19.02.2020 - 10:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Stadtratskandidaten in der Statistik: Immer zahlreicher, immer älter – und sehr männlich

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Bei der Stadtratswahl 2020 haben die Weidener so viel Wahl wie nie zuvor. 263 Kandidaten auf 9 Listen – das sind 61 Bewerber und 3 Listen mehr als vor sechs Jahren. Was verbirgt sich hinter den Zahlen?

Die 17-köpfige Liste der Linken ist die im Schnitt jüngste mit Abstand. Am anderen Ende dieser Statistik hat der durchschnittliche Freie Wähler rund 26 Jährchen mehr auf dem Buckel. Und ist immer noch ein bisschen jünger als ein aktueller Stadtrat.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Wie groß ist die Chance, in den Weidener Stadtrat zu kommen? Rein rechnerisch: 15,2 Prozent. Nur fast jeder siebte Kandidat darf also am Abend des 15. März seinen Einzug ins Gremium bejubeln. Und für Neulinge wird's doppelt schwer. Nicht nur, dass sie so viel Konkurrenz haben wie nie zuvor. Hinzu kommt, dass nur drei altgediente Räte ihren Platz freiwillig räumen. Wie sieht er nun aus, der typische Kandidat 2020? Er ist knapp 48 Jahre alt, männlich und von Beruf Arbeiter oder Angestellter. Was die Statistik im einzelnen verrät:

  • Berufe

Keine Überraschung: Die meisten Kandidaten – 113 – sind wieder Arbeiter und Angestellte, prozentual am stärksten vertreten bei den Linken (65 Prozent). Die haben übrigens auch den größten Anteil an Schüler und Studenten: Gleich 6 auf ihrer 17-köpfigen Liste drücken Schul- und Uni-Bank. Insgesamt treten 15 Schüler und Studenten an – 5,7 Prozent aller Bewerber. Von der anderen Seite des Pults gesellen sich 16 Lehrer auf die Listen. Dazu kommen fast ebenso viele Ärzte (17) und, zum Beispiel, 5 Gastronome. Quer durch die Listen finden sich ingesamt 81 Unternehmer und Selbstständige (Spitzenreiter: die Bürgerliste mit 24), 25 Beamte (Spitzenreiter: die CSU mit 8), 22 Rentner und Pensionisten sowie 6 Hausfrauen. "Exot" ist Felix Grillmayer von Platz 9 der FW-Liste – der einzige Bewerber, der ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet.

  • Frauenanteil:

Der lässt wieder mal zu wünschen übrig. Nur 78 der 263 Bewerber sind "-innen". Macht 30 Prozent. Immer noch besser als die Frauenquote im aktuellen Gremium, die gerade mal 20 Prozent beträgt. Auf den Kandidatenlisten ist lediglich bei den Grünen das weibliche Geschlecht auch zahlenmäßig das stärkere – mit 20 Bewerberinnen von insgesamt 38. Dazu sind sie die einzigen mit einer Spitzen- und OB-Kandidatin (Sonja Schuhmacher). Die ÖDP schafft immerhin einen Patt zwischen Männern und Frauen. Männliche Dominanz zeigt sich dagegen besonders bei der Bürgerliste (4 Frauen unter 40 Kandidaten), der CSU (8 von 40) und der Linken (3 von 17). Der berühmte SPD-"Reißverschluss" funktioniert diesmal bis Platz 30. 15 Bewerberinnen wechseln sich bis dahin mit männlichen Parteifreunden ab, bis die in der Folge das Werk allein vollenden.

  • Altersdurchschnitt:

Otto Normalkandidat wird immer älter. Mit fast 48 Jahren bringt er schon reichlich Lebenserfahrung mit – so viel beträgt der Altersdurchschnitt aller Kandidaten. Zum Vergleich: 47,5 waren's 2008, gar nur knapp 44 im Jahr 2002. Falls sich die 48 Jahre bei der Wahl durchsetzen, würde das den sehr reifen Weidener Stadtrat (Durchschnittsalter knapp 58 Jahre) dennoch deutlich verjüngen. Überraschung: Mit einem Altersschnitt von 54,84 Jahren stellt die Trend-Partei der Grünen bei weitem nicht die jüngste Liste. Viel frischer kommen Linke (31,2), FDP (42,9) und ÖDP (43,83) daher. Im Mittelfeld bewegen sich CSU (47,9), SPD (48,1) und Bürgerliste (49,22). Und Freie Wähler (57,4) und AfD (53,3) haben den 50. im Schnitt doch deutlich überschritten.

  • Die ältesten Kandidaten

Eben für die FW steigen dann auch zwei der ältesten Kandidaten in den Ring: Wolfgang Roy (Listenplatz 15) mit 85 und Karl-Heinz Sparrer (Platz 30) mit 80 Jahren. Für die AfD tritt der 82-jährige Bezirksrat Karl Schmid an. Übrigens: Der Neunkirchener Roy war bereits 2008 der älteste Stadtratskandidat – damals noch mit 72 Lenzen. Mittlerweile gibt es jede Menge Bewerber im achten Lebensjahrzehnt – darunter die amtierenden Stadträte Reinhold Wildenauer (74, FDP) sowie Alois Lukas (74, CSU) und Hans Sperrer (72, CSU).

  • Die jüngsten Kandidaten

Zarte 19 sind oder werden sie in diesem Jahr: Korbinian Kunz und Noel Marner (beide FDP) sowie Lilli Bauer und Constantin Skrzydlo (beide Die Linke) schnuppern in die Lokalpolitik rein. Wirklich aussichtsreich platziert auf ihren Listen ist keiner von ihnen.

  • Die Amtierenden

Von sich aus haben die Parteien nicht die Zeichen auf Generationswechsel gestellt – das müsste dann schon der Wähler erledigen. Nur drei amtierende Stadträte scheiden freiwillig aus: Veit Wagner (Grüne), mit 74 Jahren das älteste Gremiumsmitglied, sowie die Genossen Josef Gebhardt und Alois Schinabeck. Dazu natürlich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Die Gegenrechnung: 37 Arrivierte treten wieder an: Je 14 für SPD und CSU, 7 für Bürgerliste bzw. FDP und Freie Wähler sowie 2 für die Grünen. Auf den Listen nehmen sie durch die Bank vordere Plätze ein – am schlechtesten platziert sind Karl-Heinz Schell (SPD, Platz 17) und Hans Forster (CSU, 16). Comebacks wollen die vormaligen Stadträte Gerd Demleitner (CSU), Ralf Möhrle (SPD) und Silvia Heining-Kruz (Bürgerliste) feiern.

  • Bestplatzierte Neulinge:

CSU und FDP kürten diesmal echte Weidener Stadtratsnovizen zu Spitzenkandidaten – wobei es sich natürlich weder bei Benjamin Zeitler (Stadtrat Plößberg, Kreistag Tirschenreuth) noch bei Christoph Skutella (Landtagsabgeordneter) um Politik-Grünschnäbel handelt. Aussichtsreiche Plätze von den bestehenden Stadtratsparteien bekamen zudem unter anderem Maria Sponsel (CSU, Platz 10), Falk Ponsold (Grüne, Platz 2) und Bernhard Schlicht (Freie Wähler, Platz 2). Bei der SPD taucht das erste neue Gesicht erst auf Platz 12 auf: Andrea Glaubitz.

Frauenquote:

Grüne mit 53 Prozent auf Platz 1

Insgesamt 78 der 263 Stadtratskandidaten sind weiblich. Das entspricht einer Quote von knapp 30 Prozent. Hier der Frauenanteil auf den einzelnen Listen:

    1. B90/ Die Grünen: 20 Frauen unter 38 Bewerbern (53 Prozent)

    2. ÖDP: 6 Frauen unter 12 Bewerbern (50 Prozent)

    3. SPD: 15 Frauen unter 40 Bewerbern (37,5 Prozent)

    4. AfD: 4 Frauen unter 11 Bewerbern (36,4 Prozent)

    5. Freie Wähler: 11 Frauen unter 35 Bewerbern (31,4 Prozent)

    6. FDP: 7 Frauen unter 30 Bewerbern (23,3 Prozent)

    7. CSU: 8 Frauen unter 40 Bewerbern (20 Prozent)

    8. Die Linke: 3 Frauen unter 17 Bewerbern (17,6 Prozent)

    9. Bürgerliste: 4 Frauen unter 40 Bewerbern (10 Prozent)

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