06.02.2019 - 11:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wer war Tobias Clausnitzer?

Neujahr 1649: Pfarrer Tobias Clausnitzer hält eine berühmte Friedenspredigt. Es ist das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Und es ist in Weiden. Was Clausnitzer ansonsten bekannt machte, zeigt eine Ausstellung im Mai.

Ihre Mission: Tobias Clausnitzer den Bürgern näherbringen. Dazu haben (von links) Susanne Götte (Öffentlichkeitsarbeit Dekanat), Pfarrer Volker Wappmann, Dekan Wenrich Slenczka und Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz ein interessantes Programm ausgearbeitet. Das Porträt von Clausnitzer, das normalerweise im Büro des Dekans hängt, wird bei einer Ausstellung zu sehen sein.
von Ulla Britta BaumerProfil

Mit Max Reger eint Tobias Clausnitzer, dass er nicht in Weiden geboren ist. Er wird nicht in einem Atemzug mit Reger genannt - obwohl auch Tobias Clausnitzer große Fußstapfen in Sachen Musik in Weiden hinterlassen hat. Clausnitzer war evangelischer Prediger und Liederdichter. Am Dienstag war sein 400. Geburtstag.

Der Prediger war am 5. Februar 1619 als Sohn eines Fuhrmanns in Thum bei Annaberg geboren worden. Nach Weiden kam er im Jahr 1648 und bezog den Pfarrhof, den er mit dem Garnisonsprediger Johann Rudoph von Wenkheim teilte. Berühmt wurde Clausnitzer unter anderem wegen seiner Friedenspredigt zum Ende des Dreißigjährigen Krieges an Neujahr 1649. Seine Lieder werden in ganz Deutschland in den evangelischen Gottesdiensten gesungen. Nur: In Weiden hätte kaum jemand etwas davon mitbekommen, dass ein großer Stadtsohn den 400. Geburtstag hatte, hätte es keinen Pressetermin dazu gegeben.

Das Dekanat möchte Clausnitzers Andenken wahren, unter anderem mit einer Ausstellung. So verkündeten es Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz, Dekan Wenrich Slenczka und Pfarrer Volker Wappmann, die sich dem Geistlichen ausgiebig im Vorfeld gewidmet haben. Die Idee dazu stammt von Vorsatz. Sie hat angeregt, Clausnitzers 400. Geburtstag mit einem Jahresprogramm ins öffentliche Licht zu rücken. Bei Slenczka stieß sie auf offene Ohren, aus anfänglichen Gesprächen wurden sechs Veranstaltungen, übers Jahr verteilt bis Oktober.

Slenczka erzählt, dass er Tobias Clausnitzer tagtäglich sehe und ihn gut kenne: "Sein Porträt hängt in meinem Büro." Stadtarchivarin Vorsatz räumt ein, mit Clausnitzer-Exponaten allein keine komplette Ausstellung füllen zu können. Unter dem Titel "Clausnitzer und seine Zeit" soll vielmehr im Kulturzentrum Bauer die Zeitepoche seines Lebens und Wirkens gezeigt werden - mit historischen Ansichten, einem kleinen Film, einigen Exponaten und einer "Überraschung", so Vorsatz. Zur letzteren verrät sie immerhin, dass es sich um Exponate handele, die mit Clausnitzers Predigt zur Thronbesteigung der Schwedischen Königin Christine zu tun hätten.

Zu sehen sein wird auch ein Gesangsbuch von 1729 mit Texten von ihm, das Petra Vorsatz mit höchst neuzeitlichen Mitteln im Internet entdeckt und ersteigert hat. Einen nicht unwesentlichen Anteil am Clausnitzer-Jahr übernimmt Volker Wappmann. Der Pfarrer und Lokalhistoriker hat seine Dissertation über diese Zeitepoche geschrieben, in der Clausnitzer in Weiden gewirkt hat. Wappmann wird daüber referieren.

Das Clausnitzer-Jahr:

Das Jubiläumsjahr des evangelischen Pfarrers Tobias Clausnitzers beginnt am Sonntag, 10. Februar, um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst mit Abendmahl in der Kirche St. Dionysius in Neunkirchen mit Pfarrer Andreas Ruhs. Am Dienstag, 30. April, um 14.30 Uhr hält Pfarrer Volker Wappmann im evangelischen Gemeindesaal in Wernberg-Köblitz den Vortrag „Um Frieden und Wahrheit – Tobias Clausnitzer“ zu dessen berühmter und vielbeachteter Friedenspredigt am Neujahrstag 1649.

Die Ausstellung „Leben und Werken von Tobias Clausnitzer im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und der Einführung des Simultaneums“ wird am 5. Mai um 11 Uhr im Kulturzentrum Hans Bauer eröffnet. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und Sebastian Schott vom Stadtarchiv führen ins Thema ein. Der Vernissage voran geht um 9.30 Uhr ein Gottesdienst mit Liedern von Tobias Clausnitzer und einer Liedpredigt von Dekan Wenrich Slenczka. Gegenstand der Pfarrkonferenz für Pfarrer und Religionslehrer am 16. Mai um 14.30 Uhr wird eine Führung durch die Ausstellung sein mit Vortrag von Wappmann sowie Impulsen für den Religionsunterricht im Kulturzentrum Bauer. Am Sonntag, 19. Mai, um 19 Uhr erklingen bei einem Konzert Orgelwerke aus der Zeit von Clausnitzer sowie zu Chorälen des Liederdichters von Georg Muffat, Johann Pachelbel, Johann Sebastian Bach und mehr. An der Orgel: Hanns-Friedrich Kaiser.

Mit öffentlichen Vorträgen von Wappmann beim Heimatkundlichen Arbeitskreis und von Manfred Knedlik zur Literatur in der Zeit von Clausnitzer in der Almhütte, dem Vereinsheim des Trachtenvereins klingt das Clausnitzer-Jahr am 10. Oktober aus.

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