06.08.2018 - 11:45 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Forschen statt Freibad

Nach wie vor sind Frauen in naturwissenschaftlichen Studienfächern in der Minderheit. Forscherinnen-Camps wollen das ändern - und haben damit tatsächlich Erfolg.

Die Teilnehmerinnen des Forscherinnen-Camps zusammen mit den Veranstaltern. Die 13 jungen Damen haben bei BHS Corrugated eine knifflige Aufgabe bravourös gelöst.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Solche Camps finden in jedem Regierungsbezirk Bayerns nur ein- oder zweimal pro Jahr statt. Für die Oberpfalz hatten sich heuer BHS Corrugated zusammen mit der OTH Amberg-Weiden und dem Übzo an dem Programm beteiligt. 13 Schülerinnen aus ganz Bayern, darunter einige auch aus der nördlichen Oberpfalz, waren dabei. Fünf Tage der ersten Ferienwoche verbrachten sie in den Räumen der Veranstalter, lernten dort Prozesse und Abläufe kennen. Im Mittelpunkt stand jedoch ein gemeinsamer Arbeitsauftrag aus dem naturwissenschaftlichen Bereich.

„Digitalisierung einer Mess-Station zur Qualitätsprüfung von Wellpappe“ lautete die knifflige Aufgabe für die jungen Damen. Hilfe bekamen die Schülerinnen von OTH-Mitarbeitern, Studierenden und Ingenieuren von BHS und Übzo. In der Abschlussveranstaltung wurde über das Ergebnis berichtet. Qualitätsingenieur Florian Waldeck vom Übzo und OTH-Professor Mario Mocker stellten übereinstimmend fest: „Die Aufgaben wurden mit Bravour gelöst.“ Viele technische Fachbegriffe tauchten in den Präsentationen der Schülerinnen auf. So erklärten sie zum Beispiel was CAD und SPS bedeutet oder wie man einen Proben-Applikator herstellt. Zu sehen war auch, dass die Schülerinnen einen Roboter programmiert hatten.

Besuche in Laboren, im Übzo und die Besichtigung einer Wellpappenanlage machten Lust auf Technik. „Wir wollen mit dem Forscherinnen-Camp den Schülerinnen durch eigenes Erleben einen Eindruck von Technik vermitteln“, sagte Hermann Brandl, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Oberpfalz von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie in Bayern (bayme vbm), Hauptsponsor der Veranstaltung. Die Gesellschaft profitiere davon, dass Ausbildungsabbrüche verhindert und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werde, fügte Brandl hinzu. Dass Forscherinnen-Camps erfolgreich seien, belege eine Untersuchung. Hiernach hätten 75 Prozent der Teilnehmerinnen später ein naturwissenschaftliches Studium aufgenommen. Zum Beweis hierfür war bei der Präsentationsveranstaltung Susanne Herbst, Studentin der Umwelttechnik. Sie hatte vor Studienbeginn ebenfalls an einem Forscherinnen-Camp teilgenommen und war jetzt als Betreuerin dabei.

Hilfe erhalten Mädchen, die sie sich für ein technisches Studium entschieden haben, durch ein „Mentoring-Programm“ an der Hochschule, betonte OTH-Vizepräsidentin Christiane Hellbach. Längst habe sich auch die Zusammenarbeit von Unternehmen mit der Hochschule in der Berufsorientierung bewährt. BHS-Personalleiter Manfred Riedl setzt darauf, dass aus der Begeisterung der Teilnehmerinnen der Wunsch entsteht, „als Ingenieurin so etwas selbst zu konstruieren“. Riedl appellierte an die Eltern, solche Berufswünsche zu unterstützen. Die jungen Damen erhielten am Ende der Veranstaltung ein Zertifikat. Diese seien bei den Unternehmen sehr bekannt, meinte Brandl. "Ich empfehle, diese Bewerbungen beizufügen.“ Im Freizeitprogramm des Forscherinnen-Camps besuchte die Gruppe unter anderem das Luftmuseum in Amberg. Moderiert wurde die Präsentationsveranstaltung von Elena Dreher von der Projektleitung Forscherinnen-Camp des Bildungswerkes der Bayrischen Wirtschaft.

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