06.02.2021 - 14:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vorsorge gegen die Vogelgrippe: Neue Hygieneregeln für Geflügelhalter

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Zum Schutz vor der bereits in Bayern nachgewiesenen Geflügelpest gelten seit dem 1. Februar verstärkte Maßnahmen für Haus- und Nutzgeflügel, auch in Weiden und dem Kreis Neustadt/WN. Was bedeutet das für Geflügelhalter und Verbraucher?

Rund 20 Hühner, darunter die Rasse New Hampshire im Vordergrund und Seidenhühner, hält und züchtet Matthias Schönberger in Neuhaus bei Windischeschenbach. Solange es keine Stallpflicht gibt, sei er durch die Vorsorgemaßnahmen gegen die Geflügelpest nicht beeinträchtigt, sagt seine Ehefrau Renate.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Um die Geflügelpest einzudämmen, haben die Stadt Weiden und das Landratsamt Neustadt am 1. Februar vorsorglich Allgemeinverfügungen erlassen. Hintergrund sind über 600 in Deutschland nachgewiesene Fälle der Vogelgrippe, unter anderem in einem kleinen Hausgeflügelbestand im Kreis Bayreuth. Die nun geltenden sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen gelten gleichermaßen für große Geflügelbetriebe sowie Klein- und Hobby-Geflügelhalter, wie es sie seit der Coronakrise immer mehr gibt. Die Verfügungen schreiben unter anderem strenge Hygienevorschriften für Geflügelhalter wie die Sicherung von Ställen, das Tragen von Schutzkleidung, Desinfektion sowie ein Fütterungsverbot für bestimmte Wildvogelarten vor (siehe Kasten). Große Beunruhigung herrscht deshalb offenbar nicht unter den Geflügelhaltern. Sollten die Maßnahmen verschärft werden müssen, sieht die Lage allerdings anders aus.

"Das wäre schlimmer als Corona"

"Wir haben im Moment eh nichts draußen", sagt Wolfgang Paulus vom Paulus Geflügelhof in Etzenricht. Er bleibt gelassen. "Im Winter ist sowieso Pause. Was wollen die Tiere auch draußen? Die werden ja bloß krank." Stallkleidung würde im Betrieb ohnehin getragen und gewechselt, die Desinfektion sei sowieso auf dem höchsten Stand. Die Einhaltung der Regeln koste nun weder mehr Zeit, noch mehr Geld. "Das sind ja jetzt bloß Vorsichtsmaßnahmen." Auf den Direktverkauf im Hofladen hätten sie keine Auswirkungen. Ganz anders würde es in seinem Betrieb allerdings aussehen, wenn Etzenricht zu einem Sperrgebiet werden würde. "Dann könnten wir den Laden zusperren. Das wäre schlimmer als Corona. Die Tiere würden nur weiter wachsen und fressen, aber wir könnten sie nicht verkaufen, wenn wir Sperrbezirk wären – oder wenn wir in einen Sperrbezirk liefern wollen würden." Paulus spricht aus Erfahrung: Zwei Mal schon habe er das mitgemacht.

Kein Grund zur Besorgnis

"Es wäre ein Riesenverlust, wenn wir uns was reinschleppen würden", sagt Karl Balk vom Grießlhof in Pleystein. Er hat den Familienbetrieb mit derzeit 800 Freilandhühnern und 4000 weiteren Tieren in Bodenhaltung, für die ein Wintergarten zur Verfügung steht, im November an seinen Sohn übergeben, arbeitet selbst aber weiter mit. In Betrieben und kleineren Haltungen, in denen die Vogelgrippe nachgewiesen wird, müssen alle Tiere gekeult werden. "Das wäre happig", kommentiert Balk. Es wäre für den Grießlhof aber laut Balk schon ungünstig, wenn die Freilandhühner nicht mehr raus dürften. "Wenn die drei oder vier Wochen am Stück nicht raus dürfen, muss ich umstempeln auf Bodenhaltung." Im Moment besteht auch am Grießlhof jedoch kein Grund zur Besorgnis. Die Freilandhühner seien draußen, Schutzkleidung und Schuhe würden beim Betreten des Stalls immer gewechselt, Desinfektion sei Standard und der Verkauf nicht beeinträchtigt. Und wenn eine Wildgans über den Hof fliege, Exkremente hinterlasse und die von einer Henne aufgenommen werden würden, entziehe sich dies natürlich seinem Einfluss.

Wildvogel-Paradies nicht weit weg

"Angst habe ich eigentlich nicht, aber es ist ein blödes Gefühl, weil wir den Rußweiher relativ nah da haben", beschreibt Birgit Weidner die Lage auf ihrem Geflügelhof im Kirchenthumbacher Ortsteil Metzenmühle. Nur rund vier Kilometer sei das Eschenbacher Wildvögel-Paradies weg. "Wenn da mal einer auf Vogelgrippe getestet wird, da habe ich schon Respekt", gesteht die Kirchenthumbacherin, die 250 Hühner auf ihrem Hof hält. Nun lässt sie die Tiere lieber im Stall. Dort hinein geht sie nur mit ihrer Stallkleidung und auch das Futter ist so abgegrenzt, "dass nichts rein kommt", betont sie. "Wir müssen das Beste hoffen und schauen, wie es weitergeht. Wenn die Vogelgrippe kommt, wird alles gekeult. Dann wird der ganze Betrieb ausgelöscht."

Hobby-Halter entspannt

Renate Schönberger vergibt beim Amt für Landwirtschaft Betriebsnummern an Geflügelhalter, ihr Mann Matthias hält und züchtet außerdem daheim in Neuhaus bei Windischeschenbach rund 20 Hühner. Da es bisher keine Stallpflicht gibt, habe die Allgemeinverfügung keine Auswirkungen auf ihre Tierhaltung, sagt sie. Fraglich sei, ob jemand, der sich während der Coronakrise fünf oder sechs Hühner angeschafft habe, extra Stallkleidung besitze. "Aber man schaut eh, dass Wasser- und Futterbehälter regelmäßig gereinigt werden, dass man regelmäßig mistet." Bei feuchtem Wetter müsse man generell öfter einstreuen. Ausstellungen und Schauen, an denen ihr Mann normalerweise teilnimmt, fänden wegen der Pandemie ja sowieso nicht statt, und fremde Leute würden die Ställe auch nicht betreten. Mehr Zeit oder Kosten müsse das Ehepaar daher aktuell nicht aufbringen.

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Hintergrund:

Das steht in der Allgemeinverfügung

  • Ziel der Maßnahmen: Kontaktvermeidung von Wildvögeln mit Haus-/Nutzgeflügel
  • Fütterungsverbot für folgende Wildvögel: Hühner-, Gänse-, Greifvögel, Eulen, Regenpfeifer- und Lappentaucherartige, Schreitvögel. Singvögel wie Amseln, Sperlinge und Meisen sind davon nicht betroffen.
  • Tot aufgefundene Vögel: nicht anfassen, Funde den Behörden melden.
  • Zielgruppe folgender Maßnahmen: Geflügelhalter in Weiden und dem Kreis Neustadt bis 1000 Tieren. Vorsätzliche oder fahrlässige Nichteinhaltung ist eine Ordnungswidrigkeit; kann mit Geldbuße bis 30000 Euro geahndet werden.
  • Verboten: Ausstellungen, Märkte, Schauen und ähnliche Veranstaltungen mit Geflügel und Vögeln. Für Marktstände mit Lebensmitteln gilt dies nicht.
  • Es gibt keine Aufstallungspflicht. „Diese kann aber bei einer Verschärfung der aktuellen Seuchenlage nötig werden“, so Landratsamtssprecherin Claudia Prößl.
  • Ställe sind zu sichern gegen unbefugten Zutritt. Fremde mit Zutritt müssen betriebseigene oder Einweg-Schutzkleidung tragen und diese nach dem Verlassen sofort ablegen.
  • Schutzkleidung ist zu reinigen und desinfizieren; Einwegkleidung ist zu entsorgen.
  • Geräte und Verladeplätze sind nach jeder Ein- und Ausstallung zu reinigen und desinfizieren. Gleiches gilt für frei gewordene Ställe.
  • Fahrzeuge und Maschinen müssen gereinigt und desinfiziert werden.
  • Verendetes Geflügel: Räume und Behälter zur Aufbewahrung sind nach jeder Abholung oder mindestens einmal pro Monat zu reinigen und desinfizieren.
  • Reinigungseinrichtung: muss für Waschen der Hände / Wechseln und Ablegen der Kleidung / Desinfektion der Schuhe vorgehalten werden.
  • Übertragung auf den Menschen ist laut Landratsamtssprecherin Claudia Prößl „nur bei engem Kontakt mit erkrankten oder verendeten Vögeln sowie deren Ausscheidungen möglich, nicht durch Lebensmittel wie Geflügelfleisch oder Eier“.
  • Die vollständigen Allgemeinverfügungen sind unter www.weiden.de und www.neustadt.de zu finden.
Matthias Schönberger hält in Neuhaus bei Windischeschenbach nicht nur New-Hampshire-, sondern auch Seidenhühner.

 

 

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