04.02.2021 - 11:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Globetrotter gezwungen zum Daheimbleiben

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Bernd Wolff aus Weiden akzeptiert den Reisestopp. Er hofft aber, dass dem Corona-Spuk bald ein Ende gesetzt wird und er wieder hinaus kann in die große, weite Welt. Denn der Weidener reist für sein Leben gern. Er war schon in 120 Staaten.

Mit dem Fahrrad im Jahr 1992 unterwegs zu den Norwegischen Fjorden.
von Helmut KunzProfil

„Verzicht auf Auslandsreisen ist Bürgerpflicht“, machte jetzt Bundesinnenminister Horst Seehofer eine klare Ansage an alle Reisewilligen. Bernd Wolff kann mit dieser Pflicht leben, wenngleich es ihm persönlich nicht leicht fällt. Momentan zehrt der Weidener Globetrotter von seinen Erinnerungen. „Fällt mir schon schwer. Aber ich habe den riesigen Vorteil, dass ich schon überall war. Mir tun die jungen Leute leid, die gerade damit anfangen, sich, so wie ich, die Welt anzuschauen. Die aber nicht raus dürfen."

Wolff sitzt in seiner Wohnung am Hammerweg und blättert in alten Fotoalben und selbst entworfenen Reisebüchern. Zehn Stück hat er schon verfasst und darin seine Notizen, Bilder, Landkarten und Routen all die Jahre über akribisch aufgezeichnet. Der 66-jährige ist seit 50 Jahren leidenschaftlicher Globetrotter und feierte im Corona-Jahr sein Reisejubiläum. „Ich hab’s mal nachgezählt: Ich war in 120 Staaten.“ Jetzt zwingt ihn die Coronapandemie, daheim zu bleiben. Der Radius seiner Ausflüge ist überschaubar geworden.

Letzte Reise: Südtirol

Seine letzte planmäßige Reise war im Februar 2020 eine Wandertour durchs winterliche Südtirol. Unmittelbar vor Ausbruch der Pandemie. Im Mai nutzte er allerdings die Reiseöffnung und fuhr spontan mit einem Freund auf dem Motorrad für ein paar Tage nach Rügen. Eine von langer Hand geplante Schiffsreise nach Spitzbergen musste kurzerhand storniert werden.

Als OWV-Mitglied sind ihm die wöchentlichen Unternehmungen derzeit nicht möglich. Weil auch die Zoiglstubn geschlossen sind, unternimmt der Weidener trotzdem regelmäßig mit einem Kameraden Wanderungen, allerdings ohne Einkehr. Außerdem pflegt er verstärkt den telefonischen Kontakt zu Freunden aus der Globetrotter-Szene, mit denen er irgendwann irgendwo auf dem Globus unterwegs war. Auch in diesem Freundeskreis herrsche Moll-Stimmung, sagt er. „Denen geht es nicht besser als mir.“

Wolff war 14 Jahre alt, als er mit einem gleichaltrigen Kumpel von Garmisch aus zur Zugspitze radelte. Das hatte ihm gefallen, damals hatte er Blut geleckt. Schon während seiner kompletten Kindheit war der kleine Bernd mit seinem Vater, der bei der Bahn beschäftigt war, viel mit dem Zug unterwegs. Das hatte ihn geprägt. Klar, dass sein Lieblingsfach in der Schule Erdkunde wurde.

Direkt nach der Schule los

„Bei meiner ersten Auslandsreise, die ich allein unternahm, war ich 16.“ Das war nach dem Realschulabschluss. Viele Mitschüler hatten sich um Ferienjobs bemüht. Nicht Wolff. Der reiste 1970 lieber mit der Eisenbahn für zehn Tage nach England und übernachtete auf der Insel in Jugendherbergen. „Mein Schulenglisch war gut."

Nach der Rückkehr begann Wolff eine Ausbildung als Beamter bei der Bahn. Das berechtigte ihn schon nach wenigen Jahren mit Freifahrtscheinen ins Ausland zu reisen. Von da an ging es richtig los. „20 Jahre lang fuhr ich mit den unterschiedlichsten Kollegen durch ganz Europa.“ Immer im Liegewagen. Egal ob Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Schottland oder Schweden: „Ich war am Nordkap und auf Gibraltar.“ Enge Kontakte zu diesen Kollegen aus jener Zeit bestünden immer noch, sagt er. „Wenn wir uns treffen, schwelgen wir in Erinnerungen. Schön war’s.“

20 Jahre lang Fahrrad und Bahn

„1984 fing ich an, mit dem Fahrrad zu verreisen. Das begann mit einer Radl-Zelt-Tour von Weiden nach Venedig in dreieinhalb Tagen. Das hat mir so gefallen, dass ich immer weiter weg musste.“ Eine Leidenschaft, die in damals packte und die er 20 Jahre lang pflegte. Immer hin mit dem Rad und zurück mit der Bahn. Jahrelanger Side-Radler war und ist immer noch NT-Berichterstatter Ernst Frischholz. Gemeinsame Ziele der beiden: Genua, Mallorca, Litauen, Budapest, Ukraine. Mit dem Flugzeug später Ziele in den USA oder Tansania.

Wolff hatte Glück, dass er aufgrund der Bahnreform und Privatisierung sowie der Schließung der Güterabfertigung in Weiden nach einem vierjährigen Versetzungsmarathon durch ganz Bayern frühzeitig pensioniert wurde. Jetzt hatte er unbeschränkt Zeit, sich seine Träume zu erfüllen. „Jetzt waren die Tore weit offen, wenngleich ich auch schon während meiner aktiven Dienstzeit jeden Urlaubstag zum Reisen genutzt hatte.“

20.000 Kilometer geradelt

20.000 Kilometer war er in 20 Jahren mit dem Rad auf Tour. 2003 begann er mit Fernwanderreisen. Das waren weitere 3500 Kilometer. Wolff führte immer Buch. In einem Büchlein hat er Bilder all der Flaggen eingeklebt, deren Nationen er bereiste. „Ich war immer mit Begleitern unterwegs.“ Das waren Spezln fürs Radeln, fürs Wandern und fürs Motorradfahren. Ob er individuell, mit dem Rotel-Tours-Bus oder pauschal unterwegs war, war ihm eigentlich egal. „Es kommt nur auf das Reiseziel an, das man erreichen will." Pannen unterwegs seien normal, erzählt Wolff. Meist waren es Schäden am Fahrrad, wie Platten, "Achter" und Speichenbrüche.

Wolff radelte von Istanbul nach Izmir und Pamukkale bis hoch zum Schwarzen Meer, zeltete in Botswana, bestieg den Kilimandscharo, radelte zu den Norwegischen Fjorden, wanderte auf dem Jakobsweg, unternahm eine abenteuerliche Bustour von Santiago de Chile bis Feuerland, besuchte die Indianer am Amazonas, überquerte Anden und Alpen. Er radelte durch Sri Lanka, begleitete die Donau auf ihrem Weg von der Quelle bis nach Budapest, entdeckte auf dem Motorrad den Südwesten der USA und lernte in Katmandu neue Freunde aus München kennen mit denen er im Jahr darauf als Rucksacktourist Thailand, Myanmar, Kambodscha und Laos hautnah erlebte. "Diese Art des Reisens hat mir am besten gefallen."

Auf all seinen vielen Touren hat Wolff nur gute Erfahrungen mit den Menschen gemacht. „Die Leute waren immer alle sehr nett und hilfsbereit." Natürlich ziehe es ihn wieder hinaus in die weite Welt. Er akzeptiere, dass ihm die Pandemie ein unbeschwertes Reisen im Augenblick unmöglich macht. Trotzdem sitzt er auf gepackten Koffern, flüchtet sich in seine Tagträume und hofft nun, dass endlich mit dem Impfen begonnen und dem Corona-Spuk ein Ende gesetzt wird. "Schließlich will ich ja baldmöglichst meine ausgefallene Reise nach Spitzbergen antreten."

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