12.10.2018 - 15:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Wackersdorf": Große Helden und schmerzende Wunden

Wolfgang Herzer ist Maler, Kurator, Pädagoge, Chef des Kunstvereins Weiden - und seit kurzem ein kleiner Filmstar. Als Statist ist der 70-jährige Weidener im Kinofilm "Wackersdorf" zu sehen. Was ihn dazu bewegte? Seine Vergangenheit.

Eine Stimme gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf: Wolfgang Herzer (links) demonstriert als Komparse im Kinofilm „Wackersdorf“ lautstark gegen den geplanten Bau im Landkreis Schwandorf.
von Julia Hammer Kontakt Profil

"Es war die Chance, diese Jahre unvergesslich zu machen." Als 68er und junger Studienrat für Kunsterziehung wird Herzer Anfang der 1980er Gründungs- und Vorstandsmitglied der Weidener Bürgerinitiative gegen Atomkraft. Er schließt sich dem Widerstand in Wackersdorf an, demonstriert gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage.

Noch immer habe er ein Ziel: "die Rehabilitierung der Bürger, die im Widerstand Demokratie gewagt hatten, während die bayerische Staatsregierung versagt hatte". "Auch deshalb habe ich Kontakt zu den Filmemachern aufgenommen - um in der Oberpfälzer Gesellschaft die alten Gräben zu schließen und ein Image aufzuzeigen, das Wackersdorf als Modell für gelebte Demokratie wahrmacht. Insofern ist der Film mehr als ein Film, er ist eine Art Gutachten über eine politisch-historische Leistung, verkörpert in der Geschichte des Landrats Hans Schuierer, die der Region das Recht gibt, stolz und selbstbewusst zu sein."

Herzer ergattert eine Statistenrolle. Zu sehen ist er im Film zehn Sekunden - als schweigender Demonstrant, der zur Demo geht, als lautstarker Widerstandskämpfer und am Bauzaun bei einer Auseinandersetzung mit einem Polizisten. Zwei Drehtage à zehn Stunden ist der Weidener dafür am Set. Zwei Tage, die durch "Warten und Herumstehen" geprägt sind. Langweilig wird ihm jedoch nicht. "Der Dreh war ein heiterer Treff der Veteranen, die sich Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatten. Wir erzählten uns tausend Geschichten." Die Filmerfahrung ist für den 70-Jährigen auch eine Art Therapie - eine "Ur-Schrei-Therapie". In einer Szene, forderte der Regisseur die Statisten am Bauzaun auf, dem Landrat Hans Schuierer, gespielt vonJohannes Zeiler, nach seiner Grundsatzrede zuzujubeln. "Es sollte auch Ablehnung gegenüber der Straußschen Demokratur bekundet werden. Mir fiel der mantraartige Reim ,Strauss-Raus' dazu ein, der immer mehr Personen mitriss, bis schließlich ein gewaltiges Getöse zu hören war."

Als Wolfgang Herzer den Film das erste Mal sieht, nimmt ihn das "heftig mit". "Er riss vieles wieder auf und ich musste stellenweise heulen." Das Werk übertrifft die Erwartungen des 70-Jährigen. Die lange kritisierten Demonstranten werden als Helden dargestellt, so, wie sie es "schon seit Jahrzehnten verdient gehabt hätten". Vor allem berührt ihn die menschliche Dramatik. "Das tragische Zerbrechen der Freundschaft von Landrat Schuierer und dem Bürgermeister von Wackersdorf hat mir im Herzen wehgetan. Die wohl wichtigste Dimension wurde feinfühlig in den Fokus gerückt, die Humanitas." ___Wer den Film sehen möchte, hat dazu am Samstag, 13. Oktober, und Sonntag, 14. Oktober, jeweils um 17.10 Uhr im Neue-Welt-Kinocenter die Möglichkeit. Er dauert 122 Minuten und ist ab 6 Jahren freigegeben.

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