30.12.2019 - 18:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verkauf von Silvesterböllern startet in Weiden verhalten

Der Sonderpostenmarkt Fleischmann verkauft erstmals keine Feuerwerkskörper an Silvester. "Der Verkauf ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Geschäftsführer Karl Fleischmann. Auch andere Händler überlegen, künftig auf Böller zu verzichten.

Keinen Feuerwerksverkauf gibt es erstmals bei Sonderposten Fleischmann.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Seit Samstag liegen sie in den Märkten und Discountern. Sie heißen "Sky Scraper" oder "Spitfire" und sollen Juwelen und Goldkometen in den Silvesterhimmel zaubern. Nichts davon gibt es in diesem Jahr im Sonderpostenmarkt Fleischmann. "Ab 2019 wird der Verkauf von Feuerwerk eingestellt", heißt es auf der Homepage des Unternehmens und in den Filialen.

Veränderte Marktlage

"Wir haben da über viele Jahre mit Erfolg mitgemacht, aber der Markt verändert sich. Wir geben das Geschäft mit den Böllern freiwillig auf, auch wenn dadurch Umsatz wegfällt", teilt Geschäftsinhaber Karl Fleischmann auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Er habe sich schon lange mit dem Thema beschäftigt, betont aber, dass die aktuelle Klimaschutzdebatte nicht der Auslöser für die Entscheidung war. "Als Sonderpostenanbieter sind wir schon seit Jahren im Klimaschutz aktiv. Wir verkaufen Artikel, die andere Firmen entsorgen würden und bringen diese wieder in den Kreislauf." Relativ gelassen hätten die Kunden reagiert. "Das habe ich viel schlimmer erwartet", sagt Fleischmann, der auch privat auf Böller verzichtet.

Das tut auch Klaus Grünbauer seit ein paar Jahren. Das Geld in die Luft zu ballern sei ihm persönlich zu schade, während er als Geschäftsführer von Edeka Grünbauer seinen Kunden eine große Auswahl an Feuerwerkskörpern bietet. Heuer laufe der Verkauf etwas schleppend. "Der Samstag war nicht so gut, am Montag lief's etwas besser", sagt er. Er bemerke schon seit rund drei Jahren, dass die Nachfrage nachlasse. Lärm, Feinstaub und Klimadebatte zeigten da eventuell erste Auswirkungen.

"Wir müssen abwarten, was sich im Klimaschutz noch alles tut", sagt Grünbauer. Als Unternehmer mache er sich bereits Gedanken, etwas zu ändern. Er müsse die Ware ja auch entsprechend gesichert lagern, in speziellen Tiefkühlbehältern. "Mal sehen, wie lange es einen Silvesterverkauf noch geben wird. Das hängt auch von künftigen gesetzlichen Regelungen ab."

Während die Baumarktkette Hornbach aus Klima- und Tierschutzgründen den Silvesterverkauf ab 2020 einstellen will, scheint das bei Mitbewerber Hagebaumarkt noch kein Thema. "Das Angebot lichtet sich langsam", vermeldet der stellvertretende Filialleiter in Weiden, André Decker, auf Anfrage. "Vor allem die Feuerwerksbatterien werden gekauft. Die größte für 139 Euro ist schon ausverkauft." Der Verkauf laufe ähnlich gut wie im letzten Jahr. Und wie hält er es privat? "Ich brauche kein Feuerwerk. Außerdem tun mir die Tiere leid."

Nicht alle Bräuche aufgeben

Als Privatmann zündet auch Stadtbrandrat Richard Schieder seit Jahren keine Raketen mehr. Zuschauen sei schöner. Es bleibe jedem selbst überlassen, was er an Silvester verballert, sagt Schieder. "Wegen der Klimadebatte sollten aber nicht gleich alle Bräuche aufgegeben werden." Die Feuerwache ist heute mit zehn Mann besetzt. Der Stadtbrandrat hofft auf wenig Einsätze und die Vernunft der Bürger. Ein Böllerverbot wie in manchen Innenstädten hält er in Weiden nicht für notwendig. "Wir hatten noch nie einen größeren Brand in der Altstadt. Rein statistisch gesehen gibt es keine Grundlage für ein Verbot."

Mit dem Klimaschutz verträgt sich das Neujahrsanschießen der Burgfähnlein Parkstein, das traditionell am 1. Januar stattfindet. Zum Einsatz kämen eine Kanone und drei Handböller, die nur sehr wenig Feinstaub erzeugten. "Wir machen das für die Bürger, die im Gegenzug vielleicht auf ihr eigenes Feuerwerk verzichten. Zumindest sollen sie zum Umdenken angeregt werden", wünscht sich Vorsitzender Manfred Reiß. Persönlich halte er nichts von einer übertriebenen Knallerei. Und vielleicht gebe es ja in Zukunft zentrale Silvesterfeiern.

Tipps zum sicheren Umgang mit Böllern:

Tipps zum sicheren Umgang mit Raketen und Böllern

Stadtbrandrat Richard Schieder von der Freiwilligen Feuerwehr Weiden gibt Tipps für eine sichere Silvesternacht:

Kinder und Jugendliche nie alleine Feuerwerkskörper abschießen lassen.

Immer auf einen großen Sicherheitsabstand der umstehenden Personen zum Feuerwerk achten.

Niemals aus der Hand zünden.

Nur Feuerwerkskörper mit einer BAM-Nummer kaufen. Finger weg von Billigimporten.

Silvesterraketen von einem festen Standort aus abschießen. Nicht von Balkonen oder Fenstern.

Blindgänger nicht erneut anzünden, sondern liegenlassen. Ein verspätetes Auslösen ist noch möglich.

Alkoholisierte Personen sollten keine Feuerwerke abbrennen. (shl)

Gefährliche Sprengkraft (mit Video)

Waidhaus

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