20.01.2021 - 16:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wüstenluchs in Weidener Wohnung: Halterin wollte Raubkatzen züchten

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Nachdem die Polizei in einer Wohnung in Weiden einen Wüstenluchs beschlagnahmt hat, suchen das Veterinäramt Weiden und der Tiergarten Nürnberg nach einer neuen Bleibe für die Raubkatze. Die Halterin wollte wohl in die Zucht einsteigen.

Wüstenluchs „Philipp“ steht in der Quarantänestation des Tiergartens Nürnberg.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Ein Wüstenluchs sitzt vor gut einer Woche auf der Heizung in einer Weidener Wohnung und faucht Polizisten, Veterinärmediziner und sogar die Halterin, eine 44-jährige Weidenerin, an. Wenig später wird die Raubkatze beschlagnahmt und von der Feuerwehr Weiden in den Tiergarten Nürnberg gebracht. Der Wüstenluchs braucht nun ein neues Zuhause, weiß die Chefin des Veterinäramts Weiden, Barbara Bäumler. Sie war auch bei der Beschlagnahme des Tiers vor Ort. Ein ungewöhnlicher Einsatz.

Den Wüstenluchs hat die 44-jährige Halterin übrigens "Philipp" genannt und ihn bei sich in der Küche einquartiert. "Eine normalgroße Küche", sagt Bäumler, wie sie in einer Etagenwohnung typisch ist - aber viel zu klein für so ein Tier. In der Küche befanden sich Hundebox und Decke für den Wüstenluchs. Die Frau habe das Wildtier mit Gockelschenkel und Innereien gefüttert. Nebenan hätten Hauskatzen gelebt. Die aber mussten immer dann in ein Zimmer gesperrt werden, wenn der Luchs Auslauf in der Wohnung hatte, erklärt Bäumler.

Raubkatze mit Blasrohr betäubt

Laut der Weidener Veterinäramtschefin habe die Luchs-Halterin das Tier wohl Anfang Dezember gekauft. Bei einem privaten Züchter in Tschechien. So jedenfalls ginge es aus entsprechenden Unterlagen hervor. Unklar ist, wie viel die Frau für den Wüstenluchs bezahlt hat. Fest steht, was sie mit "Philipp" vor hatte: "Die Frau wollte das Tier für die Zucht", sagt Barbara Bäumler. Das Weibchen dazu habe sie sich noch anschaffen wollen. Die Dame habe angegeben, das Tier in der Ukraine züchten zu wollen. Doch so weit kam es nicht. Nach einem anonymen Hinweis erfolgte die Beschlagnahme des Luchses.

Einfach gestaltete sich der Abtransport nicht, aber die 44-Jährige habe geholfen, erinnert sich Bäumler. Denn nachdem die Halterin die Küchentür geöffnet hatte, begann der Wüstenluchs heftig zu fauchen und zu knurren.

Bei der Beschlagnahme und vor allem beim Abtransport in einer in der Wohnung herumstehenden Transportbox habe die 44-jährige Halterin aber einen erleichterten Eindruck gemacht. Untätig sei sie nicht geblieben. "Es ist ein Wildtier und nicht streichel- oder händelbar“, erklärt Bäumler. Die Weidenerin aber habe ganz genau gewusst, wie nah sie an das Wildtier herantreten kann. Etwa einen Meter Abstand müsse man halten. Das Tier hatte sechs Zentimeter lange Eckzähne, es wog rund 13 Kilo – und sollte sich freiwillig in die Transportbox bewegen. Doch das Locken der Halterin auch mit hingeworfenem Futter scheiterte. Das Tier sei augenscheinlich satt gewesen. Und wenig später k.o.. Denn Bäumlers Kollegin habe es über ein Blasrohr betäubt. Der ruhig gestellte Luchs kam in die Box, die Feuerwehr brachte das Wildtier so nach Schwaig bei Nürnberg.

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Tiergarten Nürnberg leistet für Weiden Amtshilfe

Dort müsse der Luchs in einer Nebenstelle des Nürnberger Tiergartens erst einmal für 30 Tage in Quarantäne verweilen. „Weil er keinen gültigen Tollwutschutz hat“, erklärt Bäumler. Danach erst könne "Philipp" weitervermittelt werden. Der Tiergarten Nürnberg und das Weidener Veterinäramt suchen bereits nach einem neuen Zuhause.

Derweil erklärt Jörg Beckmann, stellvertretender Leiter des Tiergartens Nürnberg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, der Tiergarten sei keine Auffangstation für Fund- und Haustiere. Im Fall dieser Raubkatze aus Weiden, die nicht in einem Tierheim untergebracht werden könnte, habe der Tiergarten Amtshilfe geleistet. Zudem betont Beckmann, eine Raubkatze sei sicher nicht als Haustier geeignet. Über den Europäischen Zooverband solle eine Lösung für "Philipp" gefunden werden. Ganz selten seien Wüstenluchse in Zoos nicht. Das Tier benötige eine beheizte Unterkunft mit einer Außenanlage.

Peta fordert Haltungsverbot für "Exoten"

Und auch die Tierrechtsorganisation Peta Deutschland äußert sich zu dem Vorfall in Weiden. Sie schreibt in einer Pressemitteilung: "Angesichts dieses Funds kritisiert PETA scharf, dass die Privathaltung gefährlicher Wildtiere in Deutschland noch nicht einheitlich verboten ist und fordert, dass der Karakal in einer Auffangstation untergebracht wird und nicht im Nürnberger Zoo verbleiben muss." Deutschland sei eines der Schlüsselländer beim Handel mit exotischen Tieren, weil es keine ausreichenden Gesetze gibt, schreibt Peta. Sie fordere deshalb ein generelles Haltungsverbot von „Exoten“ in Privathaushalten.

"Ich glaube, dass die Coronakrise viele Menschen sehr einsam macht", merkt Bäumler an. Es bestehe die Gefahr, dass sich Leute aus Langeweile Tiere anschaffen. Sie appelliert an die Bevölkerung, lieber noch einmal über einen neuen Mitbewohner nachzudenken, bevor man sich etwa ein exotisches Tier anschafft.

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Hintergrund:

Das macht den Wüstenluchs aus

  • Wüstenluchs oder Karakal, wissenschaftlich: Caracal caracal abgeleitet vom türkischen "karakulak", übersetzt: Schwarzohr
  • Beheimatet in afrikanischen Savannen, asiatischen Sandwüsten und Steppen sowie teils in der Türkei.
  • Vorwiegend nachtaktiv
  • Hauptkennzeichen: Pinselohren
  • Ausgewachsener Karakalkater bis zu 100 Zentimeter lang
  • Gewicht zwischen 13 bis 18 Kilogramm
  • Jagen vor allem kleinere Säugetiere wie Mäuse, Hasen oder Kaninchen, erlegen aber auch Antilopen oder Schafe, fressen Schlangen und Fische.
  • Besonderes Kennzeichen: Springen aus dem Stand bis zu drei Meter hoch, um Vögel zu fangen.

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