08.11.2020 - 15:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Lehrer kümmern sich um Schutzwände

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Vielen sind sie wohl aus Supermärkten bekannt: Stellwände zum Schutz vor Corona. Auch Schulen in Weiden wollten solche Wände haben – und dafür die finanzielle Hilfe der Stadt. Einige Helfer packen selber an.

Der Vorsitzende des BLLV-Kreisverband Weiden, Manuel Sennert, hinter einer Acrylglas-Schutzwand.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Es sei ziemlich anstrengend, als Lehrer den ganzen Schultag über mit Mund-Nase-Maske zu sprechen, sagt Manuel Sennert, der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Er unterrichtet auch eine neunte Klasse an der Max-Reger-Mittelschule in Weiden.

Behelfen wollte sich die Mittelschule mit Schutzwänden aus Glas. Der Schulleiter der Max-Reger-Schule, Tobias Kick, erzählt von Erklär- und Lernstationen, ausgestattet mit Stellwänden aus Acrylglas. Die Schule habe sie geplant, als der Inzidenzwert der Corona-Infektionen noch unter 35 lag. Ausgehend davon, dass im Unterricht die Maske auch abgenommen werden darf. Finanzielle Hilfe von der Stadt habe man sich für das Anschaffen der Wände erhofft. Sennert sagt, er kenne andere Orte, in denen die Stadt oder die Gemeinde die Wände bezahlt. Als Beispiele nennt er Schwandorf und Hemau im Landkreis Regensburg.

Kick erklärt, dass zum Beispiel Schüler dem Lehrer beim Sprechen zusehen müssten, wenn sie eine Sprache lernen. Dabei soll die Erklärstation mit Schutzwand helfen: Dort könne der Lehrende ohne Maske dem Schüler die Sprache visuell erklären. Dabei denkt Kick etwa an das englische "th", das man etwa beim Sprachelernen deutlicher versteht, wenn es sichtbar vorgesprochen wird.

Das ist ja auch nachvollziehbar und okay so.

Tobias Kick, Schulleiter der Max-Reger-Mittelschule Weiden über die Reaktion der Stadt Weiden.

Tobias Kick, Schulleiter der Max-Reger-Mittelschule Weiden über die Reaktion der Stadt Weiden.

Die Scheibe hebt das Abstandhalten von 1,50 Metern zwischen Personen im Klassenraum nicht auf, sagt Kick. Der Einsatz der Stellwände sei deshalb nicht wie geplant umsetzbar – da Masketragen und Abstandhalten gelten. Manuel Sennert sagt, die generelle Maskenpflicht habe in den letzten beiden Wochen vor den Herbstferien gegolten und wird auch wieder nach den Ferien gelten.

Die Scheibe komme wie geplant zum Einsatz, sobald die Maske im Unterricht abgenommen werden darf, sagt Kick. Die Wände könnten dabei helfen, Sicherheit zu vermitteln und den Unterricht zu flexibilisieren. Sie seien ein Baustein des Schulhygienekonzepts.

Schutzwände selbst gebaut

„Für so etwas haben wir kein Geld." Das hat die Stadt Weiden auf eine Anfrage zum Erwerb der Schutzwände zu Beginn des Schuljahres laut des Vorsitzenden des BLLV-Kreisverband Weidens, Manuel Sennert, geantwortet. Die Schule habe die Finanzierung der Stellwände aus ihrem Budget bei der Stadt aufbringen wollen, sagt Kick. Im Haushaltsplan, der im Sommer 2019 habe feststehen müssen, sei diese Investition nicht aufgeführt. Das sei damals ja nicht absehbar gewesen. Auf einen anderen Posten des Haushaltsplanes hätte verzichtet werden müssen, sagt er.

"Das ist ja auch nachvollziehbar und okay so", sagt Schulleiter Kick zur Reaktion der Stadt. Vom Kultusministerium sei das Anschaffen solcher Wände ja nicht vorgeschrieben. Laut Kick hat sich also Manuel Sennert vom Lehrerverband der Sache gewidmet: Aus Mitgliedsbeiträgen des BLLV seien Schutzwände finanziert worden. Sennert erklärt, dass rund 50 Acrylglaswände bestellt wurden. Die Halter aus Holz bauten Helfer in Eigenregie. Die Stellwände sollen eine Erleichterung für die Kollegen sein, wenn sie die Maske im Unterricht abnehmen dürfen, sagt er.

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Laut Sennert haben die Max-Reger-Mittelschule, die Gerhardinger-Grundschule, die Hans-Schelter-Grundschule, die Stötzner-Schule Sonderpädagogisches Förderzentrum, die Pestalozzi-Mittelschule und die Rehbühl-Grundschule in Weiden solche Stellwände erhalten.

Das sagt die Stadt Weiden

Warum die Anfrage für das Beschaffen und das Finanzieren der Schutzwände von der Stadt Weiden abgelehnt wurde, beantwortet die Schulabteilung der Stadt: „Es ist richtig, dass es einen Beschaffungswunsch diesbezüglich gab. Beschaffungen des schulischen Sachaufwandes richten sich nach den rechtlichen Grundlagen. Mit dem ,Rahmen-Hygieneplan' des Bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus wird ein einheitlicher Standard für die pandemiebedingte Ausstattung von Klassenzimmern festgelegt." Spuckschutzwände seien nicht inbegriffen – vielmehr würde auf Abstandhalten, Mund-Nase-Schutz und Hygiene gesetzt.

Die Anforderung sei folgerichtig abgelehnt worden. Die Hygiene in den Weidener Schulen werde nach dem Rahmen-Hygieneplan „Hand-in-Hand“ durch Schule und Sachaufwandsträger entsprechend der jeweiligen Zuständigkeiten sichergestellt.

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