Deutschland. Die Geschädigte lernte er 2011 auf Heimaturlaub kennen und holte sie nach. Den drängenden Sex erklärte er dem Psychiater damit, dass er einen Sohn habe zeugen wollen, der möglichst an seinem eigenen Geburtstag zur Welt kommen sollte. Die Frau, die ein Studium vorzuweisen hat, machte den Haushalt, ihr Essen bezeichnet er als "hart und ungenießbar".

Vorsitzender Richter Gerhard Heindl spricht im Urteil die "intellektuellen Defizite" des Angeklagten gegenüber der Frau an, die ihm eigentlich weit überlegen ist. Heindl macht dem Eisenflechter klar, dass sich sein "anderes kulturelles Rollenverständnis" nicht strafmildernd auswirke. "Es gilt das deutsche Strafrecht. Alle haben sich dem zu unterwerfen und sich den hiesigen Normen zu beugen." Und nach dem Urteil? Gibt es Küsse von der Ehefrau, ehe der Angeklagte von den Vorführbeamten wieder ins Gefängnis gebracht wird.

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