02.10.2018 - 13:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vier Jahre für Brandstifter

Vier Jahre ins Gefängnis muss der "Feuerteufel", der von Juni 2017 bis Januar 2018 drei Mal in einem Dorf nahe Pleystein zündelte.

von Autor RNSProfil

(rns) Weil es Streit zwischen seinem Vater und dessen Bruder um die Benutzung einer Scheune gab, steckte der 26-Jährige einen Schuppen des Nachbarn in Brand, in der Hoffnung, dass dieser auf das Anwesen des Onkels übergreifen würde und dadurch der Streitgegenstand vernichtet würde.

In der Folge überkam den jungen Mann zwar Reue. Er alarmierte die Feuerwehr und half sogar bei den Löscharbeiten mit. Ein Vierteljahr später tat er ähnliches jedoch wieder. Diesmal legte er direkt in der Scheune seines Onkels Feuer. Das Stroh und die Holzspäne, die er entzündet hatte, erloschen von selbst, so dass - im Gegensatz zur vorherigen Brandstiftung - kein nennenswerter Schaden entstand. Wieder drei Monate später, um 5 Uhr morgens auf dem Heimweg vom Waldthurner Heimatfest, zündete er erneut in der Scheune des Onkels Strohballen an. In den Morgenstunden vernahm der örtliche Feuerwehrkommandant Brandgeruch und entdeckte die glimmenden Ballen, kurz bevor ein richtiger Brand ausbrechen konnte. Mit Hilfe eines Gartenschlauchs konnte er die Flammen ersticken.

Verteidiger will Therapie

Weit auseinander klafften die Plädoyers von Staatsanwältin Katrin Gaida und Rechtsanwalt Rouven Colbatz. Während die Anklagevertreterin sechseinhalb Jahre forderte, wies der Verteidiger darauf hin, dass therapeutische Maßnahmen für seinen Mandanten hilfreicher sein würden, als ihn "bis zum 30. Lebensjahr weg zu sperren". Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte in der Krankenvorgeschichte, mit diagnostiziertem Tourette-Syndrom und damit einhergehenden Hänseleien in der Kindheit, zwar keine forensisch relevante Persönlichkeitsstörung gesehen, jedoch habe diese Akzentuierung die Taten gefördert.

Colbatz beantragte eine Verurteilung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. In seinem "letzten Wort" gab sich der Angeklagte nochmals einsichtig und reumütig. Er entschuldigte sich bei allen Geschädigten, bei seinem Onkel, bei der Dorfgemeinschaft und "bei jedem einzelnen Feuerwehrmann". Er habe nie die Absicht gehabt, Menschen oder Tiere zu verletzen und wisse nun, dass er negative Erlebnisse nicht in Taten münden lassen dürfe. Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, Richter Marco Heß und die beiden Schöffen hielten dem gelernten Fachlageristen sein frühes Geständnis zugute. Schon bei der Polizei hatte er alles zugegeben. Vor Gericht verkürzte sich die Verhandlungsdauer von angesetzten vier Tagen auf eineinhalb Tage.

Schaden: 156.000 Euro

Negativ bewerteten die Richter die Tatsache, dass er drei Taten unter laufender Bewährung begangen hatte und dabei im ersten Fall einen Unbeteiligten um 156.000 Euro geschädigt hatte. Brandstiftung, so Heindl, sei vom Gesetzgeber nicht von ungefähr mit so hoher Strafe (bis zu zehn Jahre Haft) bedroht. Hier könnten mitnichten "minder schwere Fälle" angenommen werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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