29.12.2020 - 12:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden West IV: Ersatzfläche kein Ausgleich für Waldrodung

Kurz vor dem Bürgerentscheid am 14. Februar 2021 über das geplante Industriegebiet West IV tauschen die Beteiligten nochmal Argumente aus. Das Aktionsbündnis Walderhalt lud sich einen Waldexperten ein.

Dr. Ralf Straußberger sprach bei einem Onlinevortrag zum Walderhalt in "Weiden West IV". Das Foto entstand bei einem früheren Vortrag.
von Siegfried BühnerProfil

Zu einem Onlinevortrag mit dem Thema „Klimakrise und Waldsterben 2.0“ hat das Aktionsbündnis Walderhalt im Vorfeld des geplanten Bürgerentscheides zu "Weiden West IV" am 14. Februar 2021 eingeladen. Corinna Loewert vom Aktionsbündnis begrüßte den Waldexperten Dr. Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz Bayern. Dieser listete anfangs gleich zahlreiche Argumente gegen die Abholzung einer über 100 Jahre alten Waldfläche auf rund 65 Hektar Fläche im Westen von Weiden auf. Unter anderem nannte er die wichtigsten Schutzfunktionen der stadtnahen Waldfläche. Sein zentrales Argument war jedoch die Aussage, dass in einem über ein Jahrhundert gewachsenen Wald ein Vielfaches an Kohlenstoff im Vergleich zu einer nachgepflanzten Ersatzfläche gespeichert werden könne.

"Rodung nicht zeitgemäß"

Der Kohlenstoffvorrat pro Hektar betrage im bestehenden Wald rund 7000 Tonnen, erklärte Straußberger. Dagegen liege er auf der vorgesehenen neu angepflanzten Ersatzwaldfläche in den ersten 20 Jahren lediglich bei 1000 Tonnen. Junge Anpflanzungen würden also nur Bruchteile an Kohlenstoff-Speicherung gegenüber den bestehenden Flächen bringen. Es würde wieder Hundert Jahre dauern, bis die Ersatzflächen ähnliche Qualität erreichten. "Weiden West IV ist eines der größten geplanten Rodungsprojekte in ganz Bayern. Wälder roden geht in Zeiten des Klimawandels gar nicht,“ stellte Straußberger fest. Außerdem nannte er Tauschflächen „reine Nullnummern“ und fragte „welchen Mehrwert sollten diese bieten, wenn in Weiden 65 Hektar Wald gerodet werden?“

Wald schützt das Grundwasser

Als Schutzfunktionen des stadtnahen Waldes nannte der Waldreferent vor allem Klimaschutz, Emissionsschutz, Wasser-, Biotop- und Lärmschutz. Vor allem in Stadtnähe habe der Erhalt bestehender Wälder „oberstes Gebot“. So würden stadtnahe Wälder ganz besonders zum Grundwasserschutz beitragen. „Irgendwann wird sich die Rodung auch in der Wasserversorgung niederschlagen“. Und den Tieren, die bei einer Rodung verdrängt werden, sei mit einer Neuanpflanzung wenig geholfen.

Klimaschutz müsse vor der eigenen Haustür beginnen und nicht nur für Länder in Südamerika gefordert werden, so der Experte. Bereits zu Beginn des Vortrags wurde in einer Grafik auch darauf hingewiesen, dass der jährliche Waldzuwachs nur knapp 7 Prozent aller neu entstehenden Treibhausgase kompensieren könne. Doch selbst dies treffe aber nur zu, wenn es zu keinen weiteren „Auflichtungen“ käme, der Holzvorrat steige und aus dem Waldboden kein CO2 frei würde. Der Experte empfahl deshalb, weniger auf die CO2-Kompensation des Waldes zu setzen, sondern viel mehr den Waldbodenspeicher zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen.

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