27.09.2019 - 19:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In Weiden produziert jeder Bürger 8,8 Kilo Müll pro Woche

Farbeimer sind für Johannes Zierock ein rotes Tuch. „Das ist Restmüll, kein Sondermüll“, sagt der Abfallberater. Trotzdem werden sie ihm an diesem Samstag, 28. September, bestimmt wieder begegnen.

Alles aus Hartkunststoff wird extra entsorgt und gehört NICHT in den Gelben Sack. Am Bauhof in Weiden-Ost steht dafür ein Container für Hartkunststoffe.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Dann findet im städtischen Bauhof in der Vohenstraußer Straße die Herbstsammlung für Problemmüll statt. In diesem Zusammenhang wird Zierock nicht müde, zu betonen, dass Eimer mit eingetrockneter Farbe da nichts zu suchen haben. „Es ist ein Klassiker, die Leute bringen sie immer wieder.“ Sein Tipp: Farbreste eintrocknen lassen und ab mit dem Eimer in die Restmülltonne“, erklärt er. „Wenn wir sie entsorgen müssen, entstehen nur zusätzliche Kosten.“

Zierock hat beim Thema Mülltrennung und -entsorgung schon fast alles erlebt. Umso erfreuter war er, als sich die Abfallberatung der Stadt erstmals mit einem Stand auf der Verbrauchermesse beim Volksfest präsentierte. Drei Tage, in denen der Sachgebietsleiter Straßenreinigung und Abfallwirtschaft interessierten Besuchern Rede und Antwort stand.

„Das waren gute Gespräche“, zieht der 63-Jährige zufrieden Bilanz. Die Bürger stellten viele Fragen zu den verschiedensten Hausmüllarten und deren Entsorgungswege. Im Mittelpunkt stand der Gelbe Sack. Was kommt da rein?, Wo bekomme ich die Säcke?, Was sind Leichtverpackungen?, Muss ich den Joghurtbecher auswaschen? – nur einige der vielen Fragen, auf die Zierock Antworten wusste (siehe Infokasten). Der Abfallberater will aufklären und nutzt jede Gelegenheit dafür. „Je mehr sich der Bürger schlau macht und seinen Müll besser trennt, umso mehr hilft er auch der Kommune Kosten zu sparen. Und sich selbst natürlich auch.“ So sei vielen zum Beispiel nicht klar, dass sie bereits beim Kauf von Dosen, Joghurtbechern, Getränkekartons & Co. für die Leichtverpackung zahlen. Werfen sie diese jedoch in den Restmüll (und nicht in den Gelben Sack), dann zahlen sie über die städtischen Müllgebühren noch einmal.

In 2018 hat in Weiden jeder Bürger 8,8 Kilogramm Restmüll pro Woche produziert. 63 Prozent davon waren Wertstoffe. Es könnten mehr sein, wenn der Müll konsequent getrennt wird, sagt der Abfallberater. Die Leichtverpackungen machten einen Großteil des Müllaufkommens aus. Zierock bittet inständig, dafür die Gelben Säcke zu nutzen. Die gibt es kostenlos bei den Wertstoffhöfen, im Rathaus und bei fast allen Bäckereien. Blaue oder schwarze Säcke als Ersatz seien tabu – zu schwer und nicht durchsichtig. Kosten verursachten auch sogenannte Fehleinwürfe. 2018 fischte die Stadt 310 Tonnen davon aus dem Gelben Sack – bei einer Gesamtsammelmenge von 1168 Tonnen. Das Entsorgen des Mülls durch Verbrennen kostete 34 000 Euro. „Wir möchten die Menschen unserer Stadt nicht kritisieren, sondern vielmehr motivieren, an unserem Abfallwirtschaftskonzept teilzunehmen. Sie sollen erkennen dass sie alle gebraucht werden“, sagt Zierock.

Die häufigsten Fragen rund um den Gelben Sack und die Abfallentsorgung

  • Warum ist der Gelbe Sack in Weiden kleiner als zum Beispiel im Landkreis Neustadt/WN?

Die Stadt Weiden betreibt ein mehrheitlich von der Bevölkerung gewünschtes Bringsystem Gelber Sack. Damit muss in kleineren Wohnungen nicht so lange auf eine Entsorgung gewartet werden, planmäßige Straßensammlungen brauchen mehr Zeit. Die Bürger/innen unserer Stadt haben es sozusagen in eigener Hand und entscheiden selbst. Wichtig: Öffnungszeiten Wertstoffinseln/Wertstoffhöfe sind zu beachten!

  • Warum ist der Gelbe Sack gelb?

Bei uns hat jede Art von Abfall seine Tonne mit eigener Farbe. Blau für Papier und Pappe, schwarz für Restmüll, mit grünem Deckel oder Griff für Bioabfall. Auch Glas trennen wir nach Farben. Und gebrauchte Leichtverpackungen, etwa aus Kunststoff, Alu, Weißblech oder aus verschiedenen Materialien zusammengesetzte Verbunde kommen in den Gelben Sack. Die Farbe Gelb sollte mit der Einführung der Wertstofferfassung 1991 einen farblichen Kontrast zur schwarzen Restmülltonne setzen und zeigen, dass eine neue Zeit im Umgang mit Abfällen eingeläutet wurde.

Herr über all diese Fragen sind die Dualen Systeme Deutschland (sie organisieren bundesweit die Sammlung, Sortierung und Verwertung gebrauchter Verkaufsverpackungen für Industrie und Handel und sind verantwortlich, dass die vom Gesetzgeber nach Verpackungsgesetz vorgeschriebenen Recyclingquoten erreicht werden. Aktuell sind es acht privatwirtschaftlich organisierte duale Systeme, die mit ihren Dienstleistern aus der Entsorgungs- und Recyclingbranche das Verpackungsrecycling sicherstellen. Sie bestimmen darüber, wie genau die Säcke beschaffen sind. Die Vorgaben richten sich nach dem Mini-Max-Prinzip, das besagt: So wenig Material wie nötig, für so viele Verpackungen wie möglich.

Abfallberater Johannes Zierock betreibt unermüdlich Aufklärungsarbeit in Sachen Müll. So gehören in den Gelben Sack nur Leichtverpackungen, wie er anschaulich demonstriert.
  • Was darf in den Gelben Sack alles rein?

Nur leichte Verpackungsabfälle wie Joghurtbecher, Konservendosen, Aluschalen und Getränkekartons. Schwerere Abfälle wie Spielzeug oder Bratpfannen darf er gar nicht schlucken, denn das sind ja keine Verpackungen. Ein weiterer Vorteil des dünnen Sackmaterials: Es ist transparent und macht es einfacher, zu erkennen, wenn er zweckentfremdet wurde. Stabile sowie undurchsichtige Säcke sollten daher nicht verwendet werden.

  • Was sind Fehleinwürfe?

Entsorgungsfirmen können mit sogenannten Fehleinwürfen nichts anfangen, denn sie sind teuer zu entsorgen und stören den Sortiervorgang. Beispiele: Christbaumnetze (bleiben im Sortierband hängen), Elektroaltgeräte, Gartenabfallsäcke und Gartenschläuche, Hartkunststoffe, Infusionsschläuche /-beutel, Kleidung, Kunststoffbänder (bleiben im Sortierband hängen), nicht restentleerte Spraydosen, Restmüll Schläuche aller Art, Schuhe, Speisereste, Spielzeuge mit Batterien/Akkus, Videokassetten, Windeln.

Blaue Müllsäcke sind für die Entsorgung von Leichtverpackungen nicht erlaubt. Sie sind zu dick, zu schwer und nicht durchsichtig wie die Gelben Säcke.
  • Wo entsorge ich Spielzeug oder eine Salatschüssel aus Plastik?

Dabei handelt es sich um langlebige Gebrauchsgegenstände aus Kunststoff, welche keinesfalls über den Gelben Sack entsorgt werden dürfen. Die Stadt unterhält jedoch dazu einen Sammelcontainer für Hartkunststoffe am Wertstoffhof in der Vohenstraußer Straße. Dort können z.B. langlebige Produkte aus Hartplastikteile, wie Regenwasserfass, Wäschewanne, Blumenkasten oder andere Formteile dieser Art sowie Spielzeug aus hartem Plastik von allen Weidener Haushaltungen entsorgt werden.

  • Wer bezahlt den Gelben Sack?

Der Verbraucher! Zunächst entrichten Hersteller und Produzenten ein sogenanntes Lizenzentgelte für ihre Verpackungen an die Dualen Systeme. Sind die befüllten Verpackungen im Handel angekommen, enthält ihr Verkaufspreis die Entsorgungskosten über den Gelben Sack. Schon deshalb sollten die Verkaufsverpackungen grundsätzlich nicht in die Restmülltonne!

  • Muss ich Joghurtbecher auswaschen?

Nein! Der Joghurtbecher in den Geschirrspüler? Das wäre übertrieben. Selbst wenn er nicht von innen glänzt, ist der Becher im Gelben Sack gut aufgehoben. Die Nicht-perfekt-sauber-Klausel gilt auch für andere Verpackungen. Hauptsache es sind keine groben Reste in den Tetra-Paks oder Plastikbechern. Die Faustregel heißt: Reste raus. Am besten also aufessen oder austrinken. Und falls auch umfüllen nicht hilft: Flüssigkeiten weggießen und Lebensmittelreste in den Bio-Müll. Wichtig ist es jedoch, den Deckel und – wenn vorhanden – auch die Papierummantelung beim Joghurtbecher vor dem Einwurf komplett abzutrennen und gesondert zu entsorgen: Aluminiumdeckel und Kunststoffbecher in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne, Ummantelung in die Papiertonne. Das gilt auch für andere Verpackungskombinationen wie etwa bei durchsichtigen Käseverpackungen, deren durchsichtige Abdeckfolie aus anderem Kunststoff besteht als die ebenfalls durchsichtige Schale. Nur so kann die Sortieranlage sicherstellen, dass die Materialien nicht verunreinigt und getrennt dem Recycling bereitgestellt werden.

Richtig und falsch - so läuft die Entsorgung der leichten Verpackungsabfälle wie Joghurtbecher, Aluschalen usw. richtig.
  • Warum muss ich bei der Sperrmüllanmeldung 10,00 Euro zuzahlen?

Es handelt sich dabei um eine Anfahrtsentschädigung, welche als Einnahme den Kostenaufwand in der Betriebsabrechnung Abfallbeseitigung wieder entlastet. Pro Jahr sind das so ca. 20.000 Euro.

  • Wann darf ich Eigenkompostierung anmelden?

Durch Eigenkompostierung soll wertvoller Kompost im eigenen Garten entstehen. Er soll Pflanzen kräftigen und gesund erhalten. Torf und Mineraldünger („Kunstdünger“) werden dadurch überflüssig. Nur wer es versteht, als gelernt hat wie Eigenkompostierung funktioniert, wird entsprechenden Erfolg haben. Wichtig: Die Eigenkompostierung wird von städt. Mitarbeitern auf ihre Funktion hin kontrolliert. Eigenkompostierer zahlen weniger Müllgebühr.

  • „Mich ärgert es, wenn Menschen unsortierten Müll irgendwo hinterlassen. Was kann man dagegen unternehmen?“

Wild und unsortiert abgestellte Abfälle sind unschön, prägen aber den Alltag einer jeden Stadt, nicht nur unser Weiden. Es handelt sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit oder gar – bei stark umweltgefährdenden Abfällen – um eine Straftat. Zuwiderhandlungen können an die Abfallberatung gemeldet werden. Achtung: Die dafür notwendigen Aufräumarbeiten belasten unsere Müllgebühren. Appell: Nutzen Sie das bürgernahe und umfassend praktisch aufgestellte Abfallwirtschaftssystem der Stadt. Halten Sie die Stadt sauber! Melden Sie Verschmutzungen und Ordnungswidrigkeiten!

Info:

"Deckel-zu!-Kampagne" wirkt

Die Arbeitssicherheit der Müllwerker erhöhen, für ein sauberes Stadtbild und für mehr Gebührengerechtigkeit sorgen, ist die Intension der Kampagne „Deckel zu!“ der Stadt Weiden, die seit Mai läuft. Mittels gelbem und rotem Smiley-Aufkleber auf den Mülltonnen werden Grundstücksbesitzer und Hausverwaltungen Verwarnungen ausgesprochen, wenn die Tonne überfüllt ist, so dass der Deckel nicht mehr schließt. Die Konsequenz: Bei einem „roten Papperl“ wird die Tonne nicht geleert.

Seit Beginn der Kampagne vor vier Monaten wurden rund 300 Mülltonnen mit einem gelben und rund 100 Mülltonnen mit einem roten Aufkleber versehen, sagt Johannes Zierock, Sachgebietsleiter Straßenreinigung und Abfallwirtschaft. Diese 100 Grundstückseigentümer und Hausverwaltungen seien nun für die Entleerung ihrer Mülltonnen selbst zuständig. „Erst wenn bei tourenmäßiger Müllabfuhr die Deckel wieder zu sind, wird die städtische Müllabfuhr tätig werden“, sagt Zierock.

„Einige haben uns da ganz schön auflaufen lassen“, sagt der Abfallberater. „Die haben ihre Tonnen voll gemacht, bis nichts mehr ging, und so vor allem gezeigt, dass es sie schlichtweg nicht interessiert.“ Es gebe aber zum Glück auch die andere Seite. Viele Verantwortliche hätten rechtzeitig reagiert und ihr Verhalten zur Mülltrennung entsprechend positiv verändert oder ihre Hausgemeinschaften darüber informiert. Ein roter Aufkleber war in der Folge nicht mehr notwendig, freut sich Zierock. (shl)

Info:

Problemmüll entsorgen

Wo und wann kann ich Problemmüll entsorgen? Zweimal jährlich, Frühjahr und Herbst, findet im städtischen Bauhof eine Problemmüllsammlung aus Weidener Haushaltungen statt. Die nächste Aktion ist schon am 28. September 2019 von 09:00 bis 13:00 Uhr.

Unterwegs mit dem Müllauto und noch mehr Tipps für die Biotonne

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