09.03.2021 - 15:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verteidigungsministerin genehmigt neuen Namen für Weidener Kaserne

Nach dem Weidener Stadtrat gibt auch das Verteidigungsministerium grünes Licht. Der Umbenennung der Ostmark-Kaserne steht nun nichts mehr im Wege. Sie trägt künftig den Namen eines gefallenen Soldaten.

Die Tage der "Ostmark-Kaserne" sind gezählt. Bald prangt hier ein neues Schild.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Der Name "Ostmark" war schon lange nicht mehr zeitgemäß und zuletzt auch in den Augen der Bundeswehr problematisch. Die Nationalsozialisten bezeichneten damit das Gebiet Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken, um es von Tschechien abzugrenzen. In den 1930er Jahren entstanden, wurde auch die damalige Weidener "Metzer Kaserne" nach dem Gebiet benannt. Die Bestrebungen, ihr einen würdigeren Namen zu verleihen, haben jetzt Erfolg: Das Bundesministerium der Verteidigung hat der Umbenennung in "Major-Radloff-Kaserne" zugestimmt. Das teilt Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt am Dienstag in einer Pressemitteilung mit, nachdem ihn das Ministerium informiert habe.

Der Weidener Stadtrat hatte die Umbenennung im Oktober befürwortet. Die Initiative dazu hatte die Bundeswehr selbst ergriffen, bevor die in Weiden stationierten Soldaten über den künftigen Namen abstimmten. Sie entschieden sich für "Major Radloff" – Jörn Radloff war der erste Soldat aus der Weidener Unteroffiziersschule, der in Afghanistan fiel. Am 1. November 2008 hatte der Fallschirmjäger-Major seinen Dienst in der Max-Reger-Stadt angetreten. Als einer von drei Inspektionschefs führte er die 9. Inspektion. Am 5. Januar 2010 brach er zum ISAF-Einsatz nach Afghanistan auf, wo er eine afghanische Infanterie-Kompanie ausbilden sollte. Nur drei Monate später, am 15. April 2010, starb er bei einem Feuergefecht. Er wurde 38 Jahre alt.

Laut Bundeswehrverband war Jörn Radloff mit seinen Kameraden in der nordafghanischen Provinz Baghlan unterwegs gewesen, als bei einem Zwischenstopp vor einer umkämpften Brücke ein ferngezündeter Sprengkopf unter seinem Panzerfahrzeug vom Typ Eagle IV explodierte und es in Stücke reißt. Radloff und zwei Kameraden – Hauptfeldwebel Marius Dubnicki (32) und Stabsunteroffizier Josef Kronawitter (24) aus Ingolstadt – waren sofort tot. Fünf weitere Soldaten wurden teils schwer verwundet.

Es sei wichtig, dass diejenigen, die ihr Leben für die Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundwerte ließen, nicht vergessen werden, betont Gotthardt. „Dass Stadt und Standort sich für diesen Namen entschieden haben, zeugt von dem Willen sich mit einem vorbildlichen Offizier zu identifizieren, aber auch die Verbundenheit der Angehörigen der Liegenschaft mit ihrem gefallenen Kameraden.“ Der Antrag auf Umbenennung erfolgte über den Inspekteur des Heeres, Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihn genehmigt. Ein Termin für den feierlichen Akt steht dem Vernehmen nach noch nicht fest.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Nationalsozialisten hätten die Weidener Kaserne in den 1930er Jahren als "Ostmark-Kaserne" eröffnet. Die falsche Darstellung ist korrigiert.

Der Weidener Stadtrat stimmt der Umbenennung zu

Weiden in der Oberpfalz

Erste Bestrebungen zur Umbenennung

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