08.11.2018 - 16:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Filmgespräch mit Filmemacher Peter Haas

"Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie" bei den "Weidener Filmgesprächen"

Die beiden Dokumentarfilmer Silvia Holzinger und Peter Haas rekonstruierten in fünf Jahren Recherchearbeit eine Familiengeschichte. Gezeigt wurde der Film im Rahmen der "Weidener Filmgespräche".
von Helmut KunzProfil

"Dass mein Großvater 1942 in Buchenwald ermordet wurde, erfuhr ich als Kind. In meiner Familie gab es keine Familienfeste, keine Goldene Hochzeit, keine Einladung zum 80. Geburtstag." Die Berliner Dokumentarfilmer Peter Haas und Silvia Holzinger erzählen in 14 Kapiteln von einer turbulenten fünfjährigen Reise kreuz und quer durch Europa. Ausgerüstet mit einer Kamera wurde die eigene Familie zum Recherchefall. Der Film heißt "Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie", der nun im Mittelpunkt der Filmgespräche stand.

Beleuchtet wurde das Schicksal des Großvaters von Peter Haas, Eduard Haas. "Das Leben meines Großvaters hat nicht nur aus den drei Wochen in Buchenwald bestanden. Ich wollte ihm sein Leben symbolisch ein stückweit zurückgeben", erklärte der Filmemacher Peter Haas persönlich. Zum "Weidener Filmgespräch" hatte die Katholische Erwachsenenbildung ins Kulturzentrum Hans Bauer eingeladen.

Der Dokumentarfilmer erläuterte die Beweggründe seiner Arbeit, die 2013 vollendet wurde. Die Familie sei nie zusammengekommen, und so hätten sich er und Silvia Holzinger auf Spurensuche begeben. "Mich hat der jüdische Großvater nie ganz in Ruhe gelassen", erklärte der römisch-katholische Filmemacher, der sich selbst aber als eher nicht sehr religiös bezeichnete.

Gemeinsam besuchten sie Verwandte, Zeitzeugen und Gedenkorte und wurden mit der Gnadenlosigkeit der Archive und der Fragilität des menschlichen Erinnerns konfrontiert. Mit dokumentarischer Genauigkeit und rekonstruierender Vorstellungskraft erzählten Holzinger und Haas eine deutsche Familiengeschichte, in der die Verstörungen des gewalttätigen 20. Jahrhunderts bis heute nachwirken.

Auflage der Familie: keine öffentliche Vorführung. Es sei denn, die beiden seien selbst mit vor Ort. Weiden war der nunmehr 79. Aufführungsort. "Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie" ist ein atmosphärisches und dichtes Gewebe scheinbar unvereinbarer Positionen. Denn die wenigsten wollten sich erinnern. Ein kollektives Schweigen bis hinauf nach Schweden. "Sprachlosigkeit in der Familie". Erst die "Stolpersteinbewegung" in Trier habe die Familie geeint.

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