20.09.2020 - 14:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Waldfriedhof Weiden: Naturbestattungen auf freien Flächen

Der Trend geht zu Naturbestattungen, auch wenn sie in Weiden noch nicht so stark nachgefragt werden. Mit der Änderung der Friedhofssatzung ist der dafür vorgesehene Bereich vorerst vom Tisch. Ins Blickfeld rücken andere freie Flächen.

Auf der Grünfläche rechts neben den Urnenwänden könnten naturbelassene Urnengräber entstehen, auf der Wiese im Vordergrund Gräber für anonyme oder teilanonyme Urnenbestattungen. Die ehemals angedachte Fläche für einen Naturfriedhof im nordwestlichen Teil des Waldfriedhofs scheint vorerst vom Tisch.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Die rund ein Hektar große mit Bäumen bewachsene Fläche im Nordwesten des Waldfriedhofs würde eine ideale Stelle für naturnahe Bestattungen abgeben. Seit zwei Jahren arbeitet die Stadtverwaltung an einem Konzept. Mit der aktuellen Überarbeitung der Friedhofssatzung soll sich das jedoch ändern, wie Rechtsdezernentin Nicole Hammerl den Stadträten in der Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses erklärte.

Sie wies auch darauf hin, dass in der Vergangenheit mit der Verwendung des Begriffs "Friedwald" falsche Erwartungen geweckt wurden. "Das ist ein geschützter Begriff, wir sprechen deshalb von einem Naturfriedhof." Der ganze Waldfriedhof sei ja parkähnlich, Naturbestattungen überall denkbar - vorzugsweise auf freien Flächen.

Immer weniger Erdgräber

Von denen gibt es auf dem Gelände immer mehr. "Urnenbestattungen sind Trend", sagte Hammerl. Auch in Weiden. Der Anteil der Feuerbestattungen lag 2019 bei 65 Prozent gegenüber 61 Prozent im Jahr davor. "Erdgräber werden vermehrt aufgelassen und wir müssen uns überlegen, wie wir die frei werdenden Flächen sinnvoll nutzen und dabei auf die Kosten achten."

Deshalb habe man jetzt zwei andere Flächen ins Auge gefasst, so die Dezernentin. "In der Nähe der Urnenwände sollen Naturbestattungen (eventuell mit Bodenplatten) ermöglicht werden. Auf einer Grünfläche gegenüber könnte es anonyme und teilanonyme Urnenbeisetzungen geben." Die Friedhofssatzung würde dahingehend geändert, dass der Passus "Ein Teilbereich des Waldfriedhofs ist ein Naturfriedhof ..." (§1, Absatz 2) herausgenommen wird. Stattdessen soll es in der geänderten Form (§20, Absatz 6) heißen, dass "... zusätzlich Flächen ausgewiesen werden", in denen Naturbestattungen möglich sind. Eine bereits bestehende Arbeitsgruppe (fünf Mitglieder der Fraktionen) soll, laut Hammerl, den Vorschlag diskutieren, bevor die politischen Gremien entscheiden. Auch müsse noch eine Gebührensatzung für naturnahe Bestattungen festgelegt werden.

Zeitnah entscheiden

Die Zeit dränge, wie Bürgermeister Lothar Höher (CSU) und Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) feststellten. "Den Menschen, die schon heute auf diese Möglichkeit hoffen, sollte man das bald ermöglichen", sagte Höher. "An der Gebührensatzung darf es nicht scheitern", fügte Gmeiner an. Gmeiner würde sich eine Entscheidung bis Ende November wünschen.

"Wir sollten offen sein für alternative Formen von Bestattungen", sagte Rainer Sindersberger (Freie Wähler). Auch im Stadtfriedhof würden die Leerstände immer sichtbarer. Sindersberger könnte sich zum Beispiel auch sogenannte "Gärten der Erinnerungen" mit Urnenstelen vorstellen. "Oder ein Urnenbaum, wie es ihn in Waldmünchen gibt", ergänzte Stadtratskollege Florian Graf (SPD). Der Trend an naturnahen Bestattungen sei nicht mehr aufzuhalten. "Eine schöne Vorstellung, wenn man irgendwann mit dem Waldboden verschmilzt."

"Wir werden das ermöglichen", sagte Höher. Damit komme Dynamik in die Thematik. Er sei zuversichtlich, dass naturnahe Bestattungen auf dem Waldfriedhof bald stattfinden können. Die Änderungen in der Friedhofssatzung nickten die Stadträte ab.

Rechtsdezernentin Nicole Hammerl schließt nicht aus, dass das Areal im Nordwesten des Waldfriedhofs zu einem späteren Zeitpunkt als Naturfriedhof erschlossen wird, wie sie auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien nach der Sitzung sagte. Im Moment seien die Arbeiten in diesem Bereich ausgesetzt, nicht zuletzt wegen der Kosten für Pflege und Unterhalt.

Die Arbeitsgruppe (auch Lenkungsgruppe genannt) habe bereits fünf Mal getagt. Im Oktober sei ein weiterer Termin angesetzt, sagte Hammerl. Auch sie sieht Handlungsbedarf. "Wenn die Anfragen nach naturnahen Bestattungen zunehmen, müssen wir bereit sein."

Naturbestattungen als Alternative

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Naturgräber: Was ist erlaubt?

Die Gestaltung von Gräbern ist in der Friedhofssatzung geregelt. Der §35, Absatz 7 in der Änderungssatzung nennt auch die Gestaltungsvorgaben für Flächen mit Naturbestattungen.

  • Die naturbelassene Fläche darf in ihrem Erscheinungsbild nicht gestört und verändert werden.
  • Im Wurzelbereich der Bäume dürfen keine Veränderungen vorgenommen werden.
  • Insbesondere ist nicht gestattet:
    - Grabmäler, Gedenksteine und sonstige bauliche Anlagen zu errichten
    - Kränze, Blumenschalen, Gestecke, Grabschmuck oder Erinnerungsstücke niederzulegen.
    - Kerzen und Lampen aufzustellen
    - Anpflanzungen vorzunehmen

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