16.06.2021 - 17:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Imam erklärt: Darum tun sich Muslime mit Beerdigungen in Särgen so schwer

Eine Bestattung ohne Sarg: Das ist seit Kurzem in Bayern möglich. Was das insbesondere für muslimische Mitbürger bedeutet, erklärt Imam Maher Khedr.

Imam Maher Khedr aus Weiden ist begeistert von der neuen Regelung.
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Menschen in Bayern können sich seit Anfang April unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Sarg beerdigen lassen. Dadurch sollen insbesondere Bestattungen nach muslimischem Ritus in einem Leinentuch möglich sein. Obwohl die Friedhofsverwaltungen noch einiges regeln müssen, ist Imam Maher Khedr aus Weiden begeistert. „Es ist ein Schritt Richtung Freiheit und Demokratie.“ Er sagt, dass einige Familien hohe Kosten auf sich nehmen, damit beispielsweise der Opa eine traditionelle Beerdigung bekommt. Dafür fliegen die Familien mit den Verstorbenen meist viele Kilometer zurück in ihr Heimatland, so Khedr. Er hofft den Verstorbenen bald auch in Deutschland den Wunsch einer traditionellen Beerdigung erfüllen zu können.

Konzept für sarglose Bestattungen

Um diesen Wunsch zu ermöglichen, ist der Imam momentan in engem Kontakt mit der Stadt Weiden und den Bestattern. Gemeinsam wollen sie ein genaues Konzept für eine sarglose Bestattung entwerfen. „Es geht darum, was zugelassen wird: Beispielsweise geht es um die Frage, ob die Verstorbenen mit der Hand getragen oder ob sie im Sarg bis zum Grab gebracht werden.“ Als Konzept schlägt Khedr vor, den Verstorbenen im Sarg bis zum Grab zu bringen und ihn dort ohne Sarg mittels einer Hebevorrichtung herunterzulassen. Hierbei denkt er an spezielle Griffe, die am Baumwolltuch angenäht sein sollen. Für die Bestatter plant der Imam Schulungen, sodass diese genau wissen, wie Bestattungen ohne Sarg abzulaufen haben. Bestatterin Ellen Procher aus Weiden glaubt, dass Bestattungen ohne Sarg gut machbar sind. Sie sagt, dass in München Probebeerdigungen mit Dummys durchgeführt worden seien. Dies hält sie in Weiden nicht für nötig. „Die Muslime machen alles selbst, die können das schon. Die machen das so wie in ihrer Heimat nach ihrem Ritus.“

Wie laufen muslimische Bestattungen ab?

Imam Khedr erklärt, wie muslimische Bestattungen ablaufen: Zunächst einmal sei es wichtig, dass der Kopf des Verstorbenen nach Osten (Richtung Mekka) ausgerichtet ist. Dies sei beispielsweise auf dem Waldfriedhof in Weiden möglich, so der Imam. Wenn jemand verstirbt, erfolgt erst einmal eine rituelle Reinigung des Leichnams. Die Reinigung des Körpers erfolgt mehrfach nach einer bestimmten Reihenfolge: Erste die Hände bis zum Handgelenk, dann der Mund, die Nasenlöcher, das Gesicht, daraufhin weiter die Hände bis zu den Ellbogen und der Kopf von den Haaren bis zum Hals, danach der Rest vom Körper mit der rechten Seite beginnend. Nach der Waschung folgt die Salbung des Leichnams. Als Nächstes, sagt Imam Khedr, kommt der Verstorbene in ein weißes Baumwolltuch. An Kopf und Füßen ist das Tuch zusammengeknotet. Die Umrisse des Körpers sind dadurch erkennbar. „Männer sind dreifach und Frauen drei- bis fünffach in das Tuch eingewickelt.“ Er glaubt, es kann noch zwei Jahre dauern, bis die Gesellschaft sich in Deutschland an die Umrisse des Toten bei der Beerdigung gewöhnt. Anschließend folgt ein Totengebet, „dann kommt der Verstorbene auf die letzte Reise.“ Traditionell tragen vier Männer den Verstorbenen zum Grab. Einer der Männer steigt dann mit dem Toten hinab und richtet diesen leicht rechtsseitig Richtung Mekka aus. Wie genau Letzteres in Bayern durchführbar ist, müssen die jeweiligen Friedhofsträger noch ausarbeiten. Dabei gehe es um Versicherungsgründe, so Khedr.

Für wen gilt die Lockerung der Sargpflicht?

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.