27.10.2020 - 00:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Weiden Business School": Der passende Name zum Niveau

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Seit Oktober gibt es an der OTH Amberg-Weiden die "Weiden Business School". Doch was steckt dahinter?

Professor Bernt Mayer.
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

Business School - das klingt nach Harvard und London School of Economics. Um internationalen Anspruch in der Ausbildung junger Betriebswirtschaftler geht es auch an der Weiden Business School (WEBS). Seit 1. Oktober heißt die Fakultät Betriebswirtschaft der OTH Amberg-Weiden "Weiden Business School". Dekan Professor Bernt Mayer hat diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben. Er stellte sich den Fragen unserer Redakteure Alexander Rädle und Reiner Wittmann.

Die OTH Amberg-Weiden hat damit begonnen, ihre Fakultät Betriebswirtschaft zur „Weiden Business School“ auszubauen.

ONETZ: Herr Mayer, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sind „Business Schools“ förmlich aus den Boden geschossen. Jetzt gibt es an der OTH in Weiden die WEBS. Was versprechen Sie sich davon?

Professor Mayer: "Business School" ist ein etablierter Begriff für hochwertige akademische Ausbildung in den Wirtschaftswissenschaften. Die Internationalisierung ist Bestandteil der Weiterentwicklung der OTH Amberg-Weiden. Nicht nur deshalb ist die Sichtbarkeit unserer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät innerhalb einer Technischen Hochschule enorm wichtig. Ein erster Schritt in diese Richtung war die erfolgreiche Etablierung des englischsprachigen Bachelorstudiengangs International Business.

ONETZ: Wie geht es nun weiter?

Professor Mayer: Wir bieten seit Beginn des Wintersemesters auch einen Master in englischer Unterrichtssprache an. Für Studierende einen enormen Mehrwert bietet die Ausweitung der Kooperationen mit ausländischen Partnerhochschulen in Form von Summer- und Winter-Schools und die Möglichkeit zu Double Degrees, also zum gleichzeitigen Erwerb zweier akademischer Abschlüsse.

ONETZ: Die Internationalisierung schreitet fort. Die Antwort darauf war der Bologna-Prozess. Welche Rolle spielt hier die WEBS?

Professor Mayer: Durch Bologna sollten international vergleichbare Studienabschlüsse geschaffen werden - nun können wir zeigen, dass hervorragendes Managementwissen auch in Deutschland vermittelt wird. Business Schools sind bisher hauptsächlich privat organisiert. Davon unterscheiden wir uns deutlich: Bei uns steht nicht im Vordergrund, Geld zu verdienen - bei uns ist das sogar kostenlos.

ONETZ: Was wollen die Weidener anders machen als andere?

Professor Mayer: Wir gehen mit der Zeit und lehren, was "draußen" gebraucht wird. Viele meiner Kollegen und ich sind sehr oft in Firmen unterwegs. Wir kommen alle aus der Praxis und sind in der Praxis. In den letzten Semestern haben wir sukzessive unser Studienangebot ausgeweitet und modernisiert. Statt mit ehemals drei konsekutiven Bachelor- beziehungsweise Masterstudiengängen und einem berufsbegleitenden Bachelor starten wir mit 10 konsekutiven Bachelor- und Masterangeboten sowie 5 berufsbegleitenden Studiengängen.

ONETZ: In welchen Studiengängen spiegelt sich das wider?

Professor Mayer: Wir haben in Bayern den einzigen Studiengang "Angewandte Wirtschaftspsychologie". Ausgeschrieben haben wir eine Professur "Cognitive Business". Hier geht es um Mensch-Maschine-Interaktion, ebenfalls ein Zukunftsthema. So etwas gibt es in Bayern noch nicht. Solche Alleinstellungsmerkmale sind für uns wichtig.

ONETZ: Betriebswirtschaftliches Wissen ist das eine. Das andere sind Werte und Führungskompetenz. Wie bereiten Sie den Management-Nachwuchs darauf vor?

Professor Mayer: Unser oberstes Ziel ist es, junge Leute als selbstbewusste Menschen mit Persönlichkeit und Führungskompetenzen, sprachlicher Expertise und so viel Praxiserfahrung als möglich in die Wirtschafts-Welt zu entsenden. Der Claim der Weiden Business School ist "Inspire leadership - encourage innovation" und diesen leben wir. Wir bilden junge Menschen aus, die die nötige Flexibilität mitbringen und Veränderungen mutig anpacken. Dafür stehen ihnen nicht nur Dozierende mit internationalem Hintergrund zur Seite, sie profitieren auch automatisch vom Wissen und den Erfahrungen ihrer ausländischen Kommilitonen.

ONETZ: Persönlichkeitsbildung erfordert jedoch persönlichen Kontakt. Wie geht das in Corona-Zeiten?

Professor Mayer: Vertrauen baut man nur auf, wenn man sich kennt. Das geht nicht online. "Inspire leadership" kann man deshalb auch nicht an einer Fernuni studieren. Dazu kommt: Auch ich selbst lerne am besten dann, wenn ich anderen etwas beibringe, reflektiere, etwas ausspreche. Unsere Hoffnung ist, dass wir 2021 wieder einen weitgehend normalen Hochschulbetrieb haben.

ONETZ: Worin erkennen Sie in der „Business School“ einen Vorteil für den „Standort Oberpfalz“?

Professor Mayer: Wir haben Hidden Champions und Marktführer. Diese sind angewiesen auf gut ausgebildete junge Menschen, die die Herausforderungen der Zukunft zu meistern wissen. Bereits während des Studiums arbeiten unsere Studierenden im Rahmen von Praxisprojekten oftmals zum Beispiel als Marktforscher, Berater oder Ideengeber für Unternehmen in der Region. Egal, ob sich unsere Studierenden nach dem Abschluss in der Region niederlassen (und das tun derzeit die meisten) oder ihre Karriere im Ausland starten. Wir leisten unseren Beitrag dazu, die Oberpfalz als Wirtschaftsstandort auszubauen.

ONETZ: Und wie profitieren die Studenten?

Professor Mayer: Für sie ist es sinnvoller, in einer Stadt wie Weiden zu studieren. Sie lernen hier mehr Leute kennen als an großen Hochschulorten. An unserer kleinen Hochschule herrscht echt Dynamik. Darauf müssen wir aufmerksam machen. Die Business School ist hierbei auch ein Marketinginstrument.

Die OTH stellte den neuen Studiengang Wirtschaftspsychologie vor.

Weiden in der Oberpfalz

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