12.07.2021 - 11:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Musiklehrer rät von Billigschlagzeugen aus Asien ab

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Die Botschaft von Youbi Deinas aus Weiden ist eindeutig: Wer sich ein Schlagzeug zulegen möchte, sollte keinen Schrott kaufen. Mit Schrott meint er Billigware aus Asien. Stattdessen rät er zu einem gebrauchten Instrument.

Schlagzeug ist nicht gleich Schlagzeug. Youbi Deinas aus Weiden setzt auch in der Musikbranche auf Nachhaltigkeit.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Mir blutet das Herz, wenn Eltern freudestrahlend vor mir stehen und erzählen, was für ein Schnäppchen sie beim Schlagzeugkauf gemacht haben", erzählt Youbi Deinas. Mit dieser Situation wird der Schlagzeuglehrer und Musikproduzent in all den Jahren, in denen er Musikschüler unterrichtet, immer wieder einmal konfrontiert. Eltern meinten oft, für den Anfang würde es die Billigvariante auch tun. "Doch ein billig produziertes Schlagzeug klingt einfach schlecht und frustriert die Schüler", sagte Deinas. Nicht selten landet so ein Fehlkauf auf dem Müll. "Das ist unnötige Ressourcenverschwendung."

"Ein Leben lang"

Bei all den Billigmarken ginge es gar nicht um Klang und Qualität, sondern nur um Gewinnoptimierung, ärgert sich der Musiker. Dabei ließe sich das Problem mit dem Kauf eines gebrauchten Schlagzeugs so einfach lösen. "Ein gutes Schlagzeug hält ein Leben lang", weiß Deinas. Und wenn es nicht mehr gebraucht wird, lässt es sich meist fürs gleiche Geld weiterverkaufen.

Das ist bei einem Schlagzeug wichtig

Erst vor kurzem hat Youbi Deinas ein Schlagzeug "gerettet", wie er sagt. Aus einem Trödelladen in der Christian-Seltmann-Straße in Weiden. Die einzelnen Kessel stehen übereinander gestapelt in der Ecke in seiner Pop Rock Schule. Das Instrument scheint seine besten Tage längst hinter sich gelassen zu haben. Die Spannreifen sind mit Rost und Schmutz überzogen. Der erste Eindruck täuscht. Einen der Kessel hat Deinas bereits wieder auf Vordermann gebracht, in dem er die Teile auseinander geschraubt und sauber gemacht hat. Der Unterschied ist unverkennbar, die Trommel glänzt wie neu.

Die inneren Werte zählen

Doch eigentlich geht es dem Schlagzeuglehrer und Musikproduzenten gar nicht ums Aussehen. Wie bei so vielen Dingen im Leben zählen die inneren Werte, auch bei einem Schlagzeug und vergleicht es mit einer Geige von Stradivari, deren Geheimnis zum Teil auch in gutem Holz liegt. Ein billiges Instrument besteht oft aus Sperrholz. "Das kann nicht gut klingen, wenn der Kleberanteil höher als der Holzanteil ist", erklärt Deinas. Sein Schlagzeug in der Musikschule stammt von 1963.

"Das sieht man ihm nicht an", sagt der Schlagzeuglehrer. Vor Jahren stieß er über eine Anzeige auf das Instrument, das auf einem Dachboden stand. Es sei es in einem furchtbaren Zustand gewesen. "Es waren sogar die Mäuse drin", erinnert er sich. Als Fachmann habe er jedoch gleich bemerkt, dass es sich um Qualität handelt. Die einzelnen Kessel sind aus einer Mischung aus Mahagoni und einem anderen Holz. "Vermutlich aus einer asiatischen Ahornart." Ein weiteres Schlagzeug, Baujahr 1967, hat er einem Mann abgekauft, der damit viele Jahre in einer Tanzkapelle gespielt hat.

Hochwertiges ab 600 Euro

Billigschlagezeuge können zwischen 100 und 300 Euro kosten, ein hochwertiges Instrument gibt ab 600 Euro - nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer stattdessen ein gutes gebrauchtes Schlagzeug kaufen möchte, muss zwischen 300 und 600 Euro ausgeben. Eines, das alles mitmacht - vom Proberaum bis hin zur Bühne - liegt bei 600 bis 1000 Euro. Eltern, die ihren Kindern ein Schlagzeug kaufen wollen, rät er deshalb, sich vor einem Kauf kundig zu machen. Deinas schwärmt von einem Sonor Teardrop ("handgemacht in den 60er und 70er Jahren") oder von Marken wie Pearl, Yamaha, Mapex, DW oder Tama.

Für die Sticks gilt das Selbe. "No-Name-Sticks aus weichem Holz gehen sofort kaputt, die sind nach einer Woche durch", weiß Youbi Deinas. Gute Sticks aus Eiche oder Ahorn gibt es paarweise zu kaufen und halten ewig.

Nachtleben bleibt weiter auf der Strecke

Weiden in der Oberpfalz
Der kleine, aber feine Unterschied: Der Kessel links ist bereits gereinigt und wieder hergerichtet worden. Rechts sieht man noch den Rost und die Verschmutzungen am Spannreifen.

 

 

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