05.12.2021 - 11:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wenige Weihnachtsbuden statt Weidener Christkindlmarkt

Den Christkindlmarkt darf es nicht geben. Ein paar verstreute Hütten in der Fußgängerzone schon, dazu Eisbahn und Karussell. Ein kleines Trostpflaster. Viele zeigen ihm jedoch die kalte Schulter.

Der Christkindlmarktersatz kann die Umsatzeinbußen nicht ausgleichen. Aber die Schausteller freuen sich trotzdem über die Erlaubnis, ihre Buden aufstellen zu dürfen.
von Helmut KunzProfil

„Wir sind zufrieden", meint sie. Katja Kollmann betreibt in diesen Wochen am Josef-Witt-Platz eine Spezialitätenbude für Lebkuchen- und Süßigkeiten. Dass der Christkindlmarkt heuer ausfällt, schade ihrem Jahresumsatz schon gewaltig, sagt sie. „Darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Der Christkindlmarkt ist unser Hauptgeschäft.“ Normalerweise hätte Kollmann ihre Glühweinpyramide beim Alten Rathaus aufgestellt. Auch Halbe-Meter-Bratwürste würde sie dort verkaufen. Doch sämtliche Weihnachtsmärkte im Freistaat sind wegen der Pandemie untersagt.

Für ihre Glühweinpyramide hat Katja Kollmann mittlerweile einen Alternativstandplatz gefunden: Seit Freitag steht die Hütte vor dem „Hemingway“ in der Regensburger Straße. Mit Stehtischen, Straßenverkauf und "allem Drum und Dran.“ Eine Eisstockbahn sei derzeit im Aufbau, sagt sie. Kollmann betreibt zudem die Schlittschuhbahn am Oberen Markt. Die Resonanz sei mäßig, was auch Beobachter bestätigen. Die Eigentümerin führt das auf die aktuelle 2G-plus-Regel zurück, die für Erwachsene gilt. Normalerweise würden nämlich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern auf Kufen übers Polyestereis düsen. "Das können sie aber nicht, weil es in der kompletten Innenstadt keine Möglichkeit gibt, sich testen zu lassen. Ich hab's selber schon versucht. Es ist wirklich schwierig."

Wenig los in der Innenstadt

„In der Stadt ist wenig los“, bedauert auch Elke Blum. Ihr Kinderkarussell am Unteren Markt dreht sich am Samstagvormittag zwar wie geschmiert. Aber es gebe kaum Frequenz, sagt sie. Vor allem an den Vormittagen nicht. "Man merkt, dass dann weniger Leute unterwegs sind." An den Samstagen kämen sie dann doch zum Bummeln und Einkaufen. Gut laufe das Karussellgeschäft jetzt vor allem an den späten Nachmittagen, wenn am Alten Rathaus die "Fensterln" geöffnet würden.

Dass der Christkindlmarkt ausfällt, findet sie natürlich schade. „Eigentlich sollte der Christkindlmarkt ja mit 2G organisiert werden. Aber die Regierung hat Nein gesagt." Was man akzeptieren müsse und was durchaus verständlich sei, weil die Krankenhäuser am Limit arbeiteten. „Jeder muss seinen Beitrag zum Infektionsschutz leisten. Auch wenn es für uns Schausteller schon ziemlich hart ist." Das zweite Jahr in Folge gibt es nun keinen Glühweinstand der Familie Blum. "Im Grunde ist das ein Berufsverbot." Natürlich hätten die Blums, wie andere Schausteller auch, staatliche Hilfen erhalten. Aber die Umsatzeinbußen hätten die nicht ausgeglichen. Die Ware sei ja bereits eingekauft gewesen. „Lange halten wir das nicht mehr durch."

50 Prozent Einbußen

"Die Geschäfte laufen wie die Leute...", antwortet Gerhard Donhauser vielsagend. Kämen die Weidener in die Fußgängerzone, werde auch gekauft. "Während der Woche ist wenig los. Da gehen alle in die Supermärkte." Am Samstag kann er sich aber nicht beklagen. Sein Angebot: Krippenfiguren und Christbaumkugeln. "Freilich ist die momentane Situation kein Ersatz für den ausgefallenen Christkindlmarkt." Das spüre er am Umsatz. Donhauser rechnet mit Einbußen in Höhe von 50 Prozent. "Aber wir sind froh, dass wir das hier überhaupt haben."

Ähnlich betrachtet Daniela Margraf die aktuelle Lage. Bei ihr gibt es Zuckerwatte, Zimtsterne und anderes Weihnachtsgebäck in Hülle und Fülle. "Heute am Samstag sind die Leute da, aber ansonsten ist's sehr mau." Auch sie mache rund die Hälfte weniger Umsatz, als an normalen Christkindlmarkt-Tagen. "Viele Leute fragen nach Glühwein. Aber leider dürfen wir keinen ausschenken", bedauert sie. "Es ist eben kein normaler Weihnachtsmarkt. Aber wir sind froh, dass wir das so machen dürfen und dass die Stadt uns das genehmigt. Da sind wir sehr dankbar."

Die Eisbahn am Oberen Markt startet

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Zwei Absagen an einem Tag

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Hintergrund:

Der abgesagte Christkindlmarkt

  • Eigentlich angesetzt von Donnerstag, 25.November, bis Donnerstag, 23. Dezember
  • 17 Beschicker wollten am Oberen und am Unteren Markt ihre Angebote präsentieren
  • Am 19. November verkündet Ministerpräsident Markus Söder das Aus für alle Weihnachtsmärkte im Freistaat. Nahezu gleichzeitig sagt die Stadt den Kathreinmarkt am 21. November ab
  • Wie im Vorjahr erlaubt die Stadt einigen Beschickern den Betrieb per Sondernutzung
  • Beim Alten Rathaus gibt es Eisbahn und Karussell, zwischen Witt-Platz und Unterem Markt einige Buden

 

 

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