31.05.2021 - 09:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zeiten ändern sich – Zeitungen auch

In 75 Jahren hat sich das Erscheinungsbild der Tageszeitung immer wieder gewandelt. Das Layout passt sich den technischen Möglichkeiten, aber auch den Sehgewohnheiten der Leserinnen und Leser an. Wie wichtig das ist, zeigt der Blick zurück.

75 Jahre liegen zwischen diesen beiden Titelseiten. An der Gestaltung der Zeitung "Der neue Tag" hat sich in dieser Zeit viel geändert.
von Kai Gohlke Kontakt Profil

Der Inhalt der Zeitung ist jeden Tag neu: Bilder, Überschriften, Texte, Anzeigen. Das Erscheinungsbild, in dem all das täglich präsentiert wird, im Fachjargon das Layout, soll jedoch möglichst konstant sein. Die Leserinnen und Leser sollen sich in der Zeitung wohlfühlen, sie sollen alle Inhalte, die sie interessieren, möglichst auf den ersten Blick finden. Diese Konstanz in der Gestaltung ist wichtig und gehört zum Wesen einer Tageszeitung. Und trotzdem muss die Zeitung sich ständig verändern. Schon ein Blick auf die erste "Der neue Tag"-Ausgabe von vor 75 Jahren zeigt: So eine Zeitung möchte heute wohl niemand mehr lesen. Deshalb wird die Gestaltung der Zeitung, meist im Abstand von einigen Jahren, immer wieder auf den Prüfstand gestellt und an die Sehgewohnheiten der jeweiligen Zeit angepasst. Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich auch die technischen Möglichkeiten. Das gilt sowohl für die Druckmaschinen als auch für Redaktionssysteme, die den Redakteurinnen und Redakteuren immer mehr Freiheit bei der Gestaltung einräumen – manchmal zu viel.

Der renommierte deutsche Zeitungsdesigner Norbert Küpper, in Publikationen nicht selten als Layout-Papst bezeichnet, hat die Zeitungen "Der neue Tag"/"Amberger Zeitung"/"Sulzbach-Rosenberger Zeitung" in seinem Fach-Blog "Layouttipp" unter die Lupe genommen. Er bescheinigt den Zeitungen von Oberpfalz-Medien darin eine "kontinuierliche Weiterentwicklung". Das Layout sei in den letzten Jahrzehnten regelmäßig gestalterisch überarbeitet worden. Besonders hebt er hervor, dass die wichtigsten Bilder und Texte auf der Titelseite – die sogenannten "Aufmacher" – in der Regel Themen aus der Region behandeln. Den Zeitungskopf in blauen Versalien empfindet Küpper als "zeitlos", er strahle zudem Autorität und Seriosität aus.

Das Layout einer Zeitung wird aber nicht allein von den verwendeten Schriften, Farben oder den Spaltenbreiten geprägt. Wichtig ist auch, wie die Redaktion jeden Tag mit diesem "Werkzeugkasten" umgeht: Welche Bilder werden ausgewählt, wie groß und in welchem Bildschnitt werden diese gezeigt? Wie lang sind die Texte, wie viele Zusatzelemente wie zum Beispiel Infokästen oder Zitate werden verwendet, und wie werden diese angeordnet? Für die Redakteurinnen und Redakteure ist das ein ständiger Lernprozess, dessen Ergebnis immer wieder in der Blattkritik abgeprüft wird, die ein wichtiger Bestanteil der täglichen Redaktionskonferenzen ist. Dabei ist klar: Wir können nicht jeden Tag alles richtig machen. Aber wir haben den Anspruch, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Dabei helfen auch regelmäßige Schulungen und ein internes Handbuch mit Regeln und Tipps für gutes Layout, das zurzeit er- bzw. überarbeitet wird. Es soll künftig auch Musterseiten enthalten, die als Vorlage für die tägliche Arbeit dienen.

Auch inhaltlich stellt sich die Zeitungsredaktion auf die geänderten Bedürfnisse der Leser ein

Weiden in der Oberpfalz

Um ein solches Regelwerk aufzustellen, muss erst einmal die grundsätzliche Frage geklärt werden, was eigentlich "gutes" Layout ist. Dabei geht es in erster Linie nicht um ästhetische Fragen, nicht um Begriffe wie "schön". Layout in der Zeitung ist kein Selbstzweck, sondern hat eine klare Funktion: Die Leserinnen und Leser sollen sich, wie bereits eingangs erwähnt, in der Zeitung gut zurechtfinden. Sie sollen die Inhalte, die sie besonders interessieren, schnell erfassen können. Ein wichtiger Grundsatz im Layout lautet deshalb: "Kleines klein und Großes groß". Das heißt: Der jeweils wichtigste Artikel auf einer Seite ist auf den ersten Blick als solcher zu erkennen – er nimmt die größte Flache ein, hat das mit deutlichem Abstand größte Bild und die größte Überschrift. Zusätzliche Elemente wie Infografiken und Kurzkommentare reichern diesen Aufmacher an.

Dabei kommt das wichtigste Layout-Kriterium zum Tragen: die Ordnung. Schon durch die Anordnung der einzelnen Element muss sofort klar sein, welche Inhalte zusammengehören – und welche eben nicht. Deshalb hat sich bereits vor Jahrzehnten im Zeitungslayout der so genannte Block-Umbruch durchgesetzt. Er löste den davor vorherrschenden Schachtel-Umbruch ab, bei dem die Artikel einer Seite quasi miteinander verzahnt waren, auch wenn sie inhaltlich nichts miteinander zu tun hatten. Ebenso wichtig ist es heute, dass zusätzliche Elemente im Artikel wie Bilder oder Zitate nicht den Lesefluss stören. Das heißt: Der Leser muss an der jeder Stelle erkennen können, wo der Text weitergeht, ohne sich den Anschluss an die nächste Spalte erst mühsam suchen zu müssen.

Diese grundsätzlichen Ansprüche an Layout sind unveränderlich. Die Art und Weise, wie sie umgesetzt und interpretiert werden, wird sich aber auch in Zukunft immer weiterentwickeln und an die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Leserinnen und Leser anpassen. Und so werden wir wohl auch in fünf Jahren, wenn wir für die nächste Jubiläumsbeilage in der heutigen Ausgabe blättern, leise den Kopf schütteln und uns fragen, wie wir mal "so eine" Zeitung machen konnten.

Am 31. Mai 1946 erschien Der neue Tag zum ersten Mal.
Am 31. Mai 1996, 50 Jahre nach Erscheinen der ersten Ausgabe, hatte sich Der neue Tag optisch noch kaum verändert.
Der neue Tag vom 31. Mai 2006 präsentiert sich in einem deutlich anderen Erscheinungsbild als noch 10 Jahre zuvor. Bilder können jetzt farbig gedruckt werden, der Titelkopf ist modernisiert.
Der neue Tag vom 31. Mai 2016: Nicht nur das Verlagsgebäude in der Weigelstraße in Weiden erstrahlt in neuem Glanz. Auch die Zeitung selbst präsentiert sich innerhalb von 10 Jahren nochmal moderner - und mit Überschrift im Bild und einem Farbleitsystem auf Höhe der (damaligen) Zeit.
Angekommen in der Gegenwart: Am 15. Mai 2021 ist Der neue Tag noch einmal deutlich moderner, klarer, aber auch etwas "luftiger" geworden.

"Der Zeitungskopf in blauen Versalien wirkt nicht sehr eigenwillig, aber er ist zeitlos und strahlt eine gewisse Autorität und Seriosität aus."


Zeitungsdesigner Norbert Küpper im Blog "Layouttipp"

 

 

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