23.06.2021 - 16:45 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Heidenaab statt Haidenaab: (K)ein Schreibfehler?

Heidenaab-Apotheke. So heißt die Apotheke in Weiherhammer von Wilma Hopfenmüller seit einem halben Jahrhundert. Dabei schreibt man den Fluss in Weiherhammer doch mit A und I, die Haidenaab. Ob ein Rechtschreibfehler der Grund dafür ist?

Evelyn Badewitz leitet die Heidenaab-Apotheke in Weiherhammer seit 20 Jahren. Auf die Schreibweise wird sie häufiger angesprochen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Vor 50 Jahren gründete Wilma Hopfenmüller die Heidenaab-Apotheke in Weiherhammer – ja, richtig gelesen: Heidenaab mit e und i. "Heide wie die Landschaft", sagt die 86-Jährige und gibt lachend zu, eigentlich wollte sie ihre Apotheke nach der durch den Ort fließenden Haidenaab benennen. Aber es kam anders.

Aufgewachsen ist Hopfenmüller im Sudetenland. Als Elfjährige kam sie mit ihrer Familie nach Hessen, ging in Marburg zur Schule und studierte dort Pharmazie. Mit ihrem Mann Siegfried, "einem echten Bayer", zog sie nach Weiden. Nach der Geburt der Tochter, will Hopfenmüller wieder als Apothekerin arbeiten. 1971 weckt eine Annonce ihre Aufmerksamkeit: "Apotheke zu verpachten". Allerdings werden die gemieteten Räumlichkeiten in der Hauptstraße in Weiherhammer bald zu klein. Hopfenmüller baut ein eigenes Haus mit Geschäftsräumen am heutigen Standort, nur ein paar Häuser weiter. "So konnte ich Beruf und Familie besser vereinbaren."

Doch wie soll das neue Geschäft heißen? "Nach einem Heiligen wollte ich die Apotheke nicht benennen", erinnert sie sich. Warum also nicht nach dem Fluss Haidenaab, der durch den Ort fließt? Hopfenmüller lässt über den Architekten beim Wasserwirtschaftsamt nachfragen. Der zuständige Sachbearbeiter sagt damals "das Original schreibt man mit ei". "Wir haben das nicht nachgeprüft", sagt Hopfenmüller und meldete ihr Geschäft mit diesem Namen an.

Keltisch-germanischer Ursprung

Wie genau der Name Haidenaab entstand, kann man nicht genau sagen, erklärt Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm. "Der Name setzt sich aus dem Wort Haide und Naab zusammen. Heide ist dabei wörtlich zu nehmen und bezeichnet das, was wir auch heute darunter verstehen – ein unfruchtbares Land", erklärt sie. Der Begriff Naab weisen Sprachforscher einen keltisch-germanischen Ursprungs zu. "Die Sprache und auch die Rechtschreibung haben sich verändert", sagt Heimatpfleger Lothar Kraus aus Weiherhammer auf Nachfrage. So sind über die Jahrhunderte mehrere Schreibweisen bekannt. Im Jahre 1285 schrieb man „Heydnab“, 1340 „Haydnab“, 1491 „Haidenab“, 1796 „Heidenabe“ und 1832 „Heiden-Naab“.

Vom Ort Haidenaab aus, das ist ein Ortsteil von Speichersdorf, fließt der Fluss etwa sieben Kilometer nördlich nach Speichersdorf. Über Schlackenhof, wo der von Nordwesten kommende Flernitzbach einmündet, erreicht der Fluss den Landkreis Tirschenreuth. Vorbei am Schloss Kaibitz erreicht das Fließgewässer nach erneut kurzer Strecke den Landkreis Neustadt/WN. Bei Dorfgmünd mündet der größte Zufluss, die Creußen. Die Haidenaab fließt weiter über Pressath, Weiherhammer und Mantel nach Luhe-Wildenau, wo sie sich beim Ortsteil Unterwildenau mit der Waldnaab zur Naab vereinigt, die schließlich in die Donau und damit später ins Schwarze Meer fließt.

Namensänderung zu aufwendig

Nachfragen wegen der angeblich falschen Schreibweise kommen von Anfang an – und auch heute noch. "Daran haben wir uns und unsere Kunden schnell gewöhnt", sagt Evelyn Badewitz, die seit 2001 die Apotheke in Weiherhammer leitet. Dennoch wird der Name der Apotheke immer wieder falsch geschrieben. Über eine Änderung des Namens hat Wilma Hopfenmüller einst kurz nachgedacht, die Idee aber wieder verworfen. "Das wäre zu aufwendig und teuer gewesen", blickt sie zurück. "Einen Nachteil hatten wir aber deswegen nicht", sagt sie. Beim Buchstabieren konnte sie immer "Heide wie die Landschaft" sagen. "Das ist viel einfacher."

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Hintergrund:

Das ist die Haidenaab

  • Quelle: Nordöstlich von Kirchenpingarten im Landkreis Bayreuth im sogenannten Kohlholz
  • Mündung: Zusammenfluss mit der Waldnaab zur Naab bei Unterwildenau
  • Länge: 69,1 Kilometer
  • Abfluss: Über die Naab gelangt das Wasser in die Donau bis zum Schwarzen Meer
  • Eigene Radroute: Der Haidenaab-Radweg führt von Bayreuth circa 88 km bis zur Vereinigung mit der Waldnaab zur Naab nach Unterwildenau. Über den Naab-Radweg gelangt man bis nach Regensburg.

 

 

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