22.11.2020 - 11:22 Uhr
WeidingOberpfalz

Kälteferien und Lehrerwohnungen: Blick in Weidinger Schulgeschichte

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Mit der Zeugnisvergabe im Juli 2007 geht die jahrhundertealte Weidinger Schulgeschichte zu Ende. Die derzeit laufende Sanierung des letzten Unterrichtsgebäudes gibt Anlass zu einem Rückblick.

Über einen Zeitraum von 120 Jahren spielte sich die Weidinger Schulgeschichte hier ab: In diesem Gebäude nahe der Kirche wurden von 1839 bis 1963 die Kinder unterrichtet.
von Ludwig HöcherlProfil

Eine Notiz über ein Unglück steht am Anfang der Schulgeschichte von Weiding: "Am 28. Juli 1679 ist des Nachts ein schweres Gewitter kommen. Pflichtgemäß besorgte der damalige Schulmeister Caspar Walbrumb das Wetterläuten. Ein Blitz schlug ein in das Glockenhaus und tötete den Sohn des Lehrers, der seinem Vater zu Hilfe kommen wollte". Mit diesem Eintrag im ältesten erhaltenen Pfarrmatrikel von Weiding hat Walbrumb zugleich die erste Nachricht über das Wirken eines Schulmeisters festgehalten.

Auf der Filial Weiding befindet sich eine solche Anzahl schulbarer Kinder, dass ein Drittel der Kinder kaum einen Platz zum Stehen, noch viel weniger zum Sitzen finden können.

Meldung des Schönseer Pfarrers aus dem 18. Jahrhundert

100 Jahre später, so ist in der 2003 erschienenen Festschrift zum 40-jährigen Bestehen des letzten Schulhauses zu lesen, schreibt Pfarrer und Schulinspektor Suter aus Schönsee, "auf der Filial Weiding befindet sich eine solche Anzahl schulbarer Kinder, dass ein Drittel der Kinder kaum einen Platz zum Stehen, noch viel weniger zum Sitzen finden können". Wird an die Regierung im Jahr 1804 noch berichtet, dass "die meisten Mitglieder der Gemeinde ihre schulfähigen Kinder gar nicht oder sehr unordentlich zu Schule schicken", hat sich dies 50 Jahre später zum Positiven gewandelt. In einem Visitationsbericht von 1853 ist festgehalten, "dass der Lehrer Johann Beck für seinen Beruf ein begeisterter Mann ist, weshalb die Schule zu den besten Schulen zählt".

Bei einem Ortstermin informiert sich der Weidinger Gemeinderat über die Schulsanierung

Weiding

Als 1870 das im Jahr 1839 neu bezogene Schulhaus nahe der Kirche mit 131 Kindern wieder überfüllt war, sollte ein zweiter Lehrer angestellt werden. 1899 berichtet Lehrkraft Nikolaus Bösl, dass das Präsentationsrecht auf der Schulstelle Weiding der Gräflich Du Moulinschen Herrschaft von Winklarn zusteht. Der Lehrer erhielt damals von allen Kindern ein Schulgeld, er hatte aber dem Schulgehilfen volle Verpflegung und einen Wochenlohn zu geben.

Ein Vermerk in der Festschrift von 2003 erinnert, dass im Winter 1928/29 die Temperatur auf minus 35 Grad fiel. Selbst nach Aufheizen des Schulzimmers zeigte das Thermometer immer noch 20 Minusgrade – Kälteferien wurden angeordnet. Im Dezember 1937 wurden für die Schulspeisung 300 Reichsmark genehmigt. Und ältere Bürger können sich bestimmt noch an einen Ausflug im April 1947 auf den Schwarzwihrberg bei Rötz erinnern: per Lastwagen ging es dorthin.

Anfangs der 1960er Jahre befasste sich die Gemeinde mit dem Neubau eines Schulhauses. Beim Richtfest am 4. August 1962 ließ Bürgermeister Hans Wirnshofer das Projekt Revue passieren. Nach der kirchlichen Weihe am 23. November 1963 durch Pfarrer Franz-Xaver Hebauer würdigten Ehrengäste das Engagement von Gemeinde und Bewohnern und hoben die Notwendigkeit für ein neues Schulgebäude hervor. Im angrenzenden Lehrerwohngebäude bezogen im Januar 1964 Hauptlehrerin Walburga Stenger, Lehrer Heribert Bäumler und die außerplanmäßige Lehrerin Gerda Hesse ihre Dienstwohnungen.

Von größeren Einschnitten wird ab dem Schuljahr 1969/70 berichtet. Damals begann mit dem Einsatz von Schulbussen die Aus- und Verlagerung von Schulklassen. Ab 1969 wurde das neunte Schuljahr Pflicht, die Neuntklässler aus Weiding wurden in Schönsee unterrichtet. Im selben Jahr bildeten die Gemeinden Weiding, Schönau und Stadlern einen Schulverband. Die Schüler der einzelnen Gemeinden wurden klassenweise oder auch getrennt nach Buben und Mädchen in den drei Orten unterrichtet.

Nach 40 Dienstjahren in Weiding wurde Hauptlehrerin Walburga Stenger zum Ende des Schuljahres 1977/78 in den Ruhestand verabschiedet. Die Führung übernahm Alfred Dirscherl. Ereignisreich wird das Schuljahr 1979/80 beschrieben: Dabei ging es um den Fortbestand oder die Auflösung der Grundschule Weiding, denn im Zuge der Gebietsreform 1972 hatte sich die Schülerzahl entscheidend verringert. Von einem "emotionsgeladenen und schließlich erfolgreichen Kampf um die Erhaltung der Schule", der auch überregionales Interesse fand, wurde damals berichtet. Nach der Erkrankung von Alfred Dirscherl übernahm Lehrer Karl Völkel ab 2001 die Leitung der Schule, der 2004 nach seinem Ausscheiden das Zepter an seine Frau Anna weiterreichte.

Noch drei Jahre blieb den Weidingern "ihre" Grundschule erhalten. Durch den Rückgang der Schülerzahlen waren die Bedingungen für die Fortsetzung eines Schulbetriebs schließlich nicht mehr zu erfüllen. Ende Juli 2007 übergab Lehrerin Anna Völkel zum letzten Mal Zeugnisse mit dem Schulstempel "Volksschule Weiding".

Im Gebäude blieb es aber weiterhin lebendig: Die Turnhalle wurde für Gymnastikabende genutzt, verschiedene Gruppen, wie zuletzt der Bayernfanclub "Wildes Bergvolk", fanden hier ein Domizil. Aktuell erfährt das Haus eine energetische Sanierung, um auch weiterhin Treffpunkt für Sport oder Geselligkeit sein zu können.

Diese Kinder der Klassen 1 bis 4, mit Schulleiterin Anna Völkel (vorne links) und Lehrerin Waltraud Eichstetter (hinten, vierte von rechts), gingen als letzte in Weiding zur Schule.
44 Jahre wurde hier unterrichtet: 1963 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht, im Schuljahr 2006/07 fand dort letztmals Unterricht statt. Aktuell wird das Haus energetisch saniert, an der Außenfassade sind die Arbeiten abgeschlossen.

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