02.08.2020 - 12:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Wandelnde Notrufsäulen" feiern Jubiläum: 25 Jahre Sicherheitswacht Weiden

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Seit 25 Jahren gibt es die Sicherheitswacht in Weiden. Klaus Müller, Leiter der Polizeiinspektion Weiden, lässt die Zeit Revue passieren und blickt auf neongelbe Armbinden und fahrende Autos in der Fußgängerzone zurück.

Klaus Müller, Leiter der Polizeiinspektion Weiden, erinnert sich im Interview an die vergangenen 25 Jahre der ehrenamtlichen Sicherheitswacht in Weiden, die die Polizei bei ihrer Arbeit unterstützt.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

ONETZ: Wie hat das alles begonnen – mit der Sicherheitswacht in Weiden?

Klaus Müller: Die Polizeiinspektion Weiden hat sich damals mit Unterstützung der Polizeidirektion entschlossen, eine Sicherheitswacht ins Leben zu rufen. Am 10. Mai 1995 begannen zwei Frauen und acht Männer ihren ehrenamtlichen Dienst.

ONETZ: Was sind die Aufgaben der Sicherheitswacht?

Klaus Müller: Grundsätzlich gehen die Ehrenamtlichen auf Streife und informieren die Polizei bei verdächtigen Beobachtungen oder Vorkommnissen. Für die Bevölkerung sind sie sichtbare Ansprechpartner. Man könnte auch sagen: Sie sind wandelnde Notrufsäulen. Allein durch ihre Anwesenheit wirken sie möglichen Gefahren präventiv entgegen. Sie stärken dadurch das allgemeine Sicherheitsgefühl. In gegenseitiger Absprache mit der Polizei schreiten sie bei Gefahrensituationen ein und holen dann die Polizei zur Hilfe.

Einer der ersten Ehrenamtlichen bei der Sicherheitswacht berichtet

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Gibt es in Weiden "Hotspots", wo die Sicherheitswacht besonders patroulliert?

Klaus Müller: Die Sicherheitswacht ist vor allem an Orten mit hohem Personenaufkommen unterwegs. Das sind zum Beispiel größere Wohnsiedlungen, öffentliche Parks wie der Max-Reger- oder Stadtpark, die Fußgängerzone oder der öffentliche Personennahverkehr. Auch auf Parkplätzen, in Parkhäusern und vor allem in den Abendstunden geht die Sicherheitswacht auf Streife. Auch bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum holen wir sie gerne dazu.

ONETZ: Was darf die Sicherheitswacht – und was nicht?

Klaus Müller: Grundsätzlich haben die Angehörigen der Sicherheitswacht das Jedermannsrecht. Bei einer Straftat, darf man die Person bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Man hat auch immer das Recht auf Notwehr und Nothilfe. Angriffe auf Mitbürger dürfen abgewehrt werden. Die Sicherheitswacht darf außerdem Personen anhalten, sie befragen und die Personalien feststellen. Sie dürfen Personen einen Platzverweis erteilen und die erhobenen Daten an die Polizei oder Stadt weitergeben.

ONETZ: Wie viele Leute gehören der Sicherheitswacht aktuell an?

Klaus Müller : Momentan haben wir zwei Frauen und sieben Männer. Wir hatten erst vor Kurzem eine Ausschreibung. Es ist wirklich schön, dass sich da viele Leute beworben haben. Insgesamt sieben zukünftige Sicherheitswacht-Mitglieder treten ab September ihre Ausbildung an.

ONETZ: Wie sieht die Ausbildung denn aus?

Klaus Müller: Die Anwärter müssen 40 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten absolvieren. Dabei erhalten sie sowohl rechtliche Kenntnisse als auch praxisnahe Ausbildungen. Sie lernen das richtige Verhalten in verschiedenen Situationen und den Umgang mit technischen Hilfsmitteln, wie ihrem Funkgerät.

ONETZ: Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren bei der Sicherheitswacht verändert?

Klaus Müller: Es hat sich schon deutlich etwas verändert. Gerade in der jüngsten Zeit und vor allem beim Erscheinungsbild. Jetzt treten unsere Sicherheitswacht-Mitglieder in einem schönen Outfit auf. Früher war es nur eine neongelbe Armbinde. Jetzt haben wir eine funktionelle Oberbekleidung und Regenjacken in schönem Dunkelblau.

ONETZ: Gibt es einen spannenden Fall der Sicherheitswacht, an den sie sich erinnern?

Klaus Müller: Es gäbe natürlich viele Einsätze, wo die Mitglieder der Sicherheitswacht zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Da ging es teilweise auch um lebensrettende Maßnahmen der Ersten Hilfe. Grundsätzlich braucht man aber nicht weit zurückblicken. Erst vor wenigen Tagen gab es ein sehr couragiertes Einschreiten. Zwei Sicherheitswacht-Mitglieder waren in der Abendzeit in der Fußgängerzone unterwegs. Dort kam ihnen ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit entgegen. Es hatte die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Hupe betätigt. Das ist in der Fußgängerzone natürlich ein enormes Gefahrenpotenzial. Die Kollegen konnten das Fahrzeug dann zum Anhalten bringen und den Fahrer zur Rede stellen. Eine hinzugerufene Polizeistreife der Polizeiinspektion Weiden übernahm die weitere Sachbearbeitung.

ONETZ: Was leistet die Sicherheitswacht – auch in Zukunft – für Weiden?

Klaus Müller: Die Sicherheitswacht in Weiden ist eine der vorbildlichsten Sicherheitswachten, die ich kenne. Die Mitglieder sind hoch engagiert und gehen fast täglich Streife. Sie leisten einen sehr wichtigen Beitrag, dass die Bürgerinnen und Bürger in Weiden hier sicher leben können. Aus meiner Sicht ist die Sicherheitswacht ein wichtiges Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung. Denn die Mitglieder der Wacht haben Zeit und Raum, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir erhalten auf diesem Weg viele wertvolle Hinweise, zum Beispiel über Sachbeschädigungen oder Lärmquellen. So können wir als Polizei frühzeitig auf solche Störungen reagieren.

Info:

Die Sicherheitswacht in Weiden

  • Gegründet am 10. Mai 1995
  • Arbeitet ehrenamtlich
  • Hat aktuell neun Mitglieder, davon zwei Frauen
  • Fungiert als Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung
  • Geht vor allem in stark frequentierten Bereichen und in den Abendstunden auf Streife
  • Darf Platzverweise erteilen und Personalien aufnehmen

Bei Interesse an einem Engagement bei der Sicherheitswacht kann jeder Kontakt mit der Polizeiinspektion Weiden aufnehmen (Telefon 0961/4010). Voraussetzungen: Zwischen 18 und 62 Jahre, abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung, Verantwortungsbewusstsein, Freude am Kontakt mit Menschen sowie an dem Außendienst zu Fuß und auf dem Fahrrad.

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