06.11.2019 - 18:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden und seine Innenstadt: Diskussion um Heizpilze auf Sparflamme

Es geht um die Möblierung der Innenstadt, um Tische, Stühle, Sonnenschirme und ganz besonders um Heizpilze. Dazu soll es ein neues Gestaltungshandbuch geben. Die Überarbeitung aber lässt auf sich warten.

Vorerst bleibt es bei individuellen Lösungen in der Außengastronomie. Die Überarbeitung eines Gestaltungshandbuchs lässt auf sich warten. Neben der Tür (rechts) warten die umstrittenen Heizpilze auf ihren Einsatz.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Anfang Dezember wird es ein Jahr, dass sich der Bau- und Planungsausschuss mit der Erstellung eines neuen Gestaltungshandbuchs einverstanden erklärt hat. Darin soll es um eine Leitlinie bei Neuanschaffungen von Gegenständen für die Außengastronomie gehen. Die Verwaltung sprach von einem verträglichen Miteinander der verschiedenen Nutzer der öffentlichen Verkehrsflächen sowie einer sinnvollen Ergänzung der historischen Fassaden der Altstadtgebäude. Doch was dann in der Sitzung Ende März dieses Jahres im Bauausschuss vorgelegt wurde, unter anderem der Verzicht auf Heizpilze, die in anderen Städten wie Regensburg verboten sind, und Windschutzvorhänge sowie eine einheitliche Möblierung, schmeckte den Stadträten überhaupt nicht. Ihrer Meinung nach sollte die Individualität erhalten bleiben.

Bauanträge wichtiger

Die Ausschussmitglieder beauftragten die Verwaltung, anhand der Diskussions- und Gesprächsbeiträge sowie mit Blick auf positive Beispiele in anderen Städten einen neuen Vorschlag für ein Gestaltungshandbuch zu unterbreiten. Wie aufgrund einer Anfrage der CSU im Sonderausschuss Innenstadtentwicklung bekannt wurde, konnte der Auftrag bisher allerdings nicht weiterbearbeitet werden. Die Verwaltung verwies auf den derzeit noch anhaltenden Bauboom und der damit verbundenen hohen Zahl an Bauanträgen sowie Beratungsleistungen. Soweit zeitlich möglich, soll der Auftrag aber weiter verfolgt werden.

Ergänzend und grundsätzlich stellt die Verwaltung fest, dass eine Nutzungsdurchmischung zur Steigerung der Attraktivität von Innenstädten beiträgt. Das Miteinander von Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistern erzeuge ein vitales, urbanes Umfeld, dessen Erhalt und Weiterentwicklung eine wichtiges planerisches Ziel darstellt. Diese Mischung sei in der Innenstadt in der Gesamtbetrachtung durchaus gegeben.

Mischung fördern?

Es sollte nach Meinung der Verwaltung aber durchaus die Frage gestellt werden, ob die Mischung in jeder Lage der Innenstadt durch die Verwaltung gefördert werden müsse. Insbesondere die Eignung der vorhandenen Immobilien führe in vielen Städten zu einer Entmischung von Handel und Gastronomie. Dies liege daran, dass die Gastro-Nutzung in aller Regel besser mit kleinteiligen, verwinkelten Altstadt-Immobilien umgehen könne als der Einzelhandel, der sich unter anderem zur Warenpräsentation vielfach klare Zuschnitte der Grundrisse wünscht.

Zwei gegenläufige Trends

Bei den Größenanforderungen des Einzelhandels an die Verkaufsflächen beobachtete die geografische Handelsforschung nach Feststellungen der Verwaltung in den vergangenen Jahren zwei gegenläufige Trends: Einerseits wächst der Flächenbedarf von Filialisten zur Schaffung einer großzügigen Einkaufsatmosphäre stetig. Andererseits wächst gerade in größeren Städten wieder eine Nachfrage nach kleineren Verkaufsflächen. Hier rückt durch das Zusammenwachsen von stationärem und Online-Handel die Kommunikation mit dem Kunden gegenüber dem Verkauf in den Vordergrund.

Schließlich kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass es zur Förderung des Gleichgewichts von Gastronomie und Einzelhandel zwei Möglichkeiten gebe. Zum einen sei das eine weitere Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Raums, die dem Einzelhandel dient. Verbesserung der Barrierefreiheit oder Einrichtung unbewirtschafteter Sitzgelegenheiten sind hier nur zwei Stichworte.

Attraktive Freiraumgestaltung

Außerdem empfiehlt die Verwaltung die Regulierung der Genehmigung von Sondernutzungen wie etwa Außenbestuhlungen. Zu guter Letzt verweist sie auf den städtebaulichen Gestaltungswettbewerb 2021, der die Attraktivität der westlichen Innenstadt steigern soll.Eine attraktive Freiraumgestaltung, die Verbesserung der Qualität der Fußwegeverbindungen sowie die Auswahl ansprechenden Stadtmobiliars sollen nur einige Themen des Wettbewerbes sein. Angemerkt

Kommentar:

Weiden individuell

Selbst bei diesem tristen November-Wetter gibt es vor den Cafés und Kneipen die notorischen Draußensitzer. Plastikfolien und Heizpilze brauchen sie nicht. Viele andere Gäste in der Fußgängerzone wollen zumindest in der Übergangszeit auf diese Hilfsmittel aber nicht mehr verzichten. Und stehen damit im Gegensatz zur Verwaltung, die dem Bauausschuss im März dieses Jahres mit einem neuen Gestaltungshandbuch auch noch eine einheitliche Möblierung aufs Auge drücken wollte. Doch die Stadträte sperrten sich, wollten die Individualität in der Innenstadt erhalten und forderten eine Überarbeitung.
Diese lässt auf sich warten, weil der Bauboom mit einer hohen Zahl an Bauanträgen und Beratungsgesprächen das Handbuch in eine Schublade wandern ließ. Kaum vorstellbar, dass es dort noch vor den Kommunalwahlen herausgeholt wird. Damit bleibt bei der Außengastronomie vorerst die Weidener Individualität erhalten. Nicht unbedingt die schlechteste Lösung.

Von Volker Klitzing

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