22.10.2021 - 15:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wasserwerk kurz vor Fertigstellung: Hier kommt künftig Weidens Wasser her

Bis jetzt läuft alles flüssig: Der Bau des neuen Wasserwerks in Weiden steht vor der Fertigstellung. Der Hausherr zeigt bei der Führung durch die Anlage, woher künftig das Wasser der Weidener kommen wird.

Stefan Schinabeck im neuen Wasserwerk. Hinter ihm sind die Filterbehälter zu sehen, durch die das Wasser fließt.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Das Durcheinander auf der Baustelle "neues Wasserwerk" scheint Ende Oktober noch groß, Stefan Schinabeck wirkt beim Ortstermin dennoch ruhig und entspannt. "Wir schaffen das", sagt der Projektleiter an der derzeit größten Baustelle der Weidener Stadtwerke mit Blick auf die Frist für die Fertigstellung. Damit alle Förderbedingungen für den 13-Millionen-Euro-Bau erfüllt sind, muss die Anlage Ende 2021 betriebsbereit sein.

Und tatsächlich: Auch wenn sich die Bauarbeiter am und im Gebäude scheinbar noch auf die Füße treten: Beim Gang durch das große Gebäude zeigt Schinabeck, dass die Technik längst vorhanden ist, um das Wasser aus den Tiefbrunnen im Waldgebiet nahe am Schätzlerbad aufzubereiten und an die drei Hochbehälter der Stadt weiterzuleiten. Von diesen Behältern fließt es immer dann hinunter in die Stadt, wenn ein Bürger den Hahn öffnet oder die Spülung betätigt.

Ein Gang durchs Wasserwerk mit "Hausherr" Stefan Schinabeck

Keine festen Arbeitsplätze vor Ort

Wenn es einmal soweit ist, wird es im Weidener Norden zwischen Neustädter und Georg-Stöckel-Straße längst nicht mehr so quirlig zugehen. Lediglich sechs Mitarbeiter der Stadtwerke sind nötig, um das neue Wasserwerk zu betreiben. Und auch diese Spezialisten werden in der Regel nicht vor Ort sein. Es gebe keine festen Arbeitsplätze im Gebäude, sagt Schinabeck, alles laufe vollautomatisch ab. Nur etwa für Wartungsarbeiten werden er oder einer seiner Mitarbeiter das Wasserwerk betreten.

Ohnehin müssen die Wasserspezialisten von den Stadtwerken vergleichsweise wenig machen, um das Weidener Wasser für die Bürger aufzubereiten. Schon aus den Brunnen sprudelt es in höchster Qualität. "Wir müssen zum Beispiel nichts desinfizieren", nennt Schinabeck einen Weidener Vorzug gegenüber vielen anderen Wasserversorgern.

Nachts in den Hochbehälter

Tatsächlich läuft das Wasser nach der Förderung lediglich durch einen Filterbehälter. Im Anschluss wird es belüftet. Durch die ins Wasser geleitete Luft werde gebundenes Kohlendioxid freigesetzt. "Das ist nötig, um den vorgegebenen PH-Wert zu erreichen", erklärt Schinabeck beim Rundgang durchs Gebäude. Danach sei das Wasser schon bereit, um Richtung Hochbehälter gepumpt zu werden. Das erfolgt im Normalfall nachts – auch die Stadtwerke setzen nämlich auf günstigeren Nachtstrom.

Gefördert soll hingegen an 20 bis 22 Stunden pro Tag werden. Das alte Wasserwerk aus dem Jahr 1933 pumpte bislang den Wasserbedarf der Stadt an acht Stunden je Tag aus den Brunnen. "Die kontinuierlichere Förderung soll dazu beitragen, unsere Brunnen zu schonen", erklärt Schinabeck diese Umstellung. Mit der neuen Anlage soll die Versorgung auch nachhaltiger werden.

Speicher für einen halben Tag

Für das während der Tagesstunden "überschüssig" geförderte Wasser stehen im Wasserwerk zwei große Edelstahltanks bereit, die jeweils 2000 Kubikmeter Wasser speichern können. Die 4000 Kubikmeter Fassungsvermögen entsprechen einem halben Tagesbedarf der Stadt. Aus den 8000 Kubikmetern mittleren Verbrauch können an heißen Tagen schnell deutlich mehr werden. Auch deshalb ist das neue Wasserwerk insgesamt auf eine tägliche Fördermenge von bis zu 15 000 Kubikmeter ausgelegt. Das sind 15 Millionen Liter. Allerdings sei bei dieser Menge auch eine Prognose des zukünftigen Bedarfs berücksichtigt worden. Schließlich soll das neue Wasserwerk die Stadt mindestens für die kommenden 40 Jahre versorgen.

Strenge Vorgaben

Bis die neue Einheit allerdings wirklich die Arbeit aufnimmt, dürfte noch etwas mehr Zeit vergehen. Zwar soll bis Jahresende alles technisch fertig sein, allerdings beginnt dann zunächst der Probebetrieb. Wie lange der dauern wird, lasse sich im Voraus nicht sagen. Das liegt an den extrem strengen Vorgaben, die deutsches Trinkwasser erfüllen muss, erklärt Schinabeck.

Bis die Filter das Wasser mit den geforderten Messwerten durch lassen, könne einige Zeit vergehen. Wie viel Zeit, sei nicht planbar, hierfür sei viel Einstellungsarbeit an den Anlagen nötig. "Bei ersten Tests ging es relativ schnell, aber das kann mit einem anderen Filter schon wieder anders aussehen", erklärt der studierte Bauingenieur. Solange das gewünschte Ergebnis nicht erreicht ist, wird die alte Anlage aus dem Jahr 1933 am Netz bleiben – bis die irgendwann im Laufe des Jahres endgültig genug gefördert hat.

Großinvestitionen der Stadtwerke

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zahlen zum Weidener Wasser

  • 13,3 Millionen Euro waren zuletzt für den Bau des neuen Wasserwerks veranschlagt.
  • 15.000 Kubikmeter kann das neue Wasserwerk maximal an einem Tag fördern.
  • 8000 Kubikmeter verbrauchen die gut 42.000 Weidener Bürger im Durchschnitt pro Tag.
  • 230 Meter reicht der tiefste Weidener Brunnen in die Erde.
  • 8 Grad hat das Wasser aus den Tiefbrunnen. Um die Temperatur zu halten, hat der Bau keine Fenster. So werden Sonnenstrahlen abgehalten.
  • 6 Mitarbeiter reichen, um die komplette Anlage zu bedienen. Keiner muss dafür dauerhaft vor Ort sein.

"Die kontinuierlichere Förderung soll dazu beitragen, unsere Brunnen zu schonen."

Stefan Schinabeck erklärt, warum nun an 20 bis 22 Stunden pro Tag und nicht mehr wie bisher nur an acht Stunden Wasser gefördert wird

 

 

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