25.09.2020 - 10:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiterbildung ein zähes Geschäft

Durch Digitalisierung werden viele Arbeitsplätze radikal verändert werden. Doch mit Weiterbildung zu reagieren, fällt vielen noch schwer. Das stellt die Weidener Arbeitsagentur fest.

Die Abgeordneten (stehend von links) Uli Grötsch, Annette Karl und Christoph Skutella sprechen mit Vertretern von Arbeitsagentur Weiden und Jobcenter Weiden-Neustadt (sitzend von links) Bereichsleiterin Claudia Wildenauer-Fischer, Jobcenter-Geschäftsführer Peter Witt und Arbeitsagenturvorsitzender Thomas Würdinger.
von Siegfried BühnerProfil

Landtagsabgeordnete Annette Karl löste die Diskussion aus: „Wie sieht es eigentlich mit der Weiterbildung während der Kurzarbeit aus?“ Zusammen mit ihrem FDP-Abgeordnetenkollegen Christoph Skutella und SPD-Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch besuchte die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Arbeitsagentur und Jobcenter. Vorrangig wollten die drei Abgeordneten sich über die Arbeitsmarktlage in der Corona-Zeit und zusätzlichen Hilfsmaßnahmen informieren.

Dazu hörten sie von Arbeitsagenturvorsitzender Thomas Würdinger viel Positives über die aktuelle Entwicklung im Arbeitsagentur Weiden. Rasch kamen die Gesprächspartner auf das Thema berufliche Weiterbildung der beschäftigten Arbeitnehmer. Und dazu stellte Würdinger generell fest: „Berufliche Weiterbildung von Arbeitnehmern in Produktionsbetrieben ist ein sehr zähes Geschäft.“ Oft mangele es an der dazu erforderlichen Bereitschaft der Arbeitnehmer, oft aber auch an der mangelnden Freistellungserlaubnis seitens des Betriebes, berichtete Würdinger. Die Betriebe sollten deutlicher erkennen, dass nach wie vor die dringend benötigten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nicht verfügbar seien und der Bedarf mit flexiblen Lösungen befriedigt werden muss. Außerdem erfordere die zunehmende Digitalisierung vieler Unternehmensprozesse zwingend die Anpassungsqualifizierung der vorhandenen Arbeitnehmer, um Freisetzungen zu verhindern. Gelöst werden können diese Probleme von den Betrieben nur durch eine stärkere Ausschöpfung des vorhandenen Qualifikationspotentials der eigenen Beschäftigten.

Die Arbeitsagentur will ihre Bemühungen, Betriebe verstärkt für diesen Gedanken zu gewinnen, ab sofort weiter ausbauen. So werde derzeit ein zusätzlicher Beratungsdienst aufgebaut, der den Betrieben und ihren Arbeitnehmern helfe, die Anpassung an die bevorstehenden Umstrukturierungsprozesse durch Qualifikationsangebote zu bewältigen. Gerade jetzt, in Zeiten hoher Kurzarbeiterzahlen, sollte diese Chance nicht verpasst werden. Für Würdinger ist es dabei aber auch erforderlich, passende, auf den Einzelbetrieb zugeschnittene Bildungsangebote zu entwickeln. Hier sieht Würdinger auch die Bildungsträger besonders stark herausgefordert.

An die Adresse der Politik formulierte der Arbeitsagenturchef auch die Anregung, über ein persönliches Bildungsbudget für jeden Arbeitnehmer nachzudenken. Bei Grötsch stieß diese Anregung auf offene Ohren. „Wir reden schon lange über einen lebenslangen Rechtsanspruch auf Weiterbildung.“ Weitere Themen betrafen die Arbeit von Arbeitsagentur und Jobcenter in der Corona-Zeit sowie Wünsche der Arbeitsverwaltung an die politischen Entscheidungsträger. Schwierig sei es für die Berufsberater in Anbetracht der Schulschließungen über Monate hinweg gewesen, die Jugendlichen zu erreichen, berichtete Würdinger. Er erwartet erst im kommenden Jahr die Folgen fehlender Berufsorientierungsmaßnahmen.

Vorrang hatte laut Würinger immer die Sicherung der Leistungsgewährung. Und laut Jobcenter-Geschäftsführer Peter Witt konnten dezentrale Service-Hotline viele Präsenzgespräche in den Jobcenter-Räumen ersetzen. Auch hätte die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Tirschenreuth zur Entlastung beigetragen. Alle drei Abgeordneten lobten Arbeitsagentur und Jobcenter für die in der Coronazeit geleistete Arbeit.

Berufsausbildung mit 56 Jahren

Eschenbach
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