23.07.2020 - 16:27 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Berufsausbildung neu erfinden

Die Initiatoren des Verbundprojekts "Abbo" haben sich viel vorgenommen. Schließlich sollen ihre Pläne später deutschlandweit übernommen werden können.

Luce-Vorstand Professor Erich Bauer erläutert das Verbundprojekt "Abbo".
von Siegfried BühnerProfil

Bereits ab dem 1. August kann die Arbeit beim Verbundprojekt "Abbo" (Allianz für Berufliche Bildung in Ostbayern) aufgenommen werden. Grünes Licht und gab es dafür jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Wie berichtet zählt das Projekt "Abbo" zu den 17 Siegern des bundesweiten InnoVET-Wettbewerbs, an dem sich 176 Bewerber beteiligt hatten.

Verbund- und Kooperationspartner trafen sich im Life Cycle Building der BHS Corrugated und im Innovation Center in Weiherhammer um die Details der Projektumsetzung zu erfahren. Im Bundeshaushalt sind bisher für alle Einzelprojekte insgesamt 80 Millionen Euro an Fördermittel eingeplant. Das Förderkontingent für "Abbo" könnte deutlich über dem rechnerischen Anteil eines einzelnen Antragstellers von knapp 5 Millionen Euro liegen, stellt Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht als bildungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fest.

Spannende Projekte: Denkwelt und Abbo

Weiherhammer

Noch steht jedoch die exakte Fördersumme für "Abbo" nicht fest. Sie wird in einer Versammlung der Projektträger im Bundesministerium im August im Einzelnen festgelegt. Begeistert äußert sich Professor Erich Bauer, Vorstandssprecher der Lars- und Christian Engel-Stiftung (LUCE-Stiftung). „Wir werden unschlagbar in der Region und darüber hinaus“. Die von ihm geleitete Stiftung hatte die Antragstellung organisiert und übernimmt beim Verbundprojekt die Netzwerkkoordination.

Was konkret im Projekt umgesetzt werden soll, erläuterte Florian Waldeck, Projektleiter im Future Lab des Science Parcs der Luce-Stiftung in Weiherhammer. Dort seien auch schon umfangreiche konzeptionelle Vorarbeiten geleistet worden. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung „systemverändernder Maßnahmen in der Ausbildung für elektro-, metall- und produktionstechnische Berufsfeldern“. Vier Bausteine sollen dafür entwickelt werden und gemeinsam im "Abbo"-Cluster der Verbund- und Kooperationspartner umgesetzt werden. Die neuen Konzepte sollen hauptsächlich in Klein- und Mittelbetrieben umgesetzt werden können.

Im Baustein „beruflich-technische Frühausbildung“ geht es um die Heranführung von Schülern an gewerblich-technische Berufe. Ein weiterer Baustein befasst sich laut Projektleiter Waldeck mit der Entwicklung neuer sogenannter High-Tech- Modulen für industriell-technische Ausbildungsberufe. Traditionelle Ausbildungsinhalte und Abläufe sollen so besser zum digitale Zeitalter und der neuen Unternehmensstrukturen passen. Ein Beispiel könnten dafür Lernszenarien sein, bei denen unter Einsatz einer VR-Brille Schulungen ohne ein physisches Modell durchgeführt werden können. „So können Auszubildende beispielsweise den Aufbau einer Fräsmaschine virtuell lernen“ erläuterte Waldeck.

Mit einem weiteren Baustein soll ein Masterstudium für qualifizierte Beschäftigte, die nicht über einen Bachelor-Abschluss verfügen, entwickelt werden. Dadurch könne verstärkt zur Durchlässigkeit der Bildungssysteme beigetragen werden. Der Aufbau des „virtuellen Abbo-Campus“, der einen Einblick in alle Ausbildungswege- und Systeme bildet einen weiteren Baustein im Projekt. „Gemeinsam wollen wir mit vielen Unternehmen aus der Region als Kooperationspartner die Ausbildung neu konzipieren und Inhalte entwickeln, die transferiert werden können“ fasst "Luce"-Vorstand Bauer die Planungen zusammen. Genau dieser sei ja auch mit dem Innovationswettbewerb „InnoVET“ verbunden. Die Projektlaufzeit von "Abbo" ist auf vier Jahre ausgerichtet.

Zu den Verbundpartnern der "Luce"-Stiftung sind auch die OTH Amberg-Weiden, die BHS-Corrugated sowie die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, die für die wissenschaftliche Begleitung sorgt. Für den Bundestagsabgeordneten Rupprecht geht es auch darum „den Nachholbedarf im Bereich der beruflichen Bildung“ zu befriedigen und Vergleichbares zu realisieren, was im Universitätsbereich mit den Exzellenz-Universitäten bereits umgesetzt wurde. „Die berufliche Bildung darf nicht wegkippen“ sagte Rupprecht. Schließlich sei sie für eine gesunde mittelständische Struktur unverzichtbar.

Verbund- und Kooperationspartner des Projekts "Abbo" zusammen mit "Luce"-Vorstand Professor Erich Bauer, Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht (vorne links und rechts) sowie OTH-Vizepräsidentin Christiane Hellbach und Landtagsabgeordnetem Stephan Oetzinger (zweite Reihe).
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