17.10.2018 - 18:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vergewaltigungs-Prozess: Freispruch für Disco-Bekanntschaft

Was hat sich wirklich ereignet in jener Dezembernacht? Eine 20-Jährige zeigte damals einen 29-Jährigen der Vergewaltigung an, den sie von einem Disco-Besuch mit nach Hause genommen hatte. Das Gericht hat den Mann jetzt freigesprochen.

Die 1. große Strafkammer am Landgericht hat entschieden und einen 29-Jährigen freigesprochen, der sich seit Dienstag wegen Vergewaltigung verantworten musste.
von Autor hczProfil

Freispruch - und nicht nur mangels Beweisen. Nach einem 40-minütigen Plädoyer von Rechtsanwalt Engelbert Schedl sah es die 1. Große Strafkammer am Landgericht als erwiesen an, dass die Schilderungen einer 20-Jährigen so nicht richtig waren. Die Weidenerin hatte einen 29-jährigen Monteur angezeigt, sie im Dezember in ihrer Wohnung vergewaltigt zu haben.

Die 20-Jährige schilderte den Beamten, dass sie und ihre Freundin mit zwei Männern gegen 5 Uhr nach einer Disco-Tour zu ihr nach Hause kamen. Der 29-Jährige habe sie im Schlafzimmer "hochgehoben, ausgezogen, ihr den Mund zugehalten" und mit ihr gewaltsam den Geschlechtsverkehr vollzogen. Am Mittwoch wurden sechs Polizeibeamte als Zeugen gehört, die an der Anzeigenaufnahme, der Beweissicherung und der Festnahme des Beschuldigten beteiligt gewesen waren. Danach zeigte sich Staatsanwaltschaft Hans-Jürgen Schnappauf von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Die junge Frau habe kein Motiv, den Monteur grundlos zu belasten. Er forderte vier Jahre Freiheitsstrafe.

Widersprüche in Aussagen

Verteidiger Schedl wies dagegen auf Widersprüche in den Aussagen der Mutter eines kleinen Sohnes hin, die sich nicht durch deren "Das-habe-ich-verdrängt-Mantra" erklären ließen. Ihrer ursprünglichen Aussage bei der Polizei habe ihre Einlassung vor Gericht entgegengestanden, wo sie erklärte, dass ihr der Peiniger ins Schlafzimmer voraus gegangen sei. Dann habe sie sich zu ihm gelegt und er sei zudringlich geworden.

Schedl argumentierte, dass es schlicht unmöglich sei, ihr in den von ihr beschriebenen Stellungen dauerhaft den Mund zuzuhalten und sie über längere Zeit keine Möglichkeit gehabt hätte, um Hilfe zu rufen. Im Wohnzimmer nebenan saß die Freundin, die ein "Stöhnen" vernahm, dass sie als normale Sex-Geräusche gedeutet hatte. Auch dies sei nach Ansicht des Verteidigers, ein Anzeichen, dass die Frau jederzeit um Hilfe hätte rufen können. Schedl erwähnte auch, dass weder an Körper noch an Kleidung der 20-Jährigen Anzeichen für Gewaltanwendung festgestellt worden seien.

Entschädigung für U-Haft

Schedl vermutete vielmehr, dass während des einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs bei der stark alkoholisierten Frau plötzlich ein Sinneswandel eingetreten sei: "Was mache ich hier?" Daraufhin habe sie hysterisch zu schreien angefangen und die Sache habe - nach Anzeige durch ihre Mutter - ihren Lauf genommen. Dass sein Mandant vor einiger Zeit schon einmal der Vergewaltigung bezichtigt worden war, könne man ihm nicht ankreiden. Damals habe sich seine Unschuld herausgestellt. Die Frau, die ihm vorgeworfen hatte, er sei ihr in ihre Wohnung gefolgt, habe durch die Aussage eines Taxifahrers widerlegt werden können, der beide gemeinsam zu ihr chauffierte.

Dem Plädoyer auf Freispruch folgte am Ende auch das Gericht. Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, Richter Markus Fillinger und die beiden Schöffen sprachen den 29- Jährigen frei. Für die 13-tägige Untersuchungshaft im Dezember wird er entschädigt. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

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