31.03.2021 - 16:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Gambrinus-Brauerei muss 82 Hektoliter Bier vernichten

Der dritte Corona-Lockdown macht alle Hoffnungen der Weidener Brauer zunichte. Feste und Gastronomie fallen als Abnehmer aus. 82 Hektoliter Bier fließen nicht durch die Kehle durstiger Feiernder, sondern gurgeln schäumend in den Abfluss.

Das Bier fließt in Strömen in den Gully - und den Verantwortlichen der Gambrinus-Brauerei (Geschäftsführer Steffen Hartmann und Heiner Nachtmann, von rechts) schießen die Tränen in die Augen. Brauer Jens Rittersbacher (links) arbeitet beim Entleeren der 50-Liter-Fässer beidhändig.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der 31. März 2021 wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Gambrinus-Brauerei eingehen. Kurz nach 10 Uhr beginnt Brauer Jens Rittersbacher die ersten der fast 200 Fässer zu öffnen. Er hievt sie hoch auf den Tisch, legt sie quer und lässt das Bier in den Abfluss sprudeln.

Es ist nicht die kalte Luft in der Kühlhalle, die bei Geschäftsführer Steffen Hartmann und Buchhalter Heiner Nachtmann Tränen in die Augen schießen lässt. "Unser Bier ist handwerklich gebraut, ein hochwertiges Lebens- und Genussmittel, sicherlich nicht dafür gemacht, weggeschüttet zu werden", erklärt Hartmann. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so was erleben muss."

Den Sud für diese Margen von insgesamt 82 Hektolitern setzten die Brauer Anfang November 2020 an, als noch jedermann glaubt, Corona halbwegs überwunden zu haben. Helles, Zoigl, Pils und Weizen sollten bei Vereinsfesten, bei den Weihnachtsfeiern und Faschingsfeten über den Tresen gehen. "Es hat ja Anfang November noch gut ausgesehen. Deshalb haben wir das Bier mit harter Arbeit ins Fass gebracht." Mit der Verschärfung der Corona-Schutzbestimmungen sei die Nachfrage der Gastronomen nach den 50- und 30-Liter-Fässern zusammengebrochen. "Es ist für uns als Familienbetrieb mit 29 Mitarbeitern verheerend. Wie sind auf den Absatz vor Ort angewiesen."

Mit Rücksicht auf die Mitarbeiter verzichtete Hartmann bisher auf Kurzarbeit. "Wir haben Urlaubsüberhänge abgefeiert, Anlagen und Gebäude auf Vordermann gebracht, neue Maschinen angeschafft und eingebaut, um unsere Qualität weiter zu steigern."

Hartmann meldete beim Zoll die Ausgießaktion an, um zumindest die bereits gezahlte Biersteuer erstattet zu bekommen. Obwohl seit Ende 2020 im Fass, ist das Haltbarkeitsdatum der Biere zwar noch nicht abgelaufen. Hartmann sieht aber keine Chance, das Fassbier, das 820 Kästen bzw. 55 Badewannen füllt, noch sinnvoll verwenden zu können. "Keiner stellt sich ein 50-Liter-Fass in den Keller. Wir achten auf Qualität und bieten nur frisches Bier an. Dieses Bier zu vernichten, ist ein schweres Opfer. Das wirft uns um Jahre zurück."

Anfang November gebraut, finden sich im erneuten Corona-Lockdown keine Abnehmer für Pils, Zoigl, Helles und vor allem Weizen: Insgesamt 82 Hektoliter Bier der Gambrinus-Brauerei müssen Heiner Nachtmann, Geschäftsführer Steffen Hartmann und Brauer Jens Rittersbacher (von links) "entsorgen".

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