14.09.2021 - 17:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zoff bei Weidener Tafel: Nur noch Lebensmittel für Geimpfte und Genesene?

Die Weidener Tafel kommt nicht zur Ruhe. Neuester Konflikt ist ein Streit um Zugang zur Lebensmittelausgabe für Ungeimpfte. Auf die ist der Vorsitzende ziemlich sauer.

Menschen stehen Schlange, weil sie auf Lebensmittel der Weidener Tafel warten. Sie zu bedienen, wird immer schwerer, sagt Tafel-Chef Gebhardt. Fehlender Impfschutz bei vielen Abholern mache immer mehr Mitarbeitern Angst.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

In einer E-Mail beschwert sich ein Tafel-Kunde bei Oberpfalz-Medien. Der Verein diskriminiere Menschen, die sich den Anti-Corona-Impfschutz nicht spritzen lassen. Dabei lebe der Verein doch von Steuergeldern. Den Verantwortlichen nennt der Absender gleich mit: Vorsitzender Josef Gebhardt. Der wolle ab Oktober nur noch Geimpfte in die Lebensmittelausgabestellen lassen.

Geimpfte und Genesene, präzisiert der Angegriffene. "Ich kann mir schon denken, von wem das kommt", sagt Gebhardt. "Ein notorischer Querulant." Beschlossen sei aber noch gar nichts, erklärt der Tafel-Chef. "Wir haben in 14 Tagen Vorstandssitzung. Dann müssen wir auch die Frage klären, ob wir ab Ende Oktober nur noch Geimpfte und Genesene zulassen und wie wir das kontrollieren."

Von Diskriminierung könne keine Rede sein, es gehe schlicht darum, den Betrieb aufrechterhalten zu können, schlägt Gebhardt Alarm. "Gute Mitarbeiter und Abholer bleiben mir weg, die haben Angst." Denn die Zentrale in der Fichtestraße und einige Außenstellen im Landkreis sind leider ein Hort von Impfmuffeln, lässt Gebhardt durchblicken.

Niedrige Impfquote

Als vor vier Wochen das Szenario drohte, dass Weiden die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 reißt, habe der Vorstand abgefragt, wer von den 70 Mitarbeitern und den knapp 160 Abholern geimpft sei. Während bei den Mitarbeitern die Quote mit 70 Prozent recht ordentlich sei und in den Ausgabestellen bei fast 100 Prozent liege, habe sich nur jeder zweite Kunde bislang eine Spritze gegen Covid-19 geben lassen. Die Folge: Ehrenamtliche Helfer machen derzeit einen Bogen um die Ausgabestellen. "Wir haben auch den Fall von Senioren, bei denen die Kinder sagen, dass sie die Enkel nicht sehen dürfen, wenn sie so viel mit Ungeimpften zu tun haben."

Gebhardt seufzt, dass es immer schwerer werde, deswegen die dreimalige Öffnung pro Woche zu organisieren. Vor 14 Tagen habe er auch einen Impfbus vor Ort organisiert. Immerhin 21 Menschen aus dem Tafel-Umfeld hätten sich bei dieser Gelegenheit überzeugen lassen. Doch das reicht nicht. "Viele sehen nicht ein, dass es Regeln braucht", ist der Vorsitzende vor allem auf 30- bis 60-Jährige sauer, die als Ungeimpfte Senioren einen Schrecken einjagten.

Unseriöse Medien

Das Problem: Viele aus dieser Klientel läsen keine Zeitung oder hätten es nicht mit seriösen Medien. Die holten sich ihre Informationen aus Whatsapp-Gruppen und erzählten dann haarsträubende Dinge weiter. Gebhardt: "Leute über 60 sagen mir allen Ernstes: Ich weiß nicht, was in dem Impfstoff drin ist. Es kann sein, dass damit alle Deutschen ausgerottet werden sollen." Auch die ausländische Kundschaft habe Vorbehalte. Gebhardt stellt jedoch extra Mitarbeiter dafür ab, Menschen mit Sprachproblemen oder aus anderen Kulturkreisen ihre Ängste zu nehmen.

Wie also weiter verfahren? Impfskeptiker könnten geimpfte Vertreter bei der Ausgabe vorbeischicken, macht Gebhardt ein Angebot. Von Tests vor den Ausgabestellen hält er wenig. "Dann bräuchte ich einen Arzt oder Apotheker, der das ehrenamtlich macht." So richtig Lust dazu hat der Mann vom Kopfende der Tafel dazu aber nicht. "Wir können nicht ständig auf Querulanten Rücksicht nehmen."

Der Streit um die Weidener Tafel mit Stadträtin Sonja Schuhmacher

Weiden in der Oberpfalz

"Leute über 60 sagen mir allen Ernstes: Ich weiß nicht, was in dem Impfstoff drin ist. Es kann sein, dass damit alle Deutschen ausgerottet werden sollen."

Josef Gebhardt, Vorsitzender der Weidener Tafel

Josef Gebhardt, Vorsitzender der Weidener Tafel

 

 

Kommentare

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Martin Pfeifer

Sind die Tafeln Einzelhandel? Nein! Als die Tafeln mit Rücksicht auf die meist älteren Personen hinter dem Tresen während der ersten Welle schlossen, hatten alle Verständnis. Und jetzt? Offensichtlich sind einige - zu viele - immer noch der Meinung, das die Corona-Infektion nur eine Grippe sein. Und sie trifft es sowie so nicht, weil sie wissen ja alles besser.

Die Impfung kostet doch den Bürger nichts. Vom Staat bezahlt, so ein Geschenk muß man doch in seinem eigenen Interesse annehmen.

Und lieber Herr Kunert, schon mal überlegt, das eine Corona-Impfung halt nicht 100-prozentig schützt? Ich kann es schon verstehen, das gerade ältere Menschen gerne das Risiko minimieren möchten. Erwarten sie wirklich, das die Ehrenamtlichen nicht nur ihre Freizeit für diese Tätigkeit opfern, sondern auch noch ein vermeidbares Restrisiko für ihr Leben eingehen?

Die Ausgabe findet ja im geschlossenen Räumen statt? Sollen die Ausgeber zu ihrem Schutz draußen in der Kälte stehen? Und damit auch wiederum ihre Gesundheit gefährden?

Und lieber Herr Kunert, sind sie sich über die Folgen einer Schließung der Tafeln für die Klientel im klaren? Das wäre wohl die Alternative. Sie können die Ehrenamtlichen nicht zwingen. Wenn die nicht wollen, gibt es halt keine Tafel mehr.

Ich denke, da braucht das Nachdenken über die Folgen einer Impfung versus einer Nicht-Impfung wohl keine lange Zeit. Denn: auch wenn die Politiker es heute anders sagen, Schulschließungen und der dritte Distanz-Unterricht sind durchaus möglich. Das würde dann wiederum vor allem die Kinder der typischen Tafel-Kunden treffen. Also jene Personen, die sich nicht impfen lassen wollen. Für mich ist das dann letztendlich "selber Schuld".

Es ist eigentlich schade, das in Deutschland diese Errungenschaft der Medizin von zu vielen ignoriert wird.

15.09.2021