06.09.2020 - 16:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener erinnern sich: "Der Rehmühlbach war unser Spielplatz"

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Im Sommer Planschbecken, im Winter Eislaufbahn. Vor 60 Jahren war der Rehmühlbach für Christian Gollwitzer und Walter Ebenschwanger ein Abenteuerspielplatz. Die Freunde verloren sich aus den Augen. Jetzt gab es eine Überraschung.

Der Rehmühlbach Anfang der 60er Jahre: Für Walter Ebenschwanger (rechts) und Christian Gollwitzer ein einziger Abenteuerspielplatz.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Der Rehmühlbach (in vielen Landkarten auch als Stadtbach verzeichnet) hat seine Fans. Wie des öfteren berichtet, haben vor allem die alteingesessenen Anwohner im Mooslohgebiet ein Auge auf "ihren Bach" vor der Haustür und würden ihn gerne wieder mit Wasser gefüllt sehen. Doch die meiste Zeit im Jahr liegt das schmale Bachbett trocken.

"Das war nicht immer so", meldet sich Christian Gollwitzer aus der Dr.-Steiner-Straße in der Redaktion und legt zum Beweis Fotos von planschenden Kindern vor. Die Schwarzweiß-Aufnahmen sind rund 60 Jahre alt und zeigen Gollwitzer mit Freunden. "Der Rehmühlbach war damals unser Spielplatz. Treffpunkt am Nachmittag war fast immer die Wiese am Bach", erzählt der Weidener.

Fische im Handtuch

Seine Erinnerungen sind hellwach. "Wir waren zu jeder Jahreszeit draußen und fanden rund um unseren geliebten Rehbach unendlich viele Anregungen für oft abenteuerliche Spiele. Die Erlen am Bach waren ideale Kletterbäume. Im Sommer stauten wir das Wasser an und hatten so ein provisorisches Schwimmbad. Mit Handtüchern fingen wir Fische", schmunzelt Gollwitzer.

In richtig kalten Wintern bot sich noch eine weitere Möglichkeit. "Dann fluteten wir heimlich die angrenzenden tiefer liegenden Wiesen und hatten bald eine gefrorene Eisfläche fast bis zur Schweinnaab", erinnert sich Gollwitzer. Mit an den Stiefeln festgeschraubten Schlittschuhen ("Stöckerlreißer") habe er dann bis zum Wasserradl (Stelle in Weiden-West unterhalb der Mülldeponie) fahren können. Auch Eishockey wurde gespielt. Ein paar Erlenzweige dienten als Schläger, eine leere Bärenmarke-Milchdose als Puck. "Das sorgte für etliche schmerzende Treffer an den Schienbeinen."

"Es war eine schöne Jugendzeit", sagt der 71-Jährige. Sein Nachbar Johann Schrott nickt. "Es war die Zeit, als die Joseph-Haas-Straße noch unbefestigt war und in Blickrichtung Gewerbegebiet Pfreimter Weiher noch fast kein Haus stand. Auf den Wiesen tummelten sich Rehe und Hasen. Ein großer Spielplatz", erzählt Schrott.

Zur Clique gehörte auch Gollwitzers Freund Walter Ebenschwanger. Eine Aufnahme von 1958 oder 59 zeigt sie gemeinsam beim Planschen im Rehmühlbach. "Leider haben wir uns sehr früh aus den Augen verloren. Ich weiß nur, dass er Lokführer in Weiden war. Wir hatten keinen Kontakt mehr", sagt Gollwitzer.

Wiedersehen nach 60 Jahren

Bis heute. Die Freunde trennen gerade einmal 15 Kilometer Luftlinie. Ebenschwanger wohnt in Luhe-Wildenau. Die Überraschung beim Anruf von Oberpfalz-Medien ist groß. "Den Christian? Na klar, kenn ich den noch. Wir haben manchen Unsinn gemacht in unserer Jugend", lacht er.

Beim Stichwort Rehmühlbach schwelgt auch er sofort in Erinnerungen. "Wir waren jeden Tag bis es finster wurde unterwegs", erzählt der 72-Jährige. "Mein Onkel wohnte bei den Gollwitzers zur Miete. Gemeinsam mit meinen Cousins waren wir oft zum Spielen dort. Meine Familie und ich wohnten in der Keplerstraße neben der Gambrinus-Brauerei." Gut erinnern kann er sich auch noch an das sogenannte "Flei-Bankerl" am Bach, ein Brett, auf dem Frauen knieten und ihre Wäsche im Bach wuschen. Im Sommer war es herrlich dort zu baden. "Mia ham halt den Boch a wengerl angestaut", sagt er spitzbübisch. "Eine schöne Zeit".

Gebadet wird im Stadtbach heute nicht mehr. Die Erinnerungen aber bleiben bei "den Kindern vom Hintern Rehbühl". Gollwitzer und Ebenschwanger haben sich noch viel zu erzählen und wollen ihr Wiedersehen demnächst feiern.

Biber setzt Rehmühlbach zu

Weiden in der Oberpfalz

"Wir waren jeden Tag bis es finster wurde unterwegs. Es war eine schöne Zeit"

Walter Ebenschwanger (72) spielte als Zehnjähriger oft am Rehmühlbach

Info:

Der Rehmühlbach

Der gesamte Rehmühlbach wird momentan vom Tiefbauamt unterhalten. Die Verwaltung sieht ihn als einen schützens- und erhaltenswerten innerstädtischen Grünzug.

Grundlage für weitere Beratungen ist eine beim Ingenieurbüro Zwick in Auftrag gegebene Bestandsaufnahme, den innerstädtischen, schadhaften und sehr unterhaltungsaufwendigen verrohrten Rehmühlbach aufzulassen und ihn, falls technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar, bei der Peuerlstraße in den Orthegelmühlbach abzuleiten.

Die Untersuchungsergebnisse sollen noch im Herbst 2020 vorliegen. (shl)

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