25.10.2020 - 10:12 Uhr
WeidingOberpfalz

Gleiritsch, Teunz, Weiding – eine geschichtliche Spurensuche

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Die Orte Gleiritsch, Teunz und Weiding zählen zu den ältesten bisher nachgewiesenen Siedlungen im Gebiet des Altlandkreises Oberviechtach. Slawische und bajuwarische Wurzeln spielen in ihrer Entstehung eine Rolle.

Steinernes Relikt einer wechselvollen Geschichte: Von der einstigen Burganlage auf dem Frauenstein bei Weiding sind nur noch wenige Mauerreste und Teile eines Torbogens erhalten. Eine Wanderung zum Gipfel dauert etwa eine Stunde.
von Alois KöpplProfil

Die geschichtliche Spurensuche in der Region beginnt in Gleiritsch. Der Ort wurde 1031 erstmals nachweislich erwähnt – vor knapp 1000 Jahren. Ob die erste „Gleiritscher Keimzelle“ von Slawen errichtet wurde oder ob der Bachname bei der Namensgebung Pate stand, ist ungewiss. Der Name jedenfalls kommt aus dem Slawischen und bedeutet Bodenerhöhung am Bach (glova = Bodenerhöhung, rěčica = Bächlein).

Unter der Bezeichnung „Gloureizi“ tauchte der Name im Güterverzeichnis des Regensburger Benediktinerklosters Sankt Emmeram aus dem Dunkel der Geschichte auf. Der Vermerk in einer Schriftenrolle berichtet von drei Feldstücken bzw. Besitzungen in Gleiritsch, für die eine Steuer an das Kloster zu entrichten war. Eine blaue heraldische Lilie im Gleiritscher Gemeindewappen erinnert an das Regensburger Kloster, zu dessen Herrschaftsbereich die Siedlung einst gehörte.

Durch Lautverschiebung kam es im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zu einer Veränderung in der Schreibweise des Ortsnamens. Urkundlich belegt ist die Schreibung Gloureizi (1031), Gleurast (1194), Gläurätsch (1323), Glewretsch (1397), Glawracz (1427), Glayritz (1582) und Gleiritsch (1607).

Eine Vielzahl unterschiedlicher Lehensherrn hatten die Hofmark Gleiritsch inne. Angefangen von „Oudalric und Marquard von Gleurast“, denen die Zeller, Hachenberger, Muracher, Zenger, Losnitzer, Warperger, Schlammersdorfer und Gleissenthaler folgen, sind die Plassenberger heute noch namentlich bekannt. Die Waldabteilung Plassenberg, die Plassenbergschützen, die Plassenbergerstraße, das Tiergehege „Blassenberg“ und mehrere Grabplatten in der Gleiritscher Kirche erinnern an das Adelsgeschlecht.

Ihnen folgten die Portner, Lamminger, Brandt und die Grafen von Kreith, die später ihren Hofmarkssitz in Gleiritsch aufgaben und sich auf Schloss Guteneck niederließen. Das Gleiritscher Schloss verfiel, ebenso wie die frühere Burganlage auf dem „Weider“. Die Burgruine diente als Abbauort für Baumaterial und ist zwischenzeitlich fast völlig verschwunden.

Einblick in die Geschichte der Burg "Haus Murach" bei Oberviechtach

Oberviechtach

Bei Teunz handelt es sich um einen slawischen Namen. Der Ort dürfte vor der Jahrtausendwende entstanden sein, mit der Ankunft slawischer Siedler. Der Name Teunz kommt vom slawischen „tync“ („kleine Burg“) oder von „tyn“ („Mauer, Zaun oder Umwallung“). Ob ein Zusammenhang zwischen einer Besiedlung durch die Slawen und den kaum mehr sichtbaren Überresten eines nordöstlich von Teunz gelegenen Burgstalls an der Murachschleife besteht, ist nicht nachgewiesen. 1280 wird der Name „Teinzen“ urkundlich erwähnt.

Von besonderer Bedeutung war der Wasserreichtum um Teunz mit vielen Bächen. Die Wasserkraft war für Teunz und die Region von elementarer Bedeutung. Da die Lage am Wasser die Voraussetzung für den Betrieb von Mühlen, Schleifen und Hammeranlagen war, teilten sich mehrere Lehensherren das Gebiet entlang der Bäche. So erscheinen in den Akten der Archive die Ortsteile „Oberteunz“ (Hebermühle), „Mittelteunz“ und „Unterteunz“.

Der Burgstall auf dem Wildenstein

Wildstein bei Teunz

Der Ort Weiding im Landkreis Schwandorf stellt eine siedlungsgeschichtliche Besonderheit dar. Der nachweislich einzige echte „-ing-Ort“ im Altlandkreis geht auf bajuwarische Wurzeln zurück. Weiter südlich ist das Vorkommen der Orte mit gleicher Endung weit verbreitet. Im niederbayerischen Herzogsurbar erfolgt die Nennung von Weiding unter der Herrschaft Schneeberg. Der Ortsname kann vom Namen „Wido“ als Gründer der Ansiedlung oder von „wide“, also Weidenbusch, abgeleitet werden.

Während einige Forscher eine siedlungsgeschichtliche Verbindung mit dem Chamer Becken sehen, wird auch die romanische Nikolauskirche im Stadtteil Venedig in Nabburg, vermutlich aus dem zwölften Jahrhundert, als Ausgangspunkt der Gründung Weidings angesehen. Die Ortschaft gehörte zur Burg Frauenstein, deren Fragmente noch heute vorhanden sind.

Das ist über den Frauenstein bekannt

Lange war der Ort im Besitz der Ländereien der böhmischen Krone. Satzenhofer, Zenger, Fuchs und Muracher folgen als Lehensherrn. Zu den Besitzungen zählten auch die Burg auf dem Reichenstein bei Stadlern sowie die Stadt Schönsee, die Orte Gaisthal, Pondorf, Stadlern, Schönau und der Eisenhammer in Schwand. Weiding wechselte in der Folgezeit häufig die Besitzer. 1803 kam es durch Versteigerung an Wilhelm Freiherr von Eckart.

In der Murach bei Teunz steht ein gemauerter Bildstock. Wasser hatte in der Ortsgeschichte große Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung.
Das Feuerwehrhaus in Gleiritsch beherbergt im Obergeschoss die Gemeindekanzlei und einen Raum für die Feuerwehrkameraden. Ein kleines heimatgeschichtliches Museum ist in den Raum integriert.
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