18.05.2021 - 17:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weniger Spielplätze in Weiden – und dafür bessere?

55 Kinderspielplätze gibt es in Weiden. Nicht jeder ist topmodern und super attraktiv, nicht auf jedem tobt das Leben. Kann sich die Stadt einige Anlagen sparen, um andere aufzuwerten?

Sorgenkind Spielplatz: Die Anlage am Entenbühl in Weiden-Ost wird derzeit hergerichtet. Ob sich’s aber auch lohnt? Die Besucher werden immer weniger. Die Spielgeräte auch.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Sie sind immer da, scheinbar eine alltägliche Selbstverständlichkeit, kaum der Rede wert. Und trotzdem für junge Familien viel wichtiger als Einrichtungen wie die Thermenwelt oder das Eisstadion. Insbesondere in Coronazeiten. Denn gerade da ist der Kinderspielplatz an der nächsten Ecke oft die einzige Zufluchtmöglichkeit aus den zu eng gewordenen eigenen vier Wänden. Gut, dass es in Weiden nicht an Spielplätzen mangelt. Nicht weniger als 55 Anlagen gibt es in der Stadt. Deren Qualität allerdings ist schon mal höchst unterschiedlich. Und beileibe nicht jeder steht bei den kleinen Besuchern und ihren Eltern hoch im Kurs.

Beispiel Entenbühl-Spielplatz. Ein Negativ-Beispiel, denn er werde immer spärlicher genutzt, hat Laura Weber, selbst Mutter, beobachtet. Die Spielgeräte seien veraltet, würden nach und nach abgebaut, aber nicht ersetzt. Die Anlage im Weidener Osten "wirkt mittlerweile regelrecht verwahrlost", stellt sie fest. Die Stadträtin (Grün.Bunt.Weiden) vermutet einen Teufelskreis: Je mehr die Attraktivität sinkt, desto weniger Besucher kommen – desto mehr sinkt die Qualität. Laut Stadt ist der Bedarf des Entenbühl-Spielplatzes unklar. Dennoch werde er saniert, um die Verkehrssicherheit zu erhalten. Weber vermisst ein durchdachtes Konzept: Wo besteht überhaupt der Bedarf für einen gut ausgestatteten Spielplatz? Welcher lohnt den Aufwand einer Sanierung oder besseren Ausstattung? Wo ist ein veralteter überflüssig? Reichen die Öffnungszeiten aus?

Diskussionen über die Anlage im Max-Reger-Park

Weiden in der Oberpfalz

Fragen, die Laura Weber im Namen ihrer Ausschussgemeinschaft in einen Stadtratsantrag goss. Tatsächlich ist es lange her, dass die Stadt nach Antworten forschen ließ. Ein Gutachten zur Ausstattung der einzelnen Stadtteile mit Spielplätzen datiert von 2008. Fünf Jahre später prüfte die Stadt konkret 20 Spielplätze und Grünanlagen darauf, ob und wie sie noch genutzt werden. Die Ergebnisse haben wohl kaum noch Aussagekraft: Auch die Besucher-Generation von 2013 dürfte mittlerweile längst dem Spielplatz-Alter entwachsen sein. "Beide Untersuchungen bedürfen zwischenzeitlich einer Überprüfung hinsichtlich ihrer Aktualität", räumt dann auch die Stadt im Vorlagebericht ein. "Außerdem wurde darin keine Zielsetzung zur Priorisierung der Instandhaltung der Spielplätze formuliert."

"Priorität auf schnelles Umsetzen"

Allzu lange dürfe man sich damit nicht Zeit lassen, warnt Roland Richter. Für den SPD-Fraktionschef sind Spielplätze "ganz wichtige Einrichtungen für die soziale Infrastruktur, das zieht Leute". Viele Anlagen stammten jedoch aus den "60er, 70er, 80er Jahren". Sie müssten schnellstens neu hergerichtet werden, damit die, die sich über ihren Zustand beklagen, sie auch noch nutzen könnten, betont Richter in der Stadtratssitzung am Montag. Dass ein Ausbau des Spielplatzes Hofackerstraße (Neunkirchen) ins städtebauliche Entwicklungskonzept eingebettet werden soll, gefällt ihm nicht. Das koste zu viel Zeit. "Wir müssen die Priorität auf schnelles Umsetzen legen."

Vor teurem Aktionismus warnt Benjamin Zeitler (CSU) – zumal die Stadt bereits "Hunderttausende" in Anlagen für Kinder und Jugendliche investiere. "Die Zeit der Wunschkonzerte ist vorbei." In ein falsches Licht gerückt sieht Heiner Vierling (CSU) die Weidener Spielplätze. "Sie sind nicht so schlecht, wie sie jetzt dargestellt werden." Die Mitarbeiter von Stadtgärtnerei und Bauhof engagierten sich dafür nach Kräften. "Aber die, die draußen arbeiten, sind immer weniger. Auch da wird Personal eingespart." An anderer Stelle fehle es nicht an Geld, merkt Gisela Helgath (DÖW) an – und verweist auf die Millionenkosten für die "Plastikrasenplätze" der SpVgg SV.

Musterbeispiel Tännesberg

Mit Blick auf den umgestalteten Spielplatz im Max-Reger-Park bedauert Florian Graf (SPD): "Offenbar tun wir uns schwer, Geld für Kinder auszugeben." Spielplätze, die gut frequentiert würden, sollten gezielt aufgewertet werden, fordert der Sozialpädagoge. Fast neidvoll blickt er in den Landkreis: "Wir haben viele Spielplätze. Aber so einen wie in Tännesberg haben wir nicht in Weiden. Wie kann das sein?"

"Dringenden Handlungsbedarf" erkennt auch Stefan Rank (Bürgerliste). Und er stellte eine "provokative Frage": "Haben wir zu viele Spielplätze?" Rank regt an, spärlich angenommene Anlagen aufzulösen und dafür andere, beliebte qualitativ aufzurüsten. Nach Anregung von Gabi Laurich (SPD) könnten die ehrenamtlichen Spielplatzkümmerer Auskunft über die Beliebtheit einer Anlage geben. Und dann weniger frequentierte Spielplätze abschaffen? So arg provoziert fühlt sich von diesem Vorschlag noch nicht mal die Antragsstellerin Laura Weber. Zurück zum Entenbühl: Wenn dort keine Kinder mehr verkehrten, warum sollte nicht einfach eine Änderung des Zielpublikums die Lösung bringen, fragt die Grüne. "Warum nicht Plätze für Seniorinnen und Senioren schaffen?"

Pläne für Neunkirchener Spielplatz "An den Weihern"

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Spielplätze: Das unternimmt die Stadt 2021

  • Neubau des Spielplatzes in der Max-Reger-Anlage inklusive behindertengerechter Spielgeräte
  • Neubau Skateranlage am Jugendzentrum
  • Erneuerung der Sandspielkombination im Kindergarten Lorenz Werthmann
  • Sanierung des Spielplatzes Entenbühlstraße (2. Jahreshälfte)
  • Neubau des Spielplatzes am Sparda-Bank-Stadion (2. Jahreshälfte)
  • Sandreinigung auf verschiedenen Spielplätzen im Sommer
  • Austausch und Instandsetzung von Geräten auf verschiedenen Spielplätzen
  • In Planung: Neubau eines Spielplatzes auf der Fläche "Am Kriegerdenkmal" in Rothenstadt (mit Spielgeräten des ehemaligen Spielplatzes an der Hans-Sauer-Schule)
  • In Planung: Ausbau des Spielplatzes Hofackerstraße (Neunkirchen) im Zuge des städtebaulichen Entwicklungskonzepts
  • In Planung: Erneuerung der Spielgeräte in der Anlage "An den Weihern" (Neunkirchen), auch im Sinne des Inklusionsgedankens

 

 

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