15.10.2020 - 20:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verschärfte Corona-Bekämpfung: In Weiden dürfen sich nur mehr fünf Personen treffen

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Es ist kein Lockdown, was die Stadt Weiden am Donnerstagabend verkündet, aber an viele Freizeitvergnügen ist bis zum 26. Oktober in der Stadt nicht zu denken. Oder höchstens im ganz kleinen Kreis.

An Einkäufern und Stadtbummlern liegen die gestiegenen Infektionszahlen in der Stadt offensichtlich weniger. Kaum trat am Mittwochabend die Verordnung in Kraft, in der gesamten Fußgängerzone Maske zu tragen, hielten sich im Laufe des Donnerstags so ziemlich alle vorbildlich daran.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die hohen Corona-Infektionszahlen der vergangenen Tage haben den 7-Tage-Inzidenzwert in Weiden auf gefährliche 72,5 gehievt. Daher hat das Rathaus eine Allgemeinverfügung erlassen, die strenge Maßnahmen vorsieht. Sie zielt - ganz im Sinne von Markus Söder - vor allem auf private Veranstaltungen ab. Das heißt: Im öffentlichen Raum und daheim dürfen sich ab Samstag, 0 Uhr, maximal fünf Personen oder zwei Hausstände versammeln. Veranstaltungen und Versammlungen im Freien sind auf 50 Menschen begrenzt, in geschlossenen Räumen auf 25. In der gesamten Fußgängerzone gilt zwischen 9 und 19 Uhr Maskenpflicht.

Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss zahlen. Bürgermeister Jens Meyer appelliert an die Vernunft: "Lasst uns alle zusammenhalten." Unabhängig davon greifen neue Direktiven aus München. Weil Weiden über dem 50er-Wert liegt, müssen Gastronomen um 22 Uhr zusperren.

Zahlreiche Weidener Schulen haben hinter den Kulissen bereits reagiert. Sie feilen an Stundenplänen und Klassenteilungen. In Weiden greift mit seiner Inzidenz die Stufe 3 des Rahmenhygieneplans zum Infektionsschutz. Der besagt: Mindestabstand von 1,5 Metern in Klassenzimmern. Wo es nicht möglich ist, wird ein Klassenteil im wöchentlichen oder täglichen Wechsel daheim beschult. Maskenpflicht auch im Unterricht, in Ganztags- und Mittagsbetreuung. Eventuelle Notbetreuung.

Etwas lockerer dürfte es im Landkreis bleiben. Derzeit müssten Lehrer und Schüler ab der fünften Klasse den Mund-Nase-Schutz im Unterricht nur tragen, wo der Mindestabstand im Klassenzimmer nicht gewährleistet werden kann. Blockunterricht muss wohl vorerst nicht sein.

Weiden reißt kritischen Wert

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Dass der Coronavirus wieder aggressiv um sich greift, blitzt an verschiedenen Stellen im Stadtleben auf. Dabei geht die derzeit rollende Welle keineswegs nur auf den Ausbruch bei den Eishockeyspielern zurück. Das BRK-Seniorenheim am Rotkreuzplatz hat seit Donnerstag Besucher ausgesperrt. Grund ist eine positiv getestete Betreuerin, wie Geschäftsführer Sandro Galitzdörfer bestätigt. "Wir haben am Wochenende Reihentests bei Personal und Bewohnern. Danach werden wir sehen, wie wir weiter verfahren." Das Eleonore-Sindersberger-Heim ist zwar von einer Infektion verschont, geht aber auf Nummer sicher. Die Besuchszeiten sind auf eine Person und maximal eine halbe Stunde am Tag beschränkt.

Derweil hagelt es Absagen von Veranstaltern: Der Jazz-Zirkel hat seine Session im "Bistrot Paris" am 23. Oktober ebenso abgeblasen wie die Grünen ihre Aufstellungsversammlung im Kreis Neustadt und die evangelische Kirche ihre Herbstsynode am kommenden Mittwoch in Weiden. Die Stadtwerke haben das Eisstadion bis auf Weiteres geschlossen.

Trotz aller Einschränkungen wird das Kulturleben wohl nicht auf null heruntergefahren. Dazu gibt der Paragraf 5 im Infektionsschutzgesetz Auskunft. Er unterscheidet nach Veranstaltungen, die nicht für ein beliebiges Publikum vorgesehen sind. Eine solche wären nach jetzigem Stand der Dinge die beiden Konzerte des Münchener Kammerorchesters am Sonntag um 18 und 20.30 Uhr in der Max-Reger-Halle.

Da der Förderkreis für Kammermusik als Veranstalter ein ausgeklügeltes Hygienekonzept vorgelegt hat, dürften zu beiden Konzerten je 200 Menschen kommen, wenn sie Maske tragen, in einer bestimmten Reihenfolge den Saal verlassen und immer Abstand halten. Dies will die Rechtsabteilung der Stadt am Freitag endgültig klären. Für beide Auftritte des Kammerchors gäbe es noch Restkarten an der Abendkasse.

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Kommentar:

Am Riemen reißen, aber nicht dramatisieren

Selbst Optimisten haben befürchtet, dass die Corona-Zahlen im Herbst nach oben klettern. Jetzt ist die Situation da. Und Weiden gehört zur traurigen Spitzengruppe in Bayern. Die gute Nachricht: Es kann in ein paar Tagen wieder anders aussehen. Auch wenn das Infektionsgeschehen diffus ist: Rechnet man den Ausbruch um den Eishockeyverein weg, klingt die Inzidenz gleich weniger dramatisch. Erst recht im Vergleich zum Frühjahr.
Sofern sich alle am Riemen reißen, könnte noch vor den Herbstferien wieder Lockerung angesagt sein. Nichts wäre wünschenswerter. Für Gastronomen ist jede Stunde verkürzte Sperrzeit ein Schlag in die Magengrube, viele Eltern haben mit der neuen Allgemeinverfügung von heute auf morgen ein Betreuungs- und Lehrer ein Organisationsproblem.
Zwar kann man hinterher klug reden, aber vielleicht hätte gerade an Schulen manche Quarantäne verhindert werden können, hätte der Freistaat die Maskenpflicht im Unterricht nicht kurz nach dem Schulanfang gekippt. So droht im Winter öfter das Szenario: Maske heute rauf, morgen runter, Präsenzunterricht heute ja, morgen nein. Wären die Masken gleich im Gesicht geblieben, hätten sich die meisten Kinder wohl bereits daran gewöhnt.

Friedrich Peterhans

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Kommentare

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Stefan Srp

Sie könnten sich wenigstens entschuldigen, die Teufel oder der Verein, dass wir jetzt alle leiden: abgesagte Veranstaltungen, Masken in Kita und Grundschule usw. Laut BR24 Privat Gefeiert und im Fitnessstudio ohne Maske und Abstand, wo man beim Kraft- und Ausdauertraining heftig atmet. Wer nicht hören will, muss fühlen. Vielleicht gibt's Strafe oder Schadensersatzklagen. Weiden kann jetzt nur der Engel Aloisius helfen. Wenn er sich vom Bier losreißen kann. Vielleicht gelingt das ja angesichts der Sperrstunde um 22 Uhr.

17.10.2020